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Aus der Stadt „Der Täter darf nicht hereinkommen“
Hannover Aus der Stadt „Der Täter darf nicht hereinkommen“
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21:00 05.11.2014
Michael Nickel (links) und Bernd Ingelmann informieren beim HAZ-Forum über das Vorgehen von Einbrechern.
Michael Nickel (links) und Bernd Ingelmann informieren beim HAZ-Forum über das Vorgehen von Einbrechern. Quelle: Nico Herzog
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Hannover

Erst am Wochenende erlebte ein Rentner in Neuwarmbüchen einen Albtraum. Der 93-Jährige hatte sich früh schlafen gelegt, um 18.50 Uhr standen plötzlich zwei Einbrecher an seinem Bett im Schlafzimmer. Es ist nur eine Polizeimeldung von einer ganzen Serie, die das Umland derzeit beschäftigt. Es gab innerhalb eines Wochenendes Einbrüche und versuchte Einbrüche in Sorgensen, Ahlten, Thönse und Sarstedt. Und die Polizeidirektion Hannover bestätigte gestern beim ausverkauften HAZ-Forum erneut, dass die Zahl der Einbrüche in den vergangenen Jahren gestiegen ist. 3606 waren es 2013, im Jahr zuvor waren es noch 2782. Die Aufklärungsquote liegt bei 22,68 Prozent.

„Aber was nützt ihnen ein aufgeklärter Fall, wenn das persönliche Sicherheitsgefühl weg ist?“, fragte Michael Nickel von der Technischen Prävention. „Ein Einbruch belastet, manche Menschen wachen anschließend schweißgebadet in der Nacht auf, Kinder fangen wieder an, ins Bett zu machen, viele ziehen aus ihren Wohnungen aus. Darum beraten wir, denn Einbrecher sind Serientäter und hören erst auf, wenn sie gestoppt werden.“

Beim HAZ-Forum zum Thema Einbrecher waren die Reihen gut besetzt. Quelle: Nico Herzog

Im Anzeiger-Hochhaus stellte Nickel gemeinsam mit Bernd Ingelmann an zwei Abenden Strategien vor, wie man Einbrüchen effektiv vorbeugt. Ein Grundsatz lautet dabei, dass man Einbrüche mechanisch verhindern muss. Elektronische Schutzeinrichtungen zeigen Einbrüche an, verhindern sie in der Regel aber nicht. „Der Täter darf nicht hereinkommen – das ist das Ziel“, sagt Nickel. Für Türen empfehlen die Beamten Zusatzriegel, Schutzbeschläge, sogenannte Schutzrosetten für Zylinder. „Wenn ein Täter eine Schraube an der Tür entdeckt, wird er sie auch aufschrauben“, sagte Ingelmann. Für Besitzer von alten Türen kommen sogenannte Panzerquerriegelschlösser infrage.

Die DIN-Norm für qualifizierte Türen lautet EN 1627. Für Fenster braucht es eine starke Verankerung zwischen Fensterflügeln und Fensterrahmen. Die Beamten drängen auf sogenannte umlaufend montierte Sicherheitsbeschläge mit Pilzkopfverriegelung. Dazu werden abschließbare Fenstergriffe mit einem Drehwiderstand von 100 Nm benötigt, damit der Täter die Fenstergriffe nicht einfach mit Kraft aufbrechen kann. Gegen Steine und Schläge durch das Fensterglas selbst hilft Verbundssicherheitsglas – und wache Nachbarn. „Eine zerbrochene Scheibe klingt anders als ein runtergefallenes Glas“, erklärte Nickel, der den Gästen riet, in solchen Fällen die Polizei unter 110 zu verständigen.

„Die Kollegen fahren lieber zehnmal umsonst raus, als einmal zu wenig.“ Oft halte eine Streife in einer Wohngegend dann auch lauernde Täter vom Einbruch ab.

Beim Forum gab es zudem auch allgemein bekannte Tipps: Innenbeleuchtung mit Zeitschaltuhren nutzen, Türklingel auch in kurzer Abwesenheit tagsüber abstellen, Außenbeleuchtung einschalten. Natürlich dürfen die Briefkästen im Urlaub nicht mit Post überquellen, im Winter könnte der Nachbar die Einfahrt vom Schnee befreien. Ein Wachhund ist keine sichere Option. Eine einfache Fleischwurst habe schon manchen treuen Vierbeiner beruhigt.

„Unser Ziel ist es, dass die Einbrecher nicht mehr von der A 2 abfahren, um hier kurz einzubrechen“, sagte Nickel. „Stattdessen wollen wir, dass Sie sich sicher fühlen.“ Dafür müsse man sich aber vorbereiten.

jan

Andreas Schinkel 08.11.2014
Andreas Schinkel 05.11.2014