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Aus der Stadt Angeklagter Angler entpuppt sich als kleiner Fisch
Hannover Aus der Stadt Angeklagter Angler entpuppt sich als kleiner Fisch
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00:32 07.05.2018
Ohne Genehmigung darf am Mittellandkanal nicht geangelt werden. Quelle: Gerrit Pfennig
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Hannover

 Ein Hobbyangler, der wegen des Vorwurfs der Fischwilderei monatelang am Haken der Justiz zappelte, ist im Berufungsverfahren deutlich glimpflicher davongekommen als in erster Instanz. Am Amtsgericht Hannover war der 57-Jährige zu einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt worden, doch nun stellte das Landgericht das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße von 250 Euro ein, zu überweisen an den Naturschutzbund.

Kontrolle mit Folgen

Der Lagerarbeiter war der Polizei im Sommer 2017 bei einer Kontrolle am Mittellandkanal nahe Lohnde ins Netz gegangen, weil eine Anwohnerin sich an einem falsch geparkten Auto gestört hatte. Die Beamten stießen auf zwei Männer, fünf Angelständer und zwei ausgeworfene Ruten. Doch der 57-Jährige beharrte darauf, nicht selbst auf Fischfang zu sein: Er habe seinen Kumpel nur begleitet. Nun hatten zwar beide Männer einen Angelschein, aber nur der Freund konnte die Berechtigung nachweisen, am Kanal angeln zu dürfen. Der Lagerarbeiter, Mitglied eines Wülfeler Sportanglervereins, durfte seine Rute lediglich in Leine und Aller auswerfen; beim Entrichten einer Gebühr für nur fünf Euro mehr hätte er sein Revier auf den Kanal ausdehnen dürfen.

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Zunächst war gegen den Hobbyangler ein Strafbefehl über 900 Euro ergangen, gegen den er Einspruch einlegte. Der Amtsrichter im darauf folgenden Prozess bot dem Hobbyangler eine Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldbuße an. Doch weil der 57-Jährige einen Freispruch erzielen wollte, wurden alle Zeugen gehört – und es kam zur Verurteilung wegen Fischwilderei mit nunmehr 1500 Euro Strafe.

Kein Kavaliersdelikt

In der Berufungsverhandlung am Landgericht zeigte sich der Lagerarbeiter wendiger als in erster Instanz, stimmte dem Vergleichsvorschlag von Richter Stefan Lücke zu.  Dieser hatte darauf hingewiesen, dass der Angeklagte doch eher ein kleiner Fisch sei; der Lagerarbeiter habe keine Vorstrafen im Gepäck und am Mittellandkanal auch noch keinen Fisch am Haken gehabt.

Heinz Pyka, erster Vorsitzender des Fischereivereins Hannover und als Zeuge geladen, hat schon häufiger davor gewarnt, Fischwilderei als Kavaliersdelikt zu behandeln. Wildangler würden oft unfachmännisch agieren und an den Ufern von Gewässern kleine Müllkippen zurücklassen; an Natur- und Tierschutz hätten sie vielfach kein Interesse. Die illegalen Angler würden Schnüre, Angeln, Reusen und Netze einsetzen und manchmal ganze Fischteiche plündern, so Pyka. Laut Strafgesetzbuch kann Fischwilderei mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren geahndet werden.

Von Michael Zgoll

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