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Aus der Stadt „Man muss ganz schön schnell sein“
Hannover Aus der Stadt „Man muss ganz schön schnell sein“
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02:15 30.05.2015
„Online haben wir das Bild – aber passt es auch in die gedruckte Zeitung?“: Die Ein-Tages-Chefredakteure Katrin Bosse, Gerald Senft (li.) und Horst Mevissen arbeiten im Newsroom in Kirchrode am Platz von HAZ-Chef Hendrik Brandt. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Chefredakteur Hendrik Brandt: Heute fällen Sie die wichtigen Entscheidungen für Themen und Gestaltung der HAZ. Wie fühlt sich das an?

Leserin Katrin Bosse: Ich habe erstaunt festgestellt, dass manche Bemerkungen, die man in Konferenzen fallen lässt, sogar auf der Titelseite umgesetzt werden. Es herrscht eine starke Entscheidungsfreudigkeit. Man muss den Kopf permanent in Bewegung halten und ganz schön schnell sein.

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Leser Horst Mevissen: Ich lese die HAZ seit 50 Jahren und habe mir die Redaktionsarbeit einst im Anzeiger-Hochhaus angeschaut und war vor 25 Jahren mal im Pressehaus. Aber was ich heute an Schnelligkeit erlebt habe, erstaunt mich sehr. Dieser Stresssituation möchte ich nicht täglich ausgesetzt sein. Ich bin Diplomingenieur gewesen, ein ruhiger Planer. Wie hier trotzdem inhaltlich und qualitativ hochwertig gearbeitet wird, begeistert mich.

Leser Gerald Senft: Es ist viel schneller geworden. Früher haben wir als Feuerwehr Fotofilme an die Redaktion geschickt, heute steht ein Reporter mit einem Tabletcomputer vor mir und schreibt sofort eine Meldung. Dabei warne ich davor, Bilder von Einsätzen zu früh zu veröffentlichen ...

Lokalchef Felix Harbart: Das vermeiden wir, wo es irgend geht. Der Schutz von Opfern etwa bei Unfällen oder Verbrechen hat Vorrang vor dem Tempo.

Redakteur Jan Sedelies: Was gefällt Ihnen an der HAZ - und was nicht?

Leser Gerald Senft: Ich mag es, wenn die Leser beteiligt werden - wie bei der Raschplatz-Berichterstattung mit den vielen Leserbriefen am Mittwoch. Da stehen die Ideen der Leser - mit Namen. Das macht doch stolz. Genau diese Klarheit fehlt mir manchmal im Online-Bereich bei haz.de. Ich wünsche mir mitunter direkte Ansprechpartner und eine Kontaktmöglichkeit unter den Artikeln. Manchmal frage ich mich auch, warum so große Bilder in der Zeitung sind. Gab es nichts mehr zu berichten?

Leserin Katrin Bosse: Ich lese die Zeitung nur im Netz. Da sehe ich auch, das solche Kontaktwege schnell auch missbraucht werden. Schon in den Online-Kommentarspalten zu politischen Themen stapeln sich ja die Beschwerden.

Redakteur Jan Sedelies: Sie haben in der Vorbereitung für diesen Tag gesagt, Sie wünschen sich mehr Menschen in der Zeitung. Worum geht es Ihnen dabei genau?

Leserin Katrin Bosse: Die Obdachlosen werden zu wenig beachtet. Oft geht es um Trinker am Raschplatz oder an der Bahnhofsstraße, aber um die eigentlichen Obdachlosen geht es in der HAZ selten.

Lokalchef Felix Harbart: Das stimmt. Aber es ist auch nicht einfach, als Journalist mit Obdachlosen ins Gespräch zu kommen.

Leser Gerald Senft: Mir fehlen oft Berichte über kirchliche Vertreter in der HAZ. Dafür gibt es gerade in den Lokalteilen im Umland Hannovers zu oft Bilder von Bürgermeistern. Es gibt etliche Menschen, die zum Beispiel Blutspendetermine organisieren. Solche Menschen sollten mehr Raum in der Zeitung bekommen.

Redakteurin Hannah Suppa: Sie wünschen sich generell mehr Porträts?

Leserin Katrin Bosse: Ja! Sie haben neulich die Menschen in der List vorgestellt, die dreimal für einen Straßenumbau zahlen sollten, weil sie nun mal ein Eckhaus haben. Das fand ich gut. Da hat die Zeitung richtig geholfen und die Stadt musste reagieren. Weniger Häuser, mehr Menschen, wenn Sie so wollen.

