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Aus der Stadt Biergarten Dornröschen öffnet wieder
Hannover Aus der Stadt Biergarten Dornröschen öffnet wieder
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00:44 07.05.2018
Wecken Dornröschen auf: Florian und Christiane Hausleiter. Quelle: Franson
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Hannover

 Das Metalltor steht offen, die großen Sonnenschirme sind aufgespannt, und die hölzernen Sitzbänke laden dazu ein, Platz zu nehmen. Der Biergarten Dornröschen ist startklar für die Sommersaison. Weil er diesen schönen Namen trägt, könnte man auch sagen: Er ist aus seinem langen Schlaf erwacht. Drei Jahre war das traditionsreiche Freiluft-Lokal am Rande der Herrenhäuser Gärten geschlossen. Nun können die Gäste bald wieder am Leineufer sitzen und genießen. „Am 19. Mai eröffnen wir“, kündigt Florian Hausleiter an.

Der 47-Jährige sieht zufrieden aus. Er und seine Frau Christiane haben ein Projekt gewagt, das nun kurz vor dem Ziel steht: Im August 2016, ein gutes Jahr nach dem Tod der langjährigen Wirtin Christa Reinhardt, haben sie das Dornröschen gekauft, um daraus wieder eine Sommergastronomie zu machen. Die Erbengemeinschaft hatte nach einem Nachfolger für den ältesten Biergarten Hannovers gesucht, der diesen im Sinne der verstorbenen Vorbesitzerin weiterführt. „Wir sind hier oft mit unserem Hund vorbeigekommen und haben immer gern ein Bier oder eine Weiße getrunken“, sagt Hausleiter. „Da haben wir gedacht, wir versuchen das einfach mal.“ 

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Als die Hausleiters – er ist Jurist, sie Informatikerin – tatsächlich den Zuschlag bekamen, war klar, dass sich ihr Leben verändern wird. „Es ist ein echter Neustart“, sagt die 46-Jährige. Und: „Es ist ein Liebhaber-Projekt.“ Das sieht man dem mit viel Aufwand und viel Liebe zum Detail renovierten historischen Gebäude an.

Das traditionsreiche Lokal wurde innen und außen aufwendig saniert.

Aus welchem Jahr es stammt, haben die neuen Besitzer noch nicht genau herausgefunden. Fest steht: Anno 1875 wurde das Dornröschen gegründet. Außen und innen waren umfangreiche Sanierungen nötig. Eine marode Fachwerk-Giebelwand musste komplett wieder aufgebaut werden, die Küche brauchte eine Runderneuerung, und die Entsorgung musste über eine Kläranlage neu geregelt werden. Die schweren dunklen Holzvertäfelungen im Gastraum des Hauses sind hellen Wänden gewichen.

Gleichwohl haben die Hausleiters darauf geachtet, das Erbe Christa Reinhardts zu wahren, die den Betrieb sechs Jahrzehnte geführt hatte. Lange Eichentische im modern-rustikalen Stil haben sie mit von der Wirtin hinterlassenen Stühlen kombiniert. „Wir haben hier noch Stoffe gefunden, mit denen wir die Sitzflächen bezogen haben“, sagt Christiane Hausleiter. Eine Rosentapete vor den Sanitärräumen ist trotz der Generalsanierung kleben geblieben. In einem  „Clubzimmer“ steht noch  die plüschige Sitzgarnitur von Christa Reinhardt

50 Sitzplätze gibt es im Innenbereich. Die Bänke mit 120 Außenplätzen haben die Hausleiters von der Werkstattschule in der Nordstadt anfertigen lassen. Auch beim gastronomischen Angebot sollen vor allem regionale Betriebe zum Zuge kommen. Den Kaffee liefert die Rösterei 24grad, die am Engelbosteler Damm ansässig ist, auch der Kuchen kommt aus der Nordstadt. Ebenso wie das Bier der Marke 30167. Es werden zudem Gilde, Herrenhäuser und Lindener Spezial ausgeschenkt, aber auch Jever und Weizen. Bioweine und Biolimonaden stehen ebenfalls auf der Getränkekarte. Die Speisekarte wird diverse Snacks, Eintöpfe und Gegrilltes bieten. „Wir warten auch ab, was unsere Kunden sich wünschen“, sagt Hausleiter. So gab es immer wieder Spaziergänger, die nach den legendären Fruchtweinen fragten, die Christa Reinhardt im Angebot hatte.

„Hier sind so viele Leute vorbeigekommen, die Geschichten über das Dornröschen erzählen können“, sagt Christiane Hausleiter. Vielleicht ergebe sich ja irgendwann die Möglichkeit, eine kleine historische Ausstellung zu konzipieren. Auch wechselnde Kunst- und Fotoschauen planen die Biergarten-Betreiber im Gebäude. Draußen sollen eine Boulebahn und Spielgelegenheiten für Kinder hinzukommen. 

Die Hausleiters sind zuversichtlich, dass ihr gastronomischer Neustart gelingt. Und sie sind immer in der Nähe ihrer Gäste: Das Paar, das bisher in Linden gelebt hat, ist in die erste Etage des Gebäudes gezogen. Dorthin, wo auch Christa Reinhardt wohnte.

Info: Das Dornröschen öffnet am 19. Mai ab 14 Uhr. In der Sommersaison ist es täglich in Betrieb – abhängig von der Wetterlage. Montag ist Ruhetag. Wer mehr über den historischen Biergarten erzählen kann, schreibt eine E-Mail an hallo@dornroeschen.cafe.

Von Juliane Kaune