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Aus der Stadt Das funktionale Schöne
Hannover Aus der Stadt Das funktionale Schöne
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00:26 23.11.2015
Scharf: David Kaiser zeigt seine Messer aus Damaszenerstahl. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Altglas“ sagt man zu ausgetrunkenen Weinflaschen. Aber das Glas ist ja nicht alt, sondern nur leer, und wenn man mit dem Werkstoff umgehen kann, geht da noch eine ganze Menge mehr als der braune, grüne oder weiße Container. Die Karlsruher Kunsthandwerkerin Laura Jungmann zeigt, was. In ihrer Glaswerkstatt formt sie herkömmliche Industrieflaschen zu individuellen Kunststücken um. Die Herkunft der schmucken Karaffen, Kannen oder Gläser ist noch zu erkennen, aber in ihrem neuen Leben sind sie dekorative wie funktionale Wohnaccessoires.

Dass das sogenannte Upcycling in Zeiten der Ressourcendebatten im Trend liegt, kann man bis zum 13. Dezember in der Handwerksform an der Berliner Allee erleben. Themenschwerpunkt bei der „Christmas Edition“ ist sinnigerweise Glas, wobei nicht nur wiederverwertetes Material benutzt wird. Der in Hameln lebende japanische Glaskünstler Tadashi Torii fertigt geschwungene Gefäße mit kleinsten, feinsten Strukturen, die je nach Betrachtungswinkel und Lichteinfall mal so und dann wieder ganz anders aussehen.

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Das Handwerksform zeigt bis zum 13. Dezember seine „Christmas Edition“. Themenschwerpunkt bei der Ausstellung ist sinnigerweise Glas, wobei nicht nur wiederverwertetes Material benutzt wird.

Ähnliche Akribie, völlig unterschiedliches Material: David Kaiser arbeitet mit Metall. Seine Messer aus dem mehrlagigen Damaszenerstahl weisen ohnehin schon die charakteristische Musterung auf, durch eine Kunststoffbeschichtung kann der Hannoveraner sie noch kunstvoller und farbiger gestalten, und so kunstvoll und archaisch sie immer noch aussehen – die Klingen sind richtig scharf. Zehn Messer schmiedet und fertigt er in zehn Wochen, wenn er sich ranhält. Die konzentrierte Arbeit, bei der es mitunter auf eine Genauigkeit von einem Fünfzigstel Millimeter ankomme, hätte eine meditative Dimension, findet der 37-Jährige, der früher Jongleur war und nach einer Schulterverletzung zum Schmiedehandwerk fand – und zu den Damaszener-Messern, die ihn seitdem faszinieren.

Sabine Wilp, Leiterin der Handwerksform, freut sich über die Vielfalt und Qualität der Ausstellung – und betont die trotz aller künstlerischen Ambitionen stetige Verbindung zum Handwerk. „Wir zeigen das funktionale Schöne.“

Bis zum 13. Dezember, Berliner Allee 17. Infos: www.handwerksform.de.

Andreas Schinkel 23.11.2015
21.11.2015