Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt City-Händler stöhnen über noch mehr Demos
Hannover Aus der Stadt City-Händler stöhnen über noch mehr Demos
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 18.03.2015
Von Tobias Morchner
Nur 250 statt der erwarteten 800 Demonstranten finden sich am Sonnabend zur „Endgame“-Demo auf dem Omnibusbahnhof ein.
Nur 250 statt der erwarteten 800 Demonstranten finden sich am Sonnabend zur „Endgame“-Demo auf dem Omnibusbahnhof ein. Quelle: Behrens
Anzeige
Hannover

Entgegen ihres Mottos „Nur gemeinsam sind wir stark“ hat sich die Gruppierung Pegida-Hannover („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) gespalten. Die Abtrünnigen, unter ihnen der ehemalige Republikaner Jürgen W., haben sich unter dem alten Gruppennamen Hagida („Hannovers Bürger gegen die Islamisierung des Abendlandes“) zusammengefunden. Abwechselnd wollen die beiden Gruppierungen in Zukunft ihre Veranstaltungen in der City abhalten.

Die Gastronomen und Einzelhändler halten die zusätzliche Belastung durch eine weitere islamfeindliche Demo für unzumutbar. „Es muss nicht jeder Protest zwangsläufig in der City stattfinden“, sagt Alexander Bobzien vom Verein Forum hannöversche Altstadt. Man sei derzeit in Gesprächen mit der City-Gemeinschaft um eine gemeinsame Position zu diesem Thema zu erarbeiten. „Wir hoffen, dass die Kunden nicht vergrault werden, sondern weiterhin das Gefühl haben, in der Innenstadt sicher zu sein“, sagt Bobzien.

Zur Kundgebung Endgame gegen die angebliche Amerikanisierung Europas sind etwa 120 Demonstranten zum ZOB gekommen.

Für den heutigen Abend rufen Jürgen W. und seine Mitstreiter zur Demo auf den Opernplatz. Eine Woche später hat Pegida-Hannover an gleicher Stelle eine Demonstration angezeigt. Die Polizeidirektion als zuständige Versammlungsbehörde kann rechtlich nichts gegen das Vorhaben der beiden zerstrittenen Gruppen mit gleichen Zielen machen. Das Versammlungsrecht lässt das nicht zu. Die Behörde hat zwar angekündigt, die Absperrungen rund um den Veranstaltungsort künftig kleiner halten zu wollen. Dennoch werden die montäglichen Einsätze auch wegen der zu erwartenden Gegendemonstrationen viele Kräfte binden. Die Gewerkschaft der Polizei hatte bereits in der Vergangenheit die hohe Belastung der Beamten angesichts steigender Einsätze bei Demonstrationen und Fußballspielen kritisiert.

Bereits am Sonnabend hatte die Behörde ein Großaufgebot an Polizisten für die Innenstadt abstellen müssen. 120 Anhänger verschiedener Verschwörungstheorien hatten sich ab 14 Uhr unter dem Namen „Endgame“ („Engagierte Europäer gegen die Amerikanisierung Europs“ auf dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) versammelt, um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Nach Angaben der Behörde wuchs die Zahl der Teilnehmer im Verlauf der fünfstündigen Veranstaltung zeitweise auf 250 an. Dennoch blieb die Zahl weit hinter den vom Veranstalter geschätzten 800 Demonstranten zurück.

Die USA-Gegner machten insbesondere durch die mitgebrachten Fahnen auf sich aufmerksam. Neben der Flagge von Nordkorea und der ehemaligen Fahne der Sowjetunion war auch die Landesflagge des ehemaligen Königreichs Preußen zu sehen. Auf der Endgame-Bühne am ZOB kamen zahlreiche Redner zu Wort. Unter ihnen war auch der ehemalige ARD-Korrespondent Christoph Hörstel. Auch er hatte für die von ihm aufgestellten Thesen keine Belege parat. Statt dessen teilte er mächtig aus. Er beschimpfte US-Präsident Barack Obama als „gottlosen Schurken“, bezeichnete der deutschen Bundespräsidenten als „Gauckler“ und schmähte die deutschen Regierungmitglieder als „Faschisten“.

Etwa 200 Gegendemonstranten hatten sich am ZOB versammelt, um friedlich gegen das Endgame-Treffen zu protestieren. Eine Gruppe von etwa 80 Personen, die sich unmittelbar bei der Versammlung der USA-Gegener eingefunden hatte, verließ erst nach mehrmaliger Aufforderung der Polizei den Platz.

Veronika Thomas 18.03.2015
Mathias Klein 18.03.2015
15.03.2015