Redakteur Jan Sedelies: Viele Menschen nutzen die HAZ online, fliegen über Nachrichten und haben kaum noch Zeit für Hintergrundberichte. Stimmt die Mischung aus Meldungen und längeren Texten noch?

Leser Gerald Senft: Es kommt immer drauf an. Ich lese die Zeitung morgens eher kurz und blättere sie auf dem Weg zur Arbeit durch. Aber dann bleibt man doch immer wieder einmal auch an großen Geschichten hängen. Da gab es neulich zum Beispiel die Doppelseite zur Bombenräumung. Meine Tochter hat die sogar aufgehoben. Das verdient volle Anerkennung. Da hat sich die Arbeit absolut gelohnt.

Leserin Katrin Bosse: Das ist aber auch ein goldenes Thema für die Zeitung. Ich lese auch jede Eilmeldung auf haz.de gern, weil ich dann weiß, dass es später mehr dazu gibt. Ich bin informiert. Ich mag es nur nicht, wenn sich die Struktur und Sortierung der Zeitung nicht online wiederfindet.

Redakteurin Hannah Suppa: Sie lesen parallel?

Leserin Katrin Bosse: Eigentlich lese ich nur digital. Und ich finde es schade, dass es die Rubrik Lüttje Lage im Online-Bereich nicht gibt. Das gibt einer Zeitung doch erst Geschmack. Oder nehmen Sie die Berichterstattung zum Kirchenaustritt vor einiger Zeit. Da wurden in der Zeitung Leser zu ihrer Meinung befragt. Es gab eine große Resonanz, die Seite sah gut aus. Nur online habe ich das nicht gefunden. Da fühle ich mich digital nicht mitgenommen.

Leser Horst Mevissen: Ich helfe Senioren in EDV-Kursen dabei, mit der neuen Technik umzugehen. Sie können meist sehr schnell die Technik bedienen und entdecken das Online-Angebot unserer Zeitung erst so richtig. Sie sagen dann oft: Das hat mir mein Sohn gar nicht gezeigt. Sie sind dann sehr oft erstaunt, wie gut sie auch hier von der HAZ informiert werden. Aber sie nutzen natürlich auch die Zeitungsvorteile wie das klassische Kreuzworträtsel. Zur Lüttjen Lage: Ich muss wirklich mal nach Twenge, um die Texte von Bernd Haase zu überprüfen.

Leserin Katrin Bosse: Im Netz haben Sie viele tolle Videos. Zum Beispiel die zahlreichen Bürgerbefragungen. Ich hab meiner Tochter zum Beispiel mit den Videos den Kita-Streik erklärt.

Lokalchef Felix Harbart: Was sagen Sie zur Sortierung der HAZ? Obwohl die HAZ eine regionale Tageszeitung ist, setzen wir oft auf überregionale Titelgeschichten. Ist das der richtige Weg?

Leser Gerald Senft: Ich finde die Sortierung sehr gut. Ich weiß nach Niedersachsen kommt die Kultur, ich finde mich fast blind zurecht.

Leser Horst Mevissen: Ich mag die verschiedenen Bücher wie Wirtschaft oder Lokales. So kann man sich die Zeitung teilen, wenn jemand mehr Sport oder Kultur mag.

Leserin Katrin Bosse: Ich werde gut informiert und kann in die Tiefe gehen, wenn ich möchte. Ich brauche eigentlich nur die HAZ. Und: Ich lese vor allem bestimmte Autoren.

Leser Gerald Senft: Und ich finde es gut, dass die Zeitung am Sonnabend dicker ist. Da hat man mehr Zeit und kann sich vertiefen.

Redakteur Jan Sedelies: Verraten Sie uns doch bitte, welche Überschrift Sie in der HAZ gern einmal lesen würden - auch, wenn es an Ihrem Tag als Chefredakteure vielleicht nicht gleich geklappt hat.

Leserin Katrin Bosse: Katrin Bosse hat im Lotto gewonnen? Nein, besser: Jedes Kind hat einen Hortplatz in der Nähe.

Leser Gerald Senft: „Ehrenamtliches Engagement wird gewürdigt: Stadt verteilt Gutscheine an städtische Einrichtungen.“

Leser Horst Mevissen: „Die Welt wird ein wenig gerechter.“

Chefredakteur Hendrik Brandt: Wir danken für Ihren Besuch - und die Hilfe bei der Arbeit. Bis bald!

Simon Benne 30.05.2015
Jörn Kießler 30.05.2015
Jörn Kießler 27.05.2015