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Aus der Stadt Hagida sagt Demo am Freitag ab
Hannover Aus der Stadt Hagida sagt Demo am Freitag ab
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00:28 05.02.2015
Insgesamt 240 Teilnehmer der Hagida-Kundgebung hat die Polizei Ende Januar am Opernplatz gezählt. Jetzt soll die nächste Veranstaltung vorerst ganz abgeblasen werden. Quelle: Archiv / Philipp von Ditfurth
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Hannover

Die für kommenden Freitag geplante Hagida-Demonstration findet nicht statt. Das haben die Betreiber der Facebookseite des hannoverschen Ablegers der Pegida ("Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes") bekannt gegeben. Nach eigener Aussage wollen sie ihre Bewegung in den nächsten Wochen erst einmal "professionell strukturieren", um dann "eine breitere Masse anzusprechen". Auch die Polizei bestätigt den Schritt. "Die Anzeige für Veranstaltung für Freitag wurde bei uns wieder zurückgezogen", sagte Behördensprecher Holger Hilgenberg auf Nachfrage der HAZ.

Großeinsatz der Polizei: Zum zweiten Mal in wenigen Wochen gingen Hagida-Anhänger Ende Januar in Hannover auf die Straße. Ein breites Bündnis protestierte gegen die umstrittene Veranstaltung.

Bereits am Montag waren schon Gerüchte kursiert, die Bewegung der Islamgegner in Hannover würde sich auflösen. Diesen tritt Hagida aber entschieden entgegen. "Wir können versichern, dass der nächste Spaziergang mit einigen Überraschungen gefüllt sein wird, also bleibt uns treu und wir sehen uns!", heißt es weiter in dem Statement auf der Facebookseite. Für diesen kündigen die Veranstalter "professionelles Equipment, interaktive Aktionen und auch gute Redner, die zur Sache etwas beitragen können", an. Man müsse diesen Schritt gehen, um in der Öffentlichkeit als ein geschlossenes Bündnis aus freiheitlichen und eigenverantwortlichen Bürgern wahrgenommen zu werden, samt der angeblich klaren und gerechtfertigten Forderungen.

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Die Hagida ist der hannoversche Ableger der islamfeindlichen Pegida, die zunächst in Dresden demonstrierte. Auch der hannoverschen Gruppe, die zuletzt nur noch 240 Teilnehmer auf die Straße brachte, schlägt breiter Protest entgegen – nicht zuletzt, da in den Reihen der Hagida bekannte Rechtsextreme mitlaufen. Auseinandersetzungen mit der Polizei lieferten sich bei den jüngsten Veranstaltungen indes in erster Linie Teilnehmer der Gegendemonstrationen – und bringen damit die Polizei in Niedersachsen an den Rand der Belastbarkeit.

Für Erleichterung dürfte die Absage der geplanten dritten Demonstration bei den Innenstadthändlern sorgen. Von ihnen hatten viele ihre Geschäfte am Tag der zweiten Hagida-Demonstration aus Angst vor Randalen früher als geplant geschlossen. Auch die Polizei kann angesichts der Absage einstweilen durchatmen: Aufgrund der vielen Einsätze kämen die Beamten in letzter Zeit „kaum noch aus ihren Stiefeln“, hatte Dietmar Schilff, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, zuletzt geklagt.

jki/mic

Kommentar von Felix Harbart

Mehr Argumente – weniger Lärm

Die Organisatoren des hannoverschen Pegida-Ablegers wollen sich „professionell strukturieren“, um dann eine „breitere Masse anzusprechen“. Das klingt, als sei es eine vernünftige Idee. Aber es ist Unsinn.

Mag sein, dass die von Dresden ausstrahlende Pegida-Bewegung auch vielen bürgerlichen Demonstranten ein Ventil für in Teilen berechtigte Kritik bietet. In Hannover aber ist dieser Teil der Bewegung sehr klein. Der harte und zahlenmäßig durchaus starke Kern von Hagida besteht aus bekennenden Rechtsextremisten, von denen viele bei der letzten Demo skandierten: „Hier marschiert der nationale Widerstand“. Nichts gegen bürgerlichen Unmut, aber wer hier weiter mitmarschiert, kann sich nicht mehr ernsthaft von der Nazi-Szene distanzieren. Das gilt auch für Parteien wie die AfD.

Die Vorturner der Hagida-Bewegung jedenfalls sind in dieser Szene tief verhaftet. Was die Teilnahme am ernsthaften demokratischen Diskurs betrifft, braucht Hagida also keine „Professionalisierung“ – es gehört in die Tonne. Die wirklich interessante Frage ist, ob sich in Hannover eine konservative Bewegung etablieren kann, ohne sich von Extremisten vereinnahmen zu lassen. Mit der sollte man dann dringend diskutieren, statt sie mit Eiern zu bewerfen.

Mathias Klein 03.02.2015
Veronika Thomas 03.02.2015