Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Hätte das Misburger Bad einstürzen können?
Hannover Aus der Stadt Hätte das Misburger Bad einstürzen können?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:24 10.11.2015
Tragende Wände weggerissen: Provisorium im Misburger Bad. Quelle: Philipp von Ditfurth
Anzeige
Hannover

Bei den Versäumnissen geht es nur in zweiter Linie um die Steuermillionen, die schon jetzt in den Bau versenkt worden sind und noch folgen werden. Vor allem kann die Stadt offenbar von Glück sagen, dass der Bau nicht im laufenden Betrieb zusammengebrochen ist - obwohl das Bauamt ihn nach der Sanierung durch den Betreiber s.a.b. abgenommen hatte. „Es ist ein Glück, dass das Bauwerk überhaupt noch steht“, sagte Grünen-Sportpolitiker Mark Bindert jetzt im Sportausschuss.

Dort hatte die Verwaltung öffentlich gemacht, dass das Gebäude bei einer Komplettsanierung durch s.a.b. im Jahr 2007 stark beschädigt worden war - so stark, dass an dem Gebäude ein Totalschaden entstand. Aufgefallen ist der aber erst in diesem Jahr, und auch nur durch einen Zufall: Bei Ausbesserungsarbeiten stellten Handwerker gravierende statische Mängel fest. Als sie das der Stadt meldeten, schloss diese das Bad unverzüglich. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, sind im Laufe der Arbeiten tragende Wände entfernt worden, zudem ist die Deckenkonstruktion instabil.

Anzeige

Für CDU-Sportpolitiker und Ratsherr Dieter Küßner hat die Stadt ihre Aufsichtspflicht verletzt. „Auch wenn die Liegenschaft damals an s.a.b. abgegeben wurde, wurden doch zusätzlich zum Erbpachtvertrag hohe Zuschüsse geleistet“, sagt er. „Da kann die Stadt die Kontrolle doch nicht aus der Hand geben. Ein städtischer Fachmann hätte die Arbeiten an der stadteigenen Liegenschaft begleiten und überwachen müssen“, meint Küßner. „Die Betreiber konnten wirtschaften, wie sie wollten, das war fahrlässig.“

Wenn der Betreiber Bauanträge für diese Arbeiten gestellt hätte, wären die Fehler sicher aufgefallen, sagt der Präsident der Ingenieurkammer Niedersachsen, Hans-Ullrich Kammeyer. Von selbst allerdings hat die Stadt den Pfusch nicht bemerkt. Nun muss sie entscheiden, ob das Bad noch saniert werden kann oder abgerissen werden muss. In jedem Fall kostet beides weitere Millionen, während das Bad bis 2020 geschlossen bleibt.

Die Stadt sieht ausschließlich s.a.b. in der Verantwortung. „Die Firma hatte die vertragliche Verpflichtung, das Bad zu sanieren und dann 30 Jahre zu betreiben“, sagt Stadtsprecher Udo Möller. Dass bei der Abnahme des sanierten Bades die mangelhafte Bauleistung nicht aufgefallen sei, ändere nichts an der Schuldfrage. Möglicherweise seien die Schäden auch erst nach der Abnahme entstanden. Nun fordert die Verwaltung Regress von s.a.b - allerdings fragt sich, ob sie je Geld bekommen wird. Die Firma vom Bodensee gibt es längst nicht mehr. Der Geschäftsführer hatte mit seinem Unternehmen bereits mehrfach Schiffbruch erlitten, bevor er den Zuschlag für das Misburger Bad erhielt. Zudem war er 1999 in einen Korruptionsfall verwickelt.

Auch der Steuerzahlerbund wirft der Stadt vor, mehrmals die Sorgfaltspflicht verletzt zu haben. Das Bad sei „endgültig zu einem Millionengrab für die Steuerzahler“ geworden, sagt Haushaltsreferent Gerhard Lippert. Oberbürgermeister Stefan Schostok müsse „die Verantwortlichkeiten für dieses Debakel klären“.

Von Susanna Bauch und Mathias Klein

Vereine bangen um ihre Existenz

Für die Schwimmvereine im Westen der Stadt geht es mittlerweile um ihre Zukunft. „Wenn die Stadt uns nicht hilft, ist der langjährige Ausfall des Misburger Hallenbades existenzbedrohend“, sagt Gerhard Hupke, Vorsitzender der SG Misburg. Ähnlich hatte sich während der jüngsten Bezirksratssitzung Martin Wantosch von der DLRG Misburg geäußert, die mit ihren rund 180 Mitgliedern nicht nur Schwimmen anbietet, sondern unter anderem Wachdienste am Altwarmbüchener See, Wasserrettung und Hilfe bei Veranstaltungen. Aktuell engagiert sie sich in der Flüchtlingshilfe. „Das alles wäre Vergangenheit“, sagte Wantosch.

Die SG Misburg hat rund 590 Mitglieder, davon 400 Kinder. „Die können wir nicht an Tagesrandzeiten in entfernten Bädern unterrichten“, sagt Hupke. Entweder müsse die Stadt das Nord-Ost-Bad für den Schwimmsport öffnen oder das Misburger Freibad mit einer Traglufthalle überdachen und so für Sportler und Badegäste winterfest machen – „ansonsten sehe ich schwarz“.

se

Aus der Stadt Flüchtlinge im Deutschen Pavillon - Platz für 35 "Dörfer"
Susanna Bauch 10.11.2015
Uwe Janssen 13.11.2015
10.11.2015