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Aus der Stadt Haben Kontrolleure zwei Rentner misshandelt?
Hannover Aus der Stadt Haben Kontrolleure zwei Rentner misshandelt?
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19:58 03.04.2015
Gegen Gerhard N. und Fritz M. wurde Strafanzeige gestellt – die beiden sehen sich jedoch als Opfer der Kontrolleure.
Gegen Gerhard N. und Fritz M. wurde Strafanzeige gestellt – die beiden sehen sich jedoch als Opfer der Kontrolleure. Quelle: Wiechers
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Hannover

Die Üstra hat schon wieder Ärger mit ihren Fahrgastkontrollen. Nachdem kürzlich bei der Abriegelung der Station Christuskirche Kritik über das allzu robuste Auftreten der Kontrolleure laut wurde, wird jetzt ein Übergriff bekannt, der sich vor einigen Wochen an der Haltestelle Spannhagengarten ereignete. Zwei Rentner sollen dort von Üstra-Mitarbeitern misshandelt worden sein. Der Fall wird möglicherweise vor Gericht geklärt. Die Beteiligten schildern den Vorfall jedoch unterschiedlich. Gegen die beiden Rentner, 79 und 78 Jahre alt, wurde Anzeige wegen vorsätzlicher und versuchter Körperverletzung erstattet. Anwalt Matthias Waldraff hat seinerseits Strafanzeige erstattet: „Mein Mandant ist Opfer, nicht Täter.“

Gerhard N. ist 79 Jahre alt und Stammkunde bei der Üstra. Genau wie sein Freund Fritz M. besitzt er eine Monatskarte, die Fahrt von der Lister Meile zum Spannhagengarten ist ihre Hausstrecke. Diese Fahrt hatten die beiden auch am 20. Februar vor. Kurz vor ihrem Ziel wurden sie kontrolliert. Fritz M. saß am Gang, zeigte seine Karte. Dann war Gerhard N. an der Reihe. Die Kontrolleurin wollte ihm die Karte aus der Hand nehmen. Das lehnte der Senior ab: „Die Karte ist bezahlt. Sie gehört mir. Die können Sie auch so anschauen.“

„Ich hatte Angst und habe um Hilfe geschrien“

Aus der Meinungsverschiedenheit entwickelte sich ein Streit, den beide Seiten unterschiedlich schildern. Auf dem Bahnsteig Spannhagengarten stiegen alle Beteiligten aus. Die beiden Kontrolleure, die von einem Auszubildenden begleitet wurden, behaupten, sie seien von den Rentnern mehrfach getreten worden und hätten Schmerzen an Schienbein und Knöcheln davongetragen. Mit einem Attest können sie das nicht belegen.

Wilhelm N. schildert die Szene anders: „Ich wurde in die Ecke gedrängt. Einer der Kontrolleure stieß mir das Knie in den Unterleib und drückte mir seine Hand gegen den Hals. Ich hatte Angst und habe um Hilfe geschrien.“ Der 79-Jährige ist nach den Vorfällen zum Notarzt gegangen, der eine Hodenprellung und eine Stauchung der Halswirbelsäule attestierte. Das Attest liegt bei den Akten. Sein Freund, der ihm helfen wollte, sei weggestoßen worden, habe aber keine Verletzungen erlitten.

Für die Rentner war der Vorfall damit nicht vorbei. Die Üstra-Mitarbeiter riefen die Polizei zur Hilfe. Zunächst kamen zwei Beamte mit einem Einsatzwagen, die den Senioren allerdings nicht die Möglichkeit gegeben haben sollen, ihre Sicht zu schildern. Die Rentner seien aufgefordert worden, ihre Taschen zu leeren. Weil die Rentner ihre Personalausweise nicht bei sich trugen, entschieden die Polizisten, die Männer zur Wohnung von Gerhard N. ins Heideviertel zu eskortieren. Dazu wurde ein weiterer Einsatzwagen angefordert.

Anwalt will Schadensersatz und Schmerzensgeld durchsetzen

Zwei Wochen später hatten die Senioren Aufforderungen zu einer Vernehmung in ihren Briefkästen. Gerhard N. wird vorsätzliche Körperverletzung vorgeworfen, Fritz M. soll sich des Widerstandes gegen Polizeivollzugsbeamte und der versuchten Körperverletzung schuldig gemacht haben. „Sowohl die Üstra-Kontrolleure als auch die Polizisten haben vollkommen überzogen reagiert. Wir werden Schadensersatz und Schmerzensgeld durchsetzen“, sagt Anwalt Waldraff.

Üstra-Sprecherin Katja Raddatz bedauert den Vorfall: „So etwas darf nicht vorkommen.“ Die Kontrolleure hätten sich aber vorschriftsmäßig verhalten. Sie seien berechtigt, den Personalausweis der Monatskartenbesitzer einzusehen und dürften auch die Fahrkarte in die Hand nehmen, um sie genauer zu kontrollieren. Nur so seien Fälschungen zu erkennen. Zur Strafanzeige gegen die Senioren wollte sich Raddatz nicht äußern. Das sei Sache der betroffenen Kontrolleure. Die Polizeidirektion Hannover bestätigt, dass zwei Anzeigen gegen die Rentner vorliegen: „Die Ermittlungen hierzu laufen noch.“ Der Polizeisprecher bestätigte zudem den Einsatz von zwei Streifenwagenbesatzungen - jeder Polizeiwagen habe einen der Beschuldigten transportiert.

Von Hans-Peter Wiechers

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