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Aus der Stadt Der lange Weg zum Löschen
Hannover Aus der Stadt Der lange Weg zum Löschen
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00:17 17.11.2013
Ganz schön weit oben: Für Toby Gude ist der Aufstieg zum Korb der 30 Meter hohen Drehleiter der Feuerwehr kein Problem. Quelle: Kleinschmidt
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Hannover

 Von oben wirken 30 Meter höher, als sie von unten aussehen. Toby Gude schert sich nicht darum. Um auf die Drehleiter der Feuerwehr Hannover zu steigen zu dürfen, hat der 26-Jährige bereits viele Strapazen auf sich genommen. Für den Sporteignungstest ist er früh am Morgen von Hamburg nach Hannover gereist. Im Sport-Leistungs-Zentrum (SLZ) ist er etliche Runden gelaufen, hat Liegestütze gemacht, ist Bahnen geschwommen und hat nach einem Gummiring getaucht. Bei der vorletzten von zehn Übungsstationen wird er kurz vor dem Ziel mit einem ersten richtigen Eindruck von seinem Wunschberuf belohnt. „Es ist schon etwas Besonderes“, sagt Gude, als er wieder unten ist und den Sicherheitsgurt ablegt, den er für seine Kletterpartie getragen hat. „Man klettert ja nicht jeden Tag eine 30 Meter Leiter hinauf.“

165 Männer und Frauen treten beim Sporttest der Berufsfeuerwehr Hannover an. Es ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer Ausbildungsstelle.

Wenn es nach dem 26-Jährigen geht, wird sich das bald ändern. Genau wie 164 andere Männer und Frauen versucht er eine von acht Ausbildungsstellen bei der Berufsfeuerwehr Hannover zu ergattern. Sollte alles klappen, wird er vom kommenden März an zu den Rettern in seiner Heimatstadt gehören. Bis dahin ist es aber ein weiter Weg, den viele Bewerber nicht bis zum Ende durchstehen. „Teilweise auch, weil sie es gar nicht probieren“, sagt Feuerwehrsprecher Michael Hintz. Von den 278 Bewerbern, die sich für die drei Termine des Sporttests angemeldet haben, sind in dieser Woche nur 165 überhaupt angetreten. Am Ende des letzten Prüfungstages werden noch 127 übrig sein.

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Wie wird man Feuerwehr- mann?

Informationen rund um die Laufbahn bei der Berufsfeuerwehr können Sie in diesem Dokument finden.

„Und darunter ist nicht eine Frau“, sagt Hintz etwas frustriert. Der Tag hatte vielversprechend begonnen. Neun junge Frauen hatten sich angemeldet, vier waren am Morgen auch zu den ersten Übungen in der Leichtathletikhalle gekommen. Doch die Anforderungen, die für Männer und Frauen gleich hoch sind, konnten sie nicht erfüllen. „Das ist wirklich schade, weil wir uns mehr Frauen bei der Feuerwehr wünschen“, sagt Hintz. Gerade einmal zwei Prozent der Feuerwehrleute in Hannover sind weiblich. Auch die Versuche, als Arbeitgeber vor allem für Frauen noch attraktiver zu werden, haben bisher nicht gefruchtet. Die Zahl der Bewerberinnen ist weiterhin niedrig – und die wenigen, die zum Sporttest antreten, bestehen diesen häufig nicht.

„Man muss sich eben auch darauf vorbereiten“, sagt Hartmut Meyer. Der Feuerwehrmann nimmt gemeinsam mit seiner Kollegin Regina Strauch die Schwimmprüfung ab. „Bei vielen erkennen wir, ob es etwas wird oder nicht, schon bevor sie im Wasser sind“, sagt Meyer. „Die Jungs, die in Badeshorts ankommen, haben meist Probleme im Wasser.“ Die weiten Hosen bremsen die Bewerber im Schwimmbecken, am Ende geht ihnen dann die Puste aus. „Wären sie vor dem Prüfungstag schon einmal üben gewesen, wüssten sie das“, sagt auch Regina Strauch und geht einen Schritt näher an den Beckenrand. Einer der Bewerber schwimmt gerade das letzte Stück auf der geforderten 25-Meter-Bahn. Dabei darf er nur den Brustbeinschlag machen und seine Hände nicht benutzen. Obwohl der junge Mann mit Muskeln bepackt ist, ist sein Kopf auf den letzten fünf Metern selten oberhalb der Wasserlinie.

Der erste Schritt zum Traumjob

Doch nicht nur beim Schwimmen kratzen die Aspiranten an ihren Grenzen. „Die Laufdisziplinen bereiten vielen Probleme“, sagt Hintz, und Sebastian Ulrich gibt ihm schweigend Recht. Nach dem Cooper-Test hat der Hannoveraner kaum noch Luft zum Atmen, geschweige denn zum Sprechen. In weniger als zwölf Minuten müssen die Bewerber mehr als 2400 Meter laufen. „Ich hatte im September einen Motorradunfall und konnte sechs Wochen nicht trainieren“, sagt der 37-Jährige. „In meinem Alter bedeutet das, bei der Ausdauer wieder von Null anzufangen.“ Aus diesem Grund lässt die Feuerwehr nur Bewerber zu, die noch keine 40 Jahre alt sind.

Außerdem brauchen die zukünftigen Feuerwehrleute einen Führerschein Klasse B, mindestens einen Hauptschulabschluss sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung. Noch bevor es dann zum Sporttest geht, müssen die Bewerber das Deutsche Sport- und das Rettungsschwimmabzeichen Bronze ablegen. Erst dann dürfen sie sich den Prüfungen stellen, die die Feuerwehr gemeinsam mit der Deutschen Sporthochschule in Köln entwickelt hat. Dabei müssen die Kandidaten ihre Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Geschicklichkeit und ihr Bewegungsgefühl beweisen.

„Bei den letzten beiden Übungen geht es dann darum, möglichst realitätsnahe Situationen zu simulieren“, sagt Benjamin Kreitz. Er überwacht die Station an der Drehleiter. „Hier schauen wir, ob die Männer und Frauen wirklich keine Höhenangst haben, oder ob sie das nur sagen.“
Sind sie tatsächlich schwindelfrei, so wie Toby Gude, geht es zur letzten Prüfung. Zwischen drei Aufgaben dürfen die Bewerber wählen, womit sie ihr handwerkliches Geschick beweisen wollen. Sie können einen Reifen wechseln, eine Stahlhalterung mit zwei Metalldübeln in einer Betonplatte verankern oder von einem Kantholz nur mit einer Säge einen Würfel absägen. Gude steuert zielstrebig auf das Zelt mit den Kanthölzern zu und ist keine fünf Minuten später wieder draußen – er hat den Sporttest bestanden. „War kein Problem“, sagt Gude. „Aber schließlich ist das ja nur der erste Schritt zu meinem Traumjob.“

Von Jörn Kießler

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