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Aus der Stadt HAZ feiert mit 900 Gästen und präsentiert Schatz von Weltrang
Hannover Aus der Stadt HAZ feiert mit 900 Gästen und präsentiert Schatz von Weltrang
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02:04 12.11.2011
Von Simon Benne
Medien im Zeitraffer - mit dem iPad am Goldenen Brief (von links): Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil, HAZ-Chefredakteur Matthias Koch, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, der stellvertretende Vorsitzende der Madsack-Geschäftsführung Thomas Düffert, Ministerpräsident David McAllister und HAZ-Chefredakteur Hendrik Brandt. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Es staunten unter anderem Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, Ministerpräsident David McAllister und Oberbürgermeister Stephan Weil. Sie und die anderen Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur konnten erleben, wie sich die Kommunikation und die Medien in den gut 250 Jahren zwischen dem Goldenen Brief und heute gewandelt haben: Die Geschichte des Briefes wurde auf dem iPad präsentiert – ebenso wie die HAZ als digitale Ausgabe.

Am Sonnabend und Sonntag haben HAZ-Leser Gelegenheit, den Goldenen Brief selbst in Augenschein zu nehmen. Die HAZ präsentiert gemeinsam mit der Kestnergesellschaft das historische Dokument. Mit der AboPlus-Karte ist der Eintritt frei.

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Die HAZ präsentiert einen Schatz von Weltrang

Mehr als 250 Jahre lang schlummerte der Goldene Brief in der Leibniz-Bibliothek – jetzt ist er in der Kestnergesellschaft erstmals öffentlich zu sehen. Beim HAZ-Fest „mittendrin“ konnten die Gäste am Freitagabend in der Kestnergesellschaft bereits einen Blick auf das Prunkstück werfen – und sie waren begeistert. Teils drängten sie sich vor der Vitrine, um jenen Brief zu sehen, den ein Herrscher aus Birma 1756 an König Georg II. geschickt hatte – ein Schreiben, verfasst auf einem 55 Zentimeter langen Streifen aus hauchdünnem Gold.

An diesem Wochenende ist der unschätzbar wertvolle Goldene Brief erstmals für ein größeres Publikum öffentlich zu sehen. Für zwei Tage präsentiert die HAZ das Prunkstück, das mehr als 250 Jahre lang fast unbeachtet in den Beständen der Leibniz-Bibliothek geschlummert hatte, in der Kestnergesellschaft. „Wir freuen uns, dass die Leibniz-Bibliothek es uns möglich macht, diesen kulturellen Schatz auszustellen“, sagt Thomas Düffert, stellvertretender Vorsitzender der Madsack-Geschäftsführung.

Für Bibliotheksdirektor Georg Ruppelt geht damit ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung: Anfang des Jahres hatte sein Haus den Brief bereits vorgestellt, allerdings nur vor geladenen Gästen. Außerdem durften ein paar Dutzend Besucher nach telefonischer Anmeldung in kleineren Gruppen schon einen Blick auf den Brief werfen: „Binnen einer Stunde waren alle Plätze ausgebucht, das Interesse war enorm“, sagt Ruppelt. Hunderte von Interessenten musste er vertrösten. „Wir möchten es jetzt allen HAZ-Lesern ermöglichen, den Brief einmal mit eigenen Augen zu sehen“, sagt HAZ-Chefredakteur Hendrik Brandt.
Bis vor wenigen Monaten hatte höchstens ein Dutzend Menschen den Brief je zu Gesicht bekommen. Birmas König Alaungphaya hatte diesen am 7. Mai 1756 verfasst. Erst nach fast zwei Jahren und einer Reise um die halbe Welt kam der Brief bei Georg II. in London an. Alaungphaya bot dem Monarchen darin den Bau eines Landeplatzes für Schiffe an. Er suchte den Schulterschuss mit den Engländern.

Seine Enttäuschung war groß, als eine Antwort aus London ausblieb: Der britische König verfügte nur, das Dokument mit den exotischen Schriftzeichen in der Bibliothek in seiner Heimatstadt Hannover abzulegen. Deren Katalog von 1867 wies den Brief als Schreiben eines „indianischen Königs von der Küste Coromandel“ aus, der das Feuer anbete. In Wirklichkeit liegt Coromandel Hunderte Kilometer von Birma entfernt. So erzählt der Brief auch von Arroganz und Ignoranz des Westens gegenüber fremden Kulturen. Er ist das Dokument einer missglückten Globalisierung. Das Schreiben selbst geriet praktisch in Vergessenheit. Für rund zweieinhalb Jahrhunderte.

Als die Leibniz-Bibliothek den Brief wissenschaftlich erforschen ließ und vor rund einem Jahr wieder ans Licht der Öffentlichkeit brachte, war das Echo immens: Zeitungen vom Londoner „Telegraph“ bis zur „Bangkok Post“ berichteten über die Entdeckung aus Hannover. Journalisten und Interessenten aus aller Welt meldeten sich in der Bibliothek, um mehr über diesen Schatz von Weltrang zu erfahren: „Dieser Brief übt auf viele Menschen eine ungeheure Faszination aus“, sagt Bibliotheksdirektor Ruppelt.

Sein Wert ist kaum zu beziffern: Das Gold ist von einer Reinheit von 98,7 Prozent. An den Rändern ist das Metall mit 24 Taubenblutrubinen besetzt, deren kräftiges Rot einen leichten Stich ins Bläuliche hat. Experten glauben, dass Sie aus den Minen der birmanischen Stadt Mogok stammen. Etwa 90 Prozent aller Rubine der Welt kommen aus Birma. Allein das Material des Briefes ist ein Vermögen wert. Doch obendrein ist dieser ein Unikat: Birmas König bedachte mit einem derart edlen Schreiben nur solche Herrscher, die er seiner selbst für ebenbürtig hielt, und das war eigentlich nur der Kaiser von China. Dort aber wurden Goldene Briefe später eingeschmolzen, sodass der aus Hannover heute wohl der letzte seiner Art ist.

Inzwischen hat die Leibniz-Bibliothek einen Antrag beim deutschen Unesco-Büro in Bonn gestellt, um den Brief als Unesco-Weltdokumentenerbe eintragen zu lassen. Am Ende dieses komplizierten Verfahrens könnte er also auf einer Stufe mit dem literarischen Nachlass Goethes stehen, mit den Notenhandschriften Beethovens oder der französischen Erklärung der Menschenrechte. „Dieser Brief“, sagt Ruppelt, „hat das Zeug dazu.“

Juliane Kaune 12.11.2011
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