Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Mit Tempo 30 dauert's 18 statt 12 Minuten
Hannover Aus der Stadt Mit Tempo 30 dauert's 18 statt 12 Minuten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:25 29.11.2014
Von Volker Wiedersheim
Die Hochstraße am Raschplatz – auch ein Kandidatfür nächtliche Entschleunigung?
Die Hochstraße am Raschplatz – auch ein Kandidat für nächtliche Entschleunigung? Quelle: Christian Behrens
Anzeige
Hannover

Wenn darüber diskutiert wird, dass die Bürger den Fuß vom Gas nehmen sollen, geht bei einigen gleich der Puls hoch – das haben viele HAZ-Leserbriefe zu dem Vorschlag gezeigt, aus Lärmschutzgründen auf einigen Straßen das Tempolimit von 22 bis 6 Uhr früh auf 30 zu reduzieren. Die Argumente sind im Prinzip ausgetauscht, doch der Streit geht weiter. Aus Prinzip. Damit die tatsächlichen Auswirkungen nicht auf der Strecke bleiben, hat die HAZ zu Testzwecken einen Gang zurückgeschaltet. Und auf die Stoppuhr gedrückt.

Wenn auch die Messungen wissenchaftlichen Ansprüchen nicht genügen – aussagekräftig sind die Ergebnisse dennoch. Tempo 30 statt 50 – wie viel mehr Zeit benötigt ein Autofahrer für die Tour um den Cityring? Am Friedrichswall startet die erste Runde nach den bisherigen Regeln. Von Ampel zu Ampel wird bis maximal 50 km/h beschleunigt. 5,8 Kilometer misst die Runde – mit 22 Ampeln. So geht es vorbei am Neuen Rathaus, über Schiffgraben und Berliner Allee zum Raschplatz, zum Königsworther Platz und wieder Richtung Neues Rathaus. Zwölf Ampeln sind grün, vor den restlichen zehn muss gewartet werden – aber die Fragestellung lautet ja nicht: Spart man bei grüner Welle, was man bei Tempo 30 an Zeit verliert? 12.13 Minuten sind bei der Zielankunft vergangen.

Zweite Runde: mit maximal Tempo 30 im Kreis. Ungewohntes Tempo. Wer so fährt, wird von allen angehupt, die es eiliger haben. Nachts sind das vor allem Taxifahrer. Überraschende Erfahrung: Bei Tempo 30 kann der Fahrer rechts und links der Straße die Stadt ein bisschen neu entdecken. Bei der Ankunft im Ziel sind diesmal knapp 18 Minuten vergangen – und das, obwohl statt zehn, diesmal nur neun Ampeln Rot zeigten. Sechs Minuten Differenz – darüber reden wir also, wenn man mal alles Ideologische weglässt. In der Debatte ums Nacht-Tempolimit geht es auch um die Podbielskistraße und die Strecke zwischen Deister- und Ricklingerkreisel. Testergebnis im Osten: Bei Tempo 50 dauert die Fahrt vom Lister zum Geha-Platz 6.23 Minuten (Tempo 30: 9.53 Minuten). Und von Kreisel zu Kreisel im Westen fahre ich mit Tempo 50 in 2.22 Minuten – bei Tempo 30 sind es 3.51 Minuten.

... und wie laut ist das?

Tempo 30, 3. Gang.

Die Android-App „Sound Meter“ ermöglicht mit dem Smartphone einfache Schallstärkemessungen – ungenügend für wissenschaftliche oder amtliche Ansprüche, aber für den Hausgebrauch okay. Gemessen haben wir am Dienstagabend von 22.15 bis 22.35 Uhr an der Podbielskistraße stadtauswärts kurz hinter der Kreuzung Raffaelstraße – um die Zeit ist dort nicht mehr allzu viel los. Das Smartphone haben wir etwa einen Meter von der Bordsteinkante ruhig in Richtung der Straße gehalten. Unser Testwagen war ein Mercedes Vaneo – kein ausgesprochener Leisetreter, aber beileibe auch kein Krawallmacher.

Bei der ersten Vorbeifahrt, Tempo 50 im 3. Gang, zeigte die Messung einen Spitzenwert von 89 Dezibel (dB). Der zweite Versuch, Tempo 30 im 2. Gang, ergab 88 dB, der dritte mit Tempo 30 im 3. Gang 80 dB. Dann kam ein Silberpfeil und schaffte 92 dB (die grüne Stadtbahn: 93). Zur Orientierung: Eine Zunahme um 10 dB bedeutet eine Verdoppelung des wahrgenommenen Lärms. Die empfohlene Obergrenze für Rockkonzerte und Diskos liegt bei 95 dB, Laubbläser tönen mit bis zu 100 dB.

Christian Purbs 27.11.2014
Bernd Haase 29.11.2014
Mathias Klein 27.11.2014