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Aus der Stadt Haftstrafen für Überfälle auf Frauen
Hannover Aus der Stadt Haftstrafen für Überfälle auf Frauen
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18:15 23.08.2011
Das Landgericht Hannover verurteilte den jungen Haupttäter am Dienstag wegen räuberischer Erpressung, Menschenraub und schwerer Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von vier Jahren.
Das Landgericht Hannover verurteilte den jungen Haupttäter am Dienstag wegen räuberischer Erpressung, Menschenraub und schwerer Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von vier Jahren. Quelle: dpa
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Er hatte eine Softairpistole auf einem Volksfest gewonnen. Im Herbst vergangenen Jahres beging der 16-jährige Lenhard B. damit eine spektakuläre Raubserie: Mithilfe seines neun Jahre älteren Onkels, der als Fahrer fungierte, überfiel er innerhalb von sechs Wochen fünf Frauen – alle Taten geschahen im Bereich von Supermärkten in Laatzen und Empelde. In einem Fall wurde eine Kundin entführt und erpresst.

Das Landgericht Hannover verurteilte den jungen Haupttäter am Dienstag wegen räuberischer Erpressung, Menschenraub und schwerer Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von vier Jahren; sein Onkel soll für sieben Jahre ins Gefängnis. Obwohl es sich bei der Waffe um eine Attrappe handelte, hätten die Täter fünf sehr schwere Straftaten damit verübt, sagte die Kammervorsitzende Beatrix Homann: „Keines der Opfer ist unbeschadet aus der Sache rausgegangen.“ Die fünf Frauen, darunter drei Kassiererinnen, sagten nacheinander aus. Am schwersten hatte es eine 46-jährige Kosmetikerin getroffen. Auf dem Parkplatz eines Penny-Marktes in Laatzen-Gleidingen lud sie an dem Oktoberabend gegen 21 Uhr ihre Einkäufe ins Auto, als ihr der 16-Jährige von hinten die Waffe gegen den Rücken drückte. Er zwang sie in das Auto seines Onkels, gemeinsam fuhren sie zu einem Bankautomaten. Dort angekommen, sollte die Frau Geld abheben. Ansonsten, so drohten ihr die Täter, würden sie mit ihr „in den Wald fahren und sie dort verscharren“. Die Frau, beeinträchtigt durch Angst und Asthma, gab dreimal die falsche Geheimnummer an. Sie habe Todesangst gehabt. „Ich sah mich schon in einer engen Kiste im Wald liegen“, sagte die kleine, zierliche Frau im Zeugenstand. Allerdings wurde sie, nachdem sie den Tätern 25 Euro ausgehändigt hatte, zurück zu ihrem Auto gebracht.

Nur eine Woche später überfiel das Duo auf demselben Parkplatz eine weitere Frau. Die Täter hätten aber von ihr abgelassen, als sich eine Passantin mit Kinderwagen näherte und sie um Hilfe schrie, sagte das 66-jährige Opfer. „Einer stieß mich aber noch auf den Boden und trat mir in den Rücken.“ In der folgenden Zeit wurden drei Kassiererinnen Opfer von Überfällen. Jedes Mal stürmte der 16-Jährige maskiert und mit der Softairpistole an die Kasse, öffnete eine Sporttasche und forderte Geld. Insgesamt erbeutete er rund 6000 Euro, die er sich mit dem Onkel teilte.

B.s Verteidiger Manfred Döbel sagte, es sei auch für ihn ungewöhnlich, dass ein so junger, nicht einschlägig vorbestrafter Mann „aus heiterem Himmel“ derart massiv vorgehe. Sein Mandant hatte angegeben, aus finanziellem Druck auf die Idee gekommen zu sein. Aufgrund seiner Cannabissucht habe er 3000 Euro Schulden gehabt. Die Polizei war den Männern aufgrund ihrer Handys auf die Spur gekommen. Eine nachträgliche Überprüfung des Netzes hatte Übereinstimmungen an mehreren Tatorten ergeben.

Sonja Fröhlich