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Aus der Stadt 200 Iraner demonstrieren vor INI gegen Ex-Justizchef
Hannover Aus der Stadt 200 Iraner demonstrieren vor INI gegen Ex-Justizchef
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18:41 07.01.2018
Der ehemalige Vorsitzende der Justiz in Iran, Mahmud Haschemi Schahrudi (re.), soll sich derzeit im INI in Hannover aufhalten, wo er von Madjid Samii (li.) operiert wird.  Quelle: ABNA24.com, laut Einblendung im Bild
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Hannover

Rund 200 Iraner haben sich am Sonnabendmittag vor dem  International Neuroscience Institut (INI) versammelt und demonstriert. Dort hält sich Mahmud Haschemi Schahrudi, früher Oberster Richter des Iran, zur Behandlung auf. Er soll unter anderem Minderjährige hinrichten lassen haben. Die Demonstranten hatten sich unter Polizeischutz zu einer friedlichen Spontanversammlung vor der Hirnklinik in Groß-Buchholz versammelt. Chef des INI ist der international renommierte hannoversche Hirnchirurg Prof. Madjid Samii, dessen Familie ebenfalls iranischer Abstammung ist.

Polizeischutz für die Klinik. Quelle: Kai Zaengel

Eine offizielle Bestätigung der Anwesenheit von Haschemi Schahrudi im INI sowie Details zur Diagnose und der Art der Behandlung waren von der Klinik am Wochenende nicht zu erhalten. Die Polizei bestätigte allerdings , dass sich der Iraner in Hannover aufhält. Zudem kursiert im Internet ein Foto, das Schahrudi am Krankenbett im Gespräch mit Samii zeigt.

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Am Sonnabend protestierten rund 200 iranische Demonstranten gegen die Behandlung des ehemaligen iranischen Justizchefs im INI.

Schahrudi ist wegen seiner Amtsführung als Oberster Richter international umstritten. 2007 wies er Einsprüche gegen die Hinrichtung eines 13-jährigen Jungen zurück. Todesurteile gegen den Jungen sowie weitere Verurteilte wurden offenbar vollstreckt – obwohl sie einen Verstoß gegen die UN-Kinderrechtskonvention darstellen, die der Iran unterschrieben hat. Schahrudi, im Amt von 1999 bis 2009, kündigte andererseits die international vielfach geforderte Abschaffung der Todesstrafe durch Steinigung an. Trotz eines entsprechenden Moratoriums wurde diese Vollstreckungsart im Iran aber weiter angewendet – der Beschluss entsprechender Gesetze steht noch aus.

Für die 200 Protestierer vor dem INI gilt Schahrudi als Vertreter eines Unrechtsregimes. „In dieser Klinik wird ein Verbrecher behandelt“, sagte der 57-jährige Mohammad Hassan Memarian aus Hannover, der ebenfalls aus dem Iran stammt. Während sich die Demonstranten vor der Klinik versammelten, soll ein mutmaßlicher Leibwächter Schahrudis am Eingang erschienen sein, um die Teilnehmer der Demonstration zu filmen und zu fotografieren. 

Der multikulturelle Verein Kargha aus Hannover, der von Exil-Iranern gegründet wurde, will Schahrudi während seines Deutschlandaufenthalts wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzeigen. „Er soll seine medizinische Behandlung erhalten“, sagt Mitglied Asghar Eslami, „aber seine Verbrechen müssen aufgeklärt werden.“

Von Manuel Behrens

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