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Aus der Stadt Haftstrafe für Ebay-Betrüger aus Hannover
Hannover Aus der Stadt Haftstrafe für Ebay-Betrüger aus Hannover
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14:04 23.06.2015
Von Michael Zgoll
Foto: Geschädigt wurden Privatleute und Handelsplattformen wie Virwox um rund 18.000 Euro.
Geschädigt wurden Privatleute und Handelsplattformen wie Virwox um rund 18.000 Euro. Quelle: dpa
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Hannover

Dutzende von Ebay-Kunden wurden im Vorjahr aufgeschreckt. Über ihre Konten wurden Geschäfte abgewickelt, von denen sie nichts wussten. Angeblich, so erfuhren sie, hätten sie auf der Internet-Verkaufsplattform Notebook-Computer oder Unterhaltungselektronik-Produkte angeboten – Artikel, die nicht existierten. Die Käufer bezahlten, bekamen aber keine Ware. Sie wurden Opfer von Betrügern, die zwischen März und September 2014 von Hannover aus agierten. Doch die Mischung aus Professionalität und Dilettantismus beim Vorgehen der Bande sorgte dafür, dass sie schließlich aufflog.

Aus Selbsthilfegruppe wurde kriminelle Bande

Das Verfahren, das vor Wochenfrist vor Amtsrichter Christoph Deubner lag, hatte beeindruckende Dimensionen: Die Akten füllten zwei große Umzugskartons, die Anklageschrift umfasste 73 Seiten. Doch auf Basis von Verständigungsgesprächen und nach nur zwei Tagen Verhandlungsdauer konnte er den 45-jährigen Martin B. wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 78 Fällen zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilen. Der 23-jährige Kevin S. bekam aufgrund von neun Straftaten eine Bewährungsstrafe von 17 Monaten aufgebrummt, während gegen einen 22-Jährigen ein neues Hauptverfahren anberaumt wird. Einen vierten Angeklagten sprach Deubner frei.

Kennengelernt hatten sich die Angeklagten Anfang 2014 ausgerechnet in einer Selbsthilfegruppe für Spielsüchtige beim Verein Spielfrei leben. Ein Teilnehmer war Martin B., der schon oft straffällig geworden ist und mehr als zehn Jahre im Gefängnis saß. Ob B. wirklich spielfrei leben wollte, blieb offen – ohne Straftaten leben wollte er jedenfalls nicht. Er überredete die anderen mit mehr oder weniger großem Erfolg, sich neue Erwerbsquellen per Internetbetrug zu erschließen.

In einschlägigen Foren, auf denen sich Cyberkriminelle tummeln, verschaffte sich die Bande die notwendigen Kenntnisse. Wo kann ich gehackte Kundenkonten und illegale Zugänge zu Packstationen kaufen? Wie lege ich mir falsche Identitäten zu? Und wie verschleiere ich Geldtransfers, möglichst in Bitcoins? Die Bande arbeitete rund um die Uhr, inszenierte Ebay-Auktionen en gros. Geprellte Kunden wurden reihenweise abgewimmelt oder hingehalten. Die Betrüger schafften es sogar, sich in den Webshop einer Lebensmitteldeko-Firma zu hacken und Überweisungen von Käufern auf eigene Konten umzuleiten.

"Cybercrime-Profis - das ging in die Hose"

Geschädigt wurden Privatleute und Handelsplattformen wie Virwox um rund 18.000 Euro. Sicherheitsstrukturen von Bezahlsystemen wie Paypal verhinderten Schlimmeres. Die Bande flog auf, weil sich ein Jugendlicher an die Polizei wandte, der von einem der Betrüger ein gestohlenes Handy zum Schnäppchenpreis erworben hatte. Die Telefonüberwachung der Fahnder zeitigte schnelle Erfolge, weil sich die Bandenmitglieder bei ihrer Kommunikation allzu normal verhielten: Sie telefonierten per Klartext und schickten sich unverschlüsselte Nachrichten über Messenger-Dienste wie ICQ. Im Oktober ließ die Polizei die Bande auffliegen.

„Die Täter haben versucht, wie Cybercrime-Profis zu agieren, aber das ging gründlich in die Hose“, sagte Richter Deubner. Die großen Fische würden sich dagegen in Ländern wie Russland verbergen – an diese kämen die Fahnder aber kaum heran.

Michael Zgoll 28.04.2015
Andreas Schinkel 01.05.2015
28.04.2015