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Aus der Stadt „Thrombose-Paul“ stinkt die Haft
Hannover Aus der Stadt „Thrombose-Paul“ stinkt die Haft
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00:22 16.06.2014
Von Tobias Morchner
„Ich sitze hier, weil ich angeblich der Mentor von Hanebuth bin“: Paul E., gennant „Thrombose-Paul“ .
„Ich sitze hier, weil ich angeblich der Mentor von Hanebuth bin“: Paul E., gennant „Thrombose-Paul“ . Quelle: Archiv
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Seit der groß angelegten Razzia der spanischen Behörden vor elf Monaten auf der Ferieninsel sitzt auch Paul E. bis auf Weiteres in Untersuchungshaft. Und die Unterbringung in einer der 585 Zellen des Gefängnisses in Madrid-Valdemoro hat den ehemaligen Frankfurter Rotlichtkönig, der wegen eines Venenleidens den Spitznamen „Thrombose-Paul“ trägt, offenbar ermüden lassen.

In einem Brief an diese Zeitung beklagt er jetzt die Umstände seiner Inhaftierung. „Ich sitze hier, weil ich angeblich der Mentor von Hanebuth bin“, schreibt er. „Bis heute gibt es noch nicht einen einzigen Punkt einer Anklage.“ Für all das sei nur das spanische Rechtssystem verantwortlich, klagt „Thrombose-Paul“. Er befürchtet, ihm werde die Möglichkeit auf einen fairen Prozess genommen.

Bei einer Razzia unter Hells Angels auf Mallorca hat die spanische Polizei 25 Verdächtige festgenommen. Die meisten von ihnen stammten aus Deutschland. Unter den Verhafteten ist auch Frank Hanebuth.

Vor dem Hintergrund der Vorwürfe, die die spanischen Ermittler gegen die Gruppe um Hanebuth erheben, erscheint das Schreiben indes einigermaßen weltfremd. Menschenhandel, Drogenschmuggel, Geldwäsche und Bildung einer kriminellen Vereinigung legen die Strafverfolger den insgesamt 25 während der Razzia Festgenommenen zur Last.

Auch der Jurist Kai Ambos, der an der Universität Göttingen internationales Strafrecht lehrt, kann die Beschwerde nicht nachvollziehen. „Spanien ist ein Rechtsstaat und keine Bananenrepublik. Dort gilt die Europäische Menschenrechtskonvention genau so, wie in allen anderen Staaten der EU“, sagt er. Die lange Dauer der Untersuchungshaft hält er nicht für ungewöhnlich, zumal bei Fällen schwerer Kriminalität und Flucht- und Verdunkelungsgefahr. „Es hat auch in Deutschland einige Ermittlungen gegeben, bei denen die Tatverdächtigen lange in Untersuchungshaft verbracht haben, zum Beispiel im Zuge der Ermittlungen gegen die PKK.“

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Bilder, Berichte und weitere Informationen zu den Hells Angels lesen Sie auf unserer Themenseite.

Paul E. hat schon einmal in einem hannoverschen Kriminalfall eine zentrale Rolle gespielt. Er ist der Stiefvater von Holger B., der während der Fußball-Weltmeisterschaft vor vier Jahren in einer Kneipe am Steintor zwei Italiener erschoss. Nach der Tat setzte sich der Schütze zu „Thrombose-Paul“ nach Mallorca ab.

Bereits 1997 hatte E. bundesweit von sich reden gemacht. Er sicherte sich insgesamt 192 Internetadressen, darunter die Domains nato.de und kripo.de., die er nur gegen die Zahlung einer ordentlichen Summe wieder freigab.

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