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Aus der Stadt Bestattungen auf Hannovers Friedhöfen sollen günstiger werden
Hannover Aus der Stadt Bestattungen auf Hannovers Friedhöfen sollen günstiger werden
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15:34 09.01.2018
Wird seltener: Eine Beisetzung im Sarg.
Wird seltener: Eine Beisetzung im Sarg. Quelle: dpa-
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Hannover

  Hohe Friedhofsgebühren veranlassen immer mehr Hannoveraner, nach kostengünstigen Begräbnisformen zu suchen und Angehörige auf deutlich günstigeren Friedhöfen im Umland zu bestatten. „Hannover ist am teuersten im gesamten norddeutschen Raum“, sagt FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Daher hat das Mehrheitsbündnis im Rat (SPD, Grüne , FDP) jetzt Ideen vorgelegt, wie Hannovers Friedhöfe wirtschaftlicher betrieben werden können. Ganz oben auf der Liste steht der Wunsch, die Gebühren zu senken. „Die Menschen sollen nur so viel zahlen, wie Grab und Beisetzung kosten“, sagt Grünen-Umweltpolitiker Patrick Drenske. Damit spricht er das zentrale Problem an.

Hannovers große Friedhöfe, etwa Stöckener und Ricklinger Friedhof, gleichen Parkanlagen. Es gibt viele Freiflächen, die nicht mit Gräbern belegt sind. Die aufwendige Pflege des Grüns wird über die Friedhofsgebühren mitfinanziert. Das Ampel-Bündnis fordert die Verwaltung auf, die Kalkulation neu aufzustellen. Ziel soll sein: Das Herrichten von Grabstätten wird durch Gebühren gedeckt, die Pflege freier Flächen soll aus dem großen Haushaltstopf finanziert werden. Damit könnten die Friedhofsgebühren sinken, so die Vorstellung des Ampel-Bündnisses.

Aktuell  werden für eine Reihengrabstätte für einen Zeitraum von 20 Jahren zwischen 1000 und 1400 Euro fällig, ein Urnengrab kostet zwischen 650 und 900 Euro.  Eine Wahlgrabstätte liegt zwischen 2000 und 2500 Euro, ein Urnenwahlgrab je nach Größe und Lage zwischen 1250 und 3000 Euro. Die Beisetzungskosten betragen je nach Sarg und Grab zwischen 400 und 800 Euro, bei der Feuerbestattung sind 380 Euro fällig. 

Die Zahl der Feuerbestattungen hat sich in Hannover in den letzten Jahren weiter erhöht. „Rund 70 Prozent der Verstorbenen sollen verbrannt werden“, erklärt Bestatter Wilhelm Lautenbach. Der Trend zur Feuerbestattung sei in erster Linie auf die Kosten zurückzuführen. „Es zählen dabei nicht nur die Bestattungs- sondern vor allem auch die Folgekosten“, so Lautenbach. Auf einer Standard-Urnengrabfläche von einem Quadratmeter können vier Aschebehälter untergebracht werden, ein Reihengrab misst  pflegeintensive zwei Quadratmeter, aber nur ein oder zwei Verstorbene finden hier ihre letzte Ruhestätte.

Die Ratsmehrheit fordert die Friedhofsverwaltung auf, mehr kostengünstige Begräbnisformen anzubieten. So soll es auf Wunsch des Ampel-Bündnisses ein Kolumbarium auf dem Seelhorster Friedhof geben. In Hannover gibt es bereits zwei solcher Gebäude für Urnenbestattungen.

Die Südstadt-Gemeinde bietet 650 Grabstätten in der St. Nazareth-Kirche an, eine Einzel-Urnenkammer kostet 2800 Euro. Im Kolumbarium Heiliges Herz Jesu in Misburg gibt es Platz für 1300 Urnen, eine Kammer kostet zwischen 2900 und 3200 Euro. Rund 60 Grabstätten werden hier pro Jahr verkauft, Tendenz steigend. „Die Hauptgründe für diese Entscheidung der Mitbürger sind die wegfallende Grabpflege, der geschützte Raum und nicht zuletzt der Wunsch, auch im Tode nicht allein zu sein“, sagt Geschäftsführer Johannes Kollenda.  Schließlich stünden die Urnen in einer Kirche, in der regelmäßig Leben sei. „Die Verstorbenen sind hier gewissermaßen immer mit dabei.“

Von Susanna Bauchund Andreas Schinkel

09.01.2018
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