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Aus der Stadt Azubis und Ausbilder lernen im Simulator-Cockpit
Hannover Aus der Stadt Azubis und Ausbilder lernen im Simulator-Cockpit
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16:48 29.01.2018
Zusammen im Flugsimulator: Naemi Mevert (17,  rechts), und Sonja Brünnecke lernen voneinander.
Zusammen im Flugsimulator: Naemi Mevert (17,  rechts), und Sonja Brünnecke lernen voneinander. Quelle: Dröse
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Hannover

 Startbahn 25 am Flughafen Stuttgart. Naemi Mevert und Sonja Brünnecke sitzen im Cockpit des Airbus A 320. Hannover heißt das Ziel, das die Flugkapitänin und ihre Copilotin ansteuern. Die Maschine gleitet über das Rollfeld, die Landeklappen werden eingefahren – dann hebt sie ab. „Wir steigen auf 28 000 Fuß“, sagt die Kapitänin. Ihre Kollegin nickt. Die beiden sind ein eingespieltes Team.

Die Frauen, die im Flugsimulator Platz genommen haben, sind in ganz neue Rollen geschlüpft. Die 17-jährige Naemi Mevert ist Auszubildende beim hannoverschen Stromnetzbetreiber Getec, ihre Ausbildungsleiterin Sonja Brünnecke ist mit ihr virtuell durchgestartet. Beide sind Teilnehmerinnen des Projekts Azubi Take Off, mit dem die Region Hannover das soziale Miteinander zwischen Lehrlingen und Unternehmensvertretern fördern will – mit dem Ziel, die Ausbildung für beide Seiten erfolgreicher zu machen 

Das scheint nötig zu sein. Nahezu jede vierte Lehre in der Region werde abgebrochen, sagt Wirtschaftsdezernent Ulf-Birger Franz. Die Gründe lägen oftmals nicht im fehlendenden Knowhow, sondern in einer fehlgeleiteten Kommunikation zwischen Ausbildern und Auszubildenden. „Hier anzusetzen verringert die Abbruchquote, stärkt die Teamarbeit und das Vertrauensverhältnis“, sagt Franz. 

Beispielhaft lässt sich all dies nach Auffassung der Projektorganisatoren im Flugsimulator-Cockpit erlernen. „Die Crewmitglieder müssen sich stets aufeinander einlassen und verlassen“, erklärt Horst Sobisch, Geschäftsführer der Firma Sim&Learn, die das Projekt mit der Region und der Handwerkskammer anbietet und den Simulator in einem Gebäude des Flughafens Langenhagen zur Verfügung stellt. „Bei klaren Regeln in der Kommunikation gibt es weniger Missverständnisse, weniger Reibereien und auch weniger Fehler und Stress“, sagt Sobisch, dessen Firma sich von zwei Piloten und dem Chefpsychologen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, Viktor Oubaid, beraten lässt.

Vier Unternehmen mit 14 Azubis haben sich am ersten Durchgang von Azubi Take Off beteiligt. Die Resonanz ist durchweg postiv. „Wir haben gemerkt, dass alle voneinander lernen können – und dass wir mit einem solchen Angebot auch für junge Menschen als Ausbildungsbetrieb interessant sind“, sagt Jens Klinkert von der gleichnamigen hannoverschen Rechtsanwaltskanzlei. Sabine Grundmeier , Prokuristin der Gehrdener Pumpentechnik-Firma Wotex sagt: „Solche Simulationen müssten zum Pflichtprojekt in allen berufsbildenden Schulen werden.“

Nach zwei Sitzungen im Cockpit ist Naemi Mevert schon selbstbewusster geworden. „Ich traue mich jetzt mehr“, sagt sie. So habe sie ihre Ausbildungsleiterin neulich sogar auf einen Fehler beim Beschriften einer Postsendung aufmerksam gemacht. Und die hat sich darüber gefreut.

Info: In einem zweiten Durchgang können zwölf Firmen bei Azubi Take Off mitmachen. Die Kosten für einen Simulationskurs mit vier Lehrmodulen betragen 1187,50 Euro; die Region übernimmt die Hälfte des Betrages. Weitere Informationen gibt es unter unter www.wirtschaftsfoerderung-hannover.de.  

Von Juliane Kaune