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Aus der Stadt Ehemalige Üstra-Chefs fuhren teure Dienstwagen
Hannover Aus der Stadt Ehemalige Üstra-Chefs fuhren teure Dienstwagen
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01:00 08.03.2018
Ein Tesla beim Ladevorgang. Zwei Fahrzeuge dieses Modells standen einige Monate auf den Chefparkplätzen der Üstra.
Ein Tesla beim Ladevorgang. Zwei Fahrzeuge dieses Modells standen einige Monate auf den Chefparkplätzen der Üstra. Quelle: dpa
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 Die nächste Folge in der Serie der Vorwürfe gegen die ehemaligen Üstra-Vorstände André Neiß und Wilhelm Lindenberg behandelt das Thema Dienstfahrzeuge. Die beiden Vorstände, die im Dezember ihren Hut nehmen mussten, haben zuletzt jeweils ein Modell des amerikanischen Elektroautoherstellers Tesla gefahren – und damit nach Ansicht des Aufsichtsrates gegen die entsprechende Richtlinie der Üstra verstoßen. „Wir prüfen, ob wir Schadensersatzansprüche geltend machen können“, sagt der Vorsitzende Ulf-Birger Franz.

Nach Angaben von Franz dürfen Manager bei der Üstra Dienstfahrzeuge der gehobenen Mittelklasse ordern, etwa einen Audi A6 oder einen BMW. Die Leasingraten für derartige Fahrzeuge erreichten rund 600 Euro im Monat. Für die Teslas, die Neiß und Lindenberg im Sommer vergangenen Jahres geordert hätten, seien 1800 Euro und damit das Dreifache fällig geworden. Mittlerweile habe das Unternehmen die beiden Luxus-Stromer wieder abgegeben, die Leasing-Verträge rückabgewickelt und Autos beschafft, deren Kosten den Regeln entsprechen. „Das war insgesamt preiswerter, als die Teslas zu behalten“, sagt Franz.

Unter Aufsichtsratsmitgliedern stößt die Dienstwagen-Angelegenheit nicht nur prinzipiell auf Unverständnis, sondern auch, weil die Vorstände sich für die Teslas zum Grundpreis von mehr als 70.000 Euro pro Stück entschieden, als sie schon unter Druck standen. Ein Streit um Bonuszahlungen an die Mitarbeiter war mit Ach und Krach befriedet worden, am Horizont nahm die Vergabeaffäre um die Werbekampagne „Üstra rockt“ ernsthafte Konturen an.

Zu erwarten steht, dass sich beide gegen ihre Kündigungen rechtlich zur Wehr setzen. Termine sind laut Franz noch nicht anberaumt. Zwischenzeitlich war erneut die Staatsanwaltschaft bei der Üstra und hat Aktenmaterial mitgenommen. Nach Informationen der HAZ geht es dabei unter anderem um Auftragsvergaben rund um das opulent ausgefallene Veranstaltungsprogramm zum 125-jährigen Unternehmensjubiläum im vergangenen Jahr.

Von Bernd Haase