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Aus der Stadt Hannover: Das Rad kommt!
Hannover Aus der Stadt Hannover: Das Rad kommt!
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21:12 17.04.2015
Hannover wird immer fahrradfreundlicher, teilweise geht das zulasten des Autoverkehrs. Proteste bleiben jedoch immer öfter aus. Quelle: Körner
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Die Stadt malt demnächst türkisfarbene Punkte und Pfeile auf Straßen und markiert damit den sogenannten Innenstadtring speziell für Radfahrer. Die sollen dann die häufig sehr verkehrsreichen Straßen in beide Richtungen befahren dürfen. Das bremst die Autofahrer. Später will die Stadt dann einige Straßen des Rings umbauen, den Radlern mehr Platz schaffen – und den Autofahrern welchen wegnehmen. Und niemand motzt. Wie kommt das?

Lange Zeit hatte man den Eindruck, als ob Fahrrad- und Autofahrer zwei verfeindete Gruppen seien, die um Straßenraum und Vorfahrt kämpfen und sich einander der Rüpelhaftigkeit schelten. Jede Wette: Hätte die Stadt den Innenstadtring schon vor einigen Jahren inszeniert, wäre sofort die Autofahrerlobby auf der Palme gewesen.
Nicht nur in Hannover, sondern auch in anderen Großstädten findet derzeit ein Paradigmenwechsel statt. Man hat erkannt, dass Autos in Massen den Städten nicht guttun. Sie brauchen eine Menge Platz (würde man allein die in Hannover zugelassenen Fahrzeuge alle auf einer Fläche abstellen, müsste diese viermal so groß wie der Maschsee sein), sie verpesten die Luft, sie machen Krach, sie verstopfen Straßen, die dafür eigentlich zu schade sind (wer sich das ansehen will, kann unter der Woche vormittags in der Luisen- oder der Georgstraße spazieren gehen), und sie können andere Verkehrsteilnehmer schwer verletzen.

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Das alles ist nichts Neues, wurde aber früher ignoriert. Mittlerweile spielt das Fahrrad bei den Verkehrsplanungen eine wesentliche Rolle. Der Innenstadtring gehört zu einem Gesamtkonzept für ein städtisches Radwegenetz, das in Teilen besteht, in großen Teilen aber auch noch verbessert werden muss. Politisch gewollt ist auch der lokale Klimaschutz, dessen Ziele sich im Verkehrsbereich am konsequentesten erreichen lassen, wenn viele radeln.

Insgesamt wird Fahrradfahren immer mehr zum Trend. Ablesen lässt sich das nicht nur an der in Hannover stark steigenden Zahl der Radler. Man sieht es an neuen Modellen, die der Handel anbietet. Sie sind nicht mehr nur sportlich und  zweckdienlich (manche gar stromunterstützt) , sondern auch wegen des Designs zuweilen echte Hingucker.

Und man sieht es daran, dass inzwischen Menschen auf den Radwegen unterwegs sind, die man dort früher so häufig angetroffen hat wie Eisbären in der Eilenriede. Der Büromensch im Anzug, aber mit Fahrradhelm ist längst kein Fotomotiv mehr für Zeitungsreporter, sondern ein alltäglicher Anblick.

Stadt und Region tun etwas Kluges: Sie betrachten Radverkehrsförderung nicht ausschließlich als Angelegenheit des Wegebaus und der Verkehrslenkung, sie unterstützen den Trend auch mit pfiffigen Aktionen. Die Fahrradnächte in der Innenstadt gehören dazu, die Sternfahrt auf den Messeschnellwegen (auch sie  war mal ein mächtiger Streitpunkt), der Wettbewerb Stadtradeln oder der Familien-Radwandertag – alles geplant für dieses Jahr und alles dazu geeignet, auch diejenigen für das Fahrrad als ständiges Verkehrsmittel zu begeistern, die es derzeit nur bei Sonnenschein aus dem Schuppen holen.

Hannover ist nach dem Zweiten Weltkrieg als autogerechte Stadt geplant und aufgebaut worden. Das hat der Stadt genützt und wurde seinerzeit als modernes städtebauliches Konzept wahrgenommen. Heute kann problemlos ein nächster Schritt folgen: die Ergänzung zur fahrradgerechte(re)n Stadt. Sie ist noch längst nicht zu Ende.

20.04.2015