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Aus der Stadt Hannover 96 stellt auf Einwegbecher um
Hannover Aus der Stadt Hannover 96 stellt auf Einwegbecher um
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20:07 28.03.2014
Von Andreas Schinkel
Foto: Auf Druck der Polizei wird es bald keine Hartplastikbecher mehr im Stadion geben.
Auf Druck der Polizei wird es bald keine Hartplastikbecher mehr im Stadion geben. Quelle: Archiv
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Hannover

Protest gibt es bereits von der Deutschen Umwelthilfe. Die Umstellung sei eine „ökologische Rolle rückwärts“ – und das ausgerechnet im rot-grün regierten Hannover, teilt der Verband mit.

Der Grund für den geplanten Systemwechsel liegt im hohen Verletzungsrisiko bei den derzeit verwendeten Behältern aus hartem Kunststoff. „Durch Becherwürfe werden durchschnittlich zehn Fans pro Spiel verletzt“, sagt der Stadionmanager von Hannover 96, Thorsten Meier.

Leidtragender war sogar der ehemalige Oberbürgermeister und 96-Fan Stephan Weil. Beim Spiel Hannover gegen Dortmund vor vier Jahren traf ihn ein Becher am Kopf, die Platzwunde musste sofort versorgt werden. Danach flammte eine Debatte über weichere Becher auf, jedoch ohne Ergebnis, weil die Stadtspitze die Umstellung auf Einwegbehälter scheute. Einen neuen Denkanstoß bekam Hannover 96 beim Niedersachsenderby. Beim Spiel zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 hatte man aus Sicherheitsgründen nur Getränke in weichen Einwegbechern ausgeschenkt. „Da wurde niemand durch einen Becherwurf verletzt“, sagt Meier. Auch die Polizei habe den Verein ermahnt, dass es nicht so weitergehen könne wie bisher.

Lösung: Flexible Becherwände

Deshalb hat Hannover 96 das HCC beauftragt, ein Konzept für ein neues Bechersystem zu entwickeln. Ein elastischer Mehrwegbehälter sei aber auf dem Markt nicht zu finden, bedauert HCC-Direktor Joachim König. Zwar habe er sich die neuesten Modelle harter Kunststoffbecher zeigen lassen, die sich nach einem Wurf noch während des Flugs rasch entleeren, doch die optimale Lösung sei das nicht. Daher führe am Einwegbecher mit seinen flexiblen Wänden kein Weg vorbei. „Wer unseren Einwegbecher an den Kopf bekommt, muss nur mit nassen Haaren rechnen“, sagt König. Zudem bestehe das Behältnis aus Maismehl, der Becher sei biologisch abbaubar.

In der Ratspolitik bedauert man den Abschied vom Mehrwegsystem. „Aber Sicherheit geht vor“, sagt SPD-Umweltpolitiker Jürgen Mineur. Wenn die neuen Becher sogar kompostierbar sind, könne er damit leben. Sein Kollege von den Grünen, Mark Bindert, will sich die Ökobilanz des Einwegsystems vorrechnen lassen. „Es ist äußerst bedauerlich, dass wir zu Lasten des Umweltschutzes auf Mehrweg verzichten, nur weil ein paar unbelehrbare Chaoten ihre Becher herumwerfen müssen“, sagt Bindert.

In den kommenden zwei Wochen verhandeln das HCC und Hannover 96 über die Modalitäten der Becherumstellung. Werden sie sich einig, könnten bereits zu Beginn der neuen Spielzeit Einwegbehälter auf den Tresen stehen. Eine Hürde liegt im Kostenanstieg. „Wir müssen uns überlegen, wie wir die neuen Becher geschickt sammeln und dann zur Kompostieranlage transportieren“, sagt König. Das Einwegsystem werde auf jeden Fall „wesentlich teurer“ als das bestehende Verfahren. Davon geht auch Hannover 96 aus. Wie sich die beiden Geschäftspartner die Kosten teilen, ob das HCC womöglich ein Entgegenkommen bei der Pacht verlangt, wird sich in den kommenden Gesprächen zeigen. Ob am Ende gar der Stadionbesucher tiefer in die Tasche greifen muss, ist unklar.

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