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Aus der Stadt Überflieger oder Hochstapler?
Hannover Aus der Stadt Überflieger oder Hochstapler?
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22:08 15.06.2015
Foto: Mit einem so genannten Jatho-IV-Doppeldecker unternimmt der Flugpionier Karl Jatho erste motorisierte "Luftsprünge" im Jahr 1908 auf dem Kaiserlichen Truppenübungsplatz in Hannover-Vahrenheide.
Mit einem so genannten Jatho-IV-Doppeldecker unternimmt der Flugpionier Karl Jatho erste motorisierte "Luftsprünge" im Jahr 1908 auf dem Kaiserlichen Truppenübungsplatz in Hannover-Vahrenheide. Quelle: dpa
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Ihre Motivation war noch konsensfähig: Eigentlich wollte die Historikerin Vanessa Erstmann belegen, dass der hannoversche Flugpionier Karl Jatho in einem Atemzug mit Otto Lilienthal und den Brüdern Wright in den Geschichtsbüchern genannt werden muss. Sein Luftsprung am 18. August 1903 von 18 Metern Länge in rund einem Meter Höhe – er musste doch beweisbar sein. Doch Erstmann fand in den Archiven keine belastbaren Belege dafür, dass dieser Flug wirklich gelungen war. „Jatho schaffte es nicht, diesen Flug zu reproduzieren“, gab sie unlängst in der HAZ zu bedenken. „Die Brüder Wright können ab 1903 tatsächlich fliegen – und zwar immer weiter, immer höher und gesteuert.“ Dem Hannoveraner sei ein echter Flug dagegen erst Jahre später gelungen – ein Rundflug sogar erst 1913.

Erstmanns Forschungsergebnisse brachten die Fachwelt gegen die junge Historikerin auf. Der Arbeitskreis Technik- und Industriegeschichte warf der Historikerin die „Diffamierung eines Pioniers“ vor. Sprecher Gunter Hartung teilte aus: Erstmann habe rücksichts- und instinktlos Jathos Demontage betrieben und dabei dürftig recherchiert.

Nun treffen Hartung und Erstmann am Mittwoch, 24. Juni, beim HAZ-Forum aufeinander, das in Kooperation mit dem Historischen Museum veranstaltet wird.

Hartung ist ein deutscher Funk- und Fernsehjournalist, Buchautor und Pilot. Er wirkte an 40 Dokumentarfilmen von Papua Neuguinea bis Südamerika mit und engagiert sich im Verein Plan Verde, der sich für die Renaturierung und Begrünung von Wüsten im Norden Perus einsetzt.

Erstmann hat Geschichtswissenschaft und Philosophie an der Leibniz-Universität studiert und schreibt an ihrer Dissertation über das Image von Hannover seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Die gebürtige Hannoveranerin und bekennende Sympathisantin der Stadt hält Vorträge über die Imageprobleme Hannovers. Zu den beiden kommt mit dem Historiker Thomas Schwark der Direktor der Museen für Kulturgeschichte Hannover. Die Moderation übernimmt der studierte Historiker und HAZ-Redakteur Simon Benne.

Die Diskussion beginnt im Foyer des Historischen Museums am 24. Juni um 18 Uhr. Der Eintritt ist für Inhaber der AboPlus-Karte kostenlos. Ansonsten wird um eine Spende für die HAZ-Weihnachtshilfe in Höhe von 2 Euro gebeten.

Von Jan Sedelies

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