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Aus der Stadt Islamfeinde wollen in der City demonstrieren
Hannover Aus der Stadt Islamfeinde wollen in der City demonstrieren
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09:20 22.01.2015
Von Jörn Kießler
Das Vorbild kommt aus Dresden: Hier demonstrieren Menschen gegen die angebliche Überfremdung durch Flüchtlinge und schwenken Deutschlandfahnen. Quelle: dpa
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Hannover

Die umstrittene Pegida-Bewegung hat Hannover erreicht. Zwölf Wochen nach der ersten Demonstration der selbst ernannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ will der örtliche Ableger Hagida („Hannoveraner  gegen die Islamisierung des Abendlandes“) kommenden Montag auch in Hannover auf die Straße gehen. Gegen die bei der Polizei angemeldete Veranstaltung in der Innenstadt formierte sich allerdings bereits am Montag ein breites Bündnis aus Politik und Wirtschaft in der Landeshauptstadt. Die Initiative „Hannover sagt: Licht aus für Rassisten“ hatte bereits vor dem Bekanntwerden der Hagida-Veranstaltung ihre Aktion geplant.

„Eigentlich wollten wir Solidarität mit unserer Partnerstadt Leipzig zeigen, wo am Montag die sogenannte Legida demonstriert“, sagt „Licht aus“-Mitorganisatorin Jasmin Arbabian-Vogel. Weil an diesem Montag jedoch eine Privatperson die Kundgebung des hannoverschen Pegida-Ablegers angemeldet hat, wird die Solidaritätsbewegung für Leipzig nun zur Gegendemo. Ab 18 Uhr will die Gruppe Hagida mit etwa 500 bis 1000 Personen durch die Innenstadt ziehen. „Die genaue Route steht bisher noch nicht fest“, sagte Polizeisprecher Holger Hilgenberg.

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Breiter Protest formiert sich

Die Gegenveranstaltung war am Montagabend noch nicht angemeldet. „Mit der offiziellen Anmeldung bei der Stadt wollen wir noch warten, bis der genaue Ablauf unserer Aktion feststeht“, sagt Arbabian-Vogel. Geht es nach ihr und der Hauptorganisatorin Jennifer Löffler, soll bereits um 17.30 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst in der Marktkirche stattfinden, nach dem alle Teilnehmer dann vor das Neue Rathaus ziehen. „Dort wollen wir dann, dass für eine gewisse Zeit die Beleuchtung des Rathauses ausgestellt wird, um symbolisch zu zeigen, dass in Hannover kein Platz für fremdenfeindliche Ideologien ist und  Rassisten hier im Dunkeln stehen“, sagt Arbabian-Vogel.

Die Idee stößt an vielen Stellen in Hannover auf Zustimmung. „Die Initiatoren haben Kontakt mit uns aufgenommen, und wir stehen der Aktion sehr offen gegenüber“, sagt  Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann. Eine endgültige Zusage will er aber erst heute geben, wenn seine Kollegin und Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann aus dem Urlaub zurück ist. „Ich gehe aber davon aus, dass sie das ähnlich sieht wie ich“, sagt Heinemann.

Mindestens 2.000 Menschen haben in Köln friedlich gegen die islamfeindliche „Pegida“-Demonstration protestiert.

Auch mehrere hannoversche Politiker wollen mit den Anti-Pegida-Demonstranten auf die Straße gehen. „Ich bin an diesem Tag in Hannover und werde dort sein“, sagt die Bundestagsabgeordnete Kerstin Tack (SPD). Zudem sei sie bereit, einer Bitte der Initiatoren nachzukommen und bei der Kundgebung vor dem Rathaus zu sprechen. „Mir wäre es aber lieber gewesen, wenn die Demo aus Solidarität mit Leipzig stattfinden würde und keine Gegendemo wäre“, sagt Tack. Umso wichtiger findet es ihr Bundestagskollege Wilfried Lorenz (CDU), die Gegendemonstranten zu unterstützen. „Ich habe meine Termine in Berlin abgesagt und komme nach Hannover“, sagt er. „Ich kann nur allen Bürgern raten, sich die Menschen, die die Hagida-Demo veranstalten, genau anzusehen und dann zu entscheiden, ob sie an einer solchen Sache teilnehmen wollen.“ Er erwarte, dass sich alle Hannoveraner dann genau wie er dagegen entscheiden würden.  Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Innenminister Boris Pistorius (SPD) und weitere Mitglieder der Landesregierung wie Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) wollen sich am kommenden Montag an der Gegenveranstaltung zur angekündigten Pegida-Demonstration beteiligen.

Hannover war schon immer eine Stadt, in der sich Bürger aus den verschiedensten Gruppen gemeinsam gegen rechtes Gedankengut gestellt haben“, sagt die stellvertretende Ratsfraktionsvorsitzende der Grünen, Ingrid Wagemann. „Deshalb gehe ich davon aus, dass die Hagida am Montag deutlich in der Unterzahl sein wird.“ Ein Blick ins Internet gibt ihr Recht: Auf der Facebook-Seite der „Licht aus“-Initiative hatten am Abend bereits mehr als 2600 Personen ihre Teilnahme zugesagt.

Ein Vorbild könnte Köln sein: Dort wurde am Montagabend zuerst der Dom aus Protest verdunkelt, wenig später sagten die Pegida-Veranstalter ihren Marsch ab, weil die Zahl der Gegendemonstranten zu groß gewesen war.

Weitere Demonstration in Braunschweig

Die Pegida-Bewegung will auch in Braunschweig demonstrieren. Anhänger der Gruppe „Braunschweig gegen die Islamisierung des Abendlandes“ („Bragida“) meldeten am Montag bei der Stadt eine Kundgebung für den 19. Januar an, wie ein Sprecher der Polizei sagte. „Bislang war das eine Organisation, die sich nur im Internet verbreitet hat. Aus unserer Sicht bekommt das Ganze nun ein Gesicht.“ Die Antragsteller würden mit rund 500 Teilnehmern rechnen, sagte der Sprecher. Nun müsse die Stadt entscheiden, welche Auflagen erlassen werden.

(mit: dpa/frs)

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