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Aus der Stadt 13 Jahre Haft für Messerangriff auf geschiedene Frau
Hannover Aus der Stadt 13 Jahre Haft für Messerangriff auf geschiedene Frau
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00:44 06.05.2018
Mustafa A. stellte sich vor Gericht eher als Opfer denn als Täter dar – auch in seinem Schlusswort. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

 Er wollte seine frühere Frau in ihrer Wohnung am Goetheplatz überraschen, darum umwickelte er das große Küchenmesser mit Zeitungspapier und trat ohne Vorwarnung die Tür ein. Und er wollte die 57-jährige Krankenpflegerin umbringen, stach mehrfach auf sie ein, verfolgte sie dabei durch mehrere Zimmer bis ins Treppenhaus.  Am Donnerstag hat das Schwurgericht Mustafa A. dafür bestraft und den 63-Jährigen wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe von 13 Jahren verurteilt. Die Kammer unter Vorsitz von Wolfgang Rosenbusch sprach von einer „heimtückischen Vorgehensweise“ und warf dem Täter ein „aufs Tiefste verachtenswertes Handeln“ aus niedrigen Beweggründen vor. „Sie wollten Ihre Frau hinrichten“, sagte Rosenbusch bei der Urteilsverkündung zu A.

25.000 Euro Schmerzensgeld

Der Angeklagte stellte auch am letzten Verhandlungstag unter Beweis, dass er von einer Einsicht in die Verwerflichkeit seines Tuns Lichtjahre entfernt ist. So beschuldigte er in seinem Schlusswort die Hausbewohner, die das blutige Schauspiel im Oktober 2017 mitangesehen und die Hilfeschreie des Opfers gehört hatten, der Lüge, warf ihnen vor, von seiner geschiedenen Frau beeinflusst worden zu sein. Nach dem Urteilsspruch beschimpfte A. die Kammer und kündigte lautstark an, der 57-Jährigen „keinen Cent“ Schmerzensgeld zu zahlen. Das Gericht war dem Antrag von Nebenklage-Anwältin Nicole Thiele gefolgt und hatte dem Opfer ein Schmerzensgeld von 25.000 Euro sowie einen Ausgleich für weitere immaterielle Schäden zugesprochen. Die Krankenpflegerin, die die Bluttat nur knapp überlebte, ist traumatisiert, arbeitsunfähig und derzeit in einer Reha-Einrichtung untergebracht.

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Mustafa A. und seine Frau lebten fast 40 Jahre zusammen, doch in der Ehe gab es zunehmend Streit. Immer aggressiver wurde der arbeitslose Mann, stellte der Frau auch nach der Scheidung 2017 nach, bedrohte und beleidigte sie. Dass Gerichte Kontaktverbote aussprachen, scherte ihn nicht. Auslöser für den Messerangriff war ein Foto, auf dem er die lächelnde 57-Jährige mit ihrem - vermeintlich – neuen Freund sah. Doch war der Mann auf dem Bild nur der Chef seiner Tochter. 

Tochter ebenfalls verletzt

„Sie haben Ihrer Frau kein neues privates Glück gegönnt“, warf Richter Rosenbusch dem Angeklagten vor. Um seiner Verachtung Ausdruck zu verleihen, habe A. das schwerverletzte, am Boden liegende Opfer sogar noch zweimal ins Gesicht getreten. Seine 24 Jahre alte Tochter, die den Vater aufhalten wollte, stach A. mit dem Messer in Arm und Oberschenkel.

Verteidiger Nikolaus Walther hatte für seinen Mandanten eine Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren (wegen gefährlicher Körperverletzung) gefordert, Staatsanwältin Maidie Schenk wegen versuchten Mordes lebenslang. Mustafa A. machte keinen Hehl daraus, dass er gegen das Schwurgerichtsurteil Berufung einlegen will: „Das sind doch keine Gesetze in diesem Land.“ Ob seine Ex-Ehefrau etwas von dem Schmerzensgeld sieht, ist offen – Anwältin Thiele will die finanziellen Verhältnisse von A. noch einmal genau unter die Lupe nehmen.

 

Von Michael Zgoll

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