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Aus der Stadt Obdachlose ziehen in Flüchtlingsheime
Hannover Aus der Stadt Obdachlose ziehen in Flüchtlingsheime
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12:52 30.01.2018
Einige zuvor Obdachlose wohnen bereits in den Containern auf dem Waterlooplatz.
Einige zuvor Obdachlose wohnen bereits in den Containern auf dem Waterlooplatz. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

 Weil weniger Flüchtlinge ankommen, gleichzeitig aber die Zahl der Menschen ohne festes Dach über dem Kopf steigt, reagiert die Stadt. In das Containerdorf auf dem Waterlooplatz, in das ehemalige Hotel Flamme in der Lammstraße hinter dem Raschplatz und ein ehemaliges Betriebsgebäude in der Augustenstraße hinter dem Hauptbahnhof werden nun Obdachlosen einziehen.

Nach Angaben von Michael Heesch, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung im Rathaus, stehen damit in Hannover 1200 Unterkunftsplätze zur Verfügung. „Damit können wir immer helfen, wenn wir sollen. Aber es ist knapp“, sagte bei einer Sitzung des Bezirksrats Mitte. Es leben aber wesentlich mehr Menschen ohne eigene Wohnung in der Stadt; Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes schätzt ihre Zahl auf bis zu 4000. „Viele ziehen bei Freunden, Verwandten oder Bekannten ein“, erklärte Heesch. Rund 400 aber lebten ohne Unterkunft auf der Straße.

Von den Containern auf dem Waterlooplatz werden bereits einige benutzt. Sie bieten 120 Plätze und sind für obdachlose Familien reserviert. Das frühere Hotel Flamme mit 35 Plätzen wird Männerunterkunft und derzeit für diesen Zweck hergerichtet. Noch vage sind die Pläne für das Gebäude in der Augustenstraße, weshalb es dort länger dauert, bis es für den Einzug zur Verfügung steht.

In der Bezirksratssitzung machte Müller-Brandes deutlich, dass in Hannover mehr Wohnungen mit Belegrechten für sozial Schwache gebraucht würden, um die Situation zu entschärfen. Zuhörer kritisierten die Zustände in den Unterkünften. Eine Frau, die nach eigenen Angaben selbst ein Jahr lang in einem Obdachlosenheim wohnen musste, sprach von „unwürdigen Bedingungen in einem rechtsfreien Raum.“ Eine Mitarbeiterin der Caritas berichtete von „desolater medizinischer Versorgung.“ Sie forderte Mindeststandards und Qualitätskriterien. Heesch erklärte, für die Unterkünfte engagiere die Stadt Betreiber und schließe mit diesen Verträge ab. „Geregelt werden beispielsweise Pförtnerdienste und der Einsatz von Sozialarbeitern“, sagte er.

Von Bernd Haