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Aus der Stadt Autofahrer rammt Radler mit voller Absicht
Hannover Aus der Stadt Autofahrer rammt Radler mit voller Absicht
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00:15 30.11.2014
Von Michael Zgoll
Ein Radfahrer wurde nach einem Streit mit einem Autofahrer von eben diesem schwer verletzt. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Der Täter war dem Radler vor der Rosa-Parks-Schule in der Isernhagener Straße mit einem BMW X 6 bewusst in die Seite gefahren; der Sturz des Opfers war so heftig, dass zwei Metallpfosten vor der Schule aus ihrer Verankerung gerissen wurden. Ein Schöffengericht unter Vorsitz von Simon Schnelle verurteilte den 47-jährigen Remzija L. wegen vorsätzlichen und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr sowie gefährlicher Körperverletzung. „Was Sie getan haben, war kein Kavaliersdelikt, sondern ein Verbrechen“, sagte Schnelle.

Begonnen hatte der Streit an einem Juninachmittag dieses Jahres mit einer Allerweltssituation. Der Radfahrer kam von rechts aus der Kriegerstraße, der nach Norden fahrende BMW nahm ihm die Vorfahrt. Am Steuer des Autos saß ein 47-jähriger Bauunternehmer serbischer Herkunft, neben ihm sein 17-jähriger Sohn. Das Rad lenkte ein 45-jähriger Arzt. Dieser beschwerte sich lautstark, der Autofahrer schimpfte zurück.

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Weil beide auf der Isernhagener Straße langsam in die gleiche Richtung fuhren, war genug Zeit, sich kräftig die Meinung zu sagen. Irgendwann überholte der wütende Arzt den BMW und schlug mit der Hand auf den linken Außenspiegel, dessen Glas heraussprang. Daraufhin rastete der Autofahrer aus. Er beschleunigte seinen mehr als zwei Tonnen schweren Wagen und lenkte ihn nach links. Damit katapultierte er den Arzt gegen die Metallpfosten.

Das Opfer erlitt eine schwere Quetschung des Oberschenkels - direkt verursacht vom Auto -, einen Schlüsselbeinbruch, zwei Rippenbrüche, zwei Rippenanbrüche sowie Prellungen. Wäre der Radfahrer auf den Kopf gefallen, so Staatsanwalt und Richter übereinstimmend, hätte er zu Tode kommen können. Der 45-Jährige musste mehrere Operationen, lang anhaltende Schmerzen und eine einmonatige Arbeitsunfähigkeit erdulden.

Drei Zeugen beobachteten die Attacke des BMW-Fahrers, insofern hatten seine Ausreden vor Gericht keinen Wert. Remzija L. erzählte, er fühle sich verfolgt. Mehrere Frauen würden behaupten, von ihm um Hunderttausende von Euro betrogen worden zu sein, und setzten ihn unter Druck. Darum habe er auf der Isernhagener Straße die Nerven verloren und panisch reagiert. Das Gericht wertete dies als Schutzbehauptung.

Der Autofahrer ist kein unbeschriebenes Blatt. L. war schon mehrfach wegen Betrugs, Körperverletzung und Steuerhinterziehung sowie einige Male wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und erheblicher Geschwindigkeitsübertretungen verurteilt worden. Jetzt entzog ihm das Schöffengericht - zusätzlich zur Haftstrafe - für vier Jahre den Führerschein. Der Radler, nicht ganz schuldlos an der Eskalation, habe das kostbare Fahrzeug von L. beschädigt, so Richter Schnelle. Dafür habe sich dieser rächen wollen und „sein Auto als Waffe benutzt“.

Michael Zgoll 29.11.2014
Volker Wiedersheim 29.11.2014
Christian Purbs 27.11.2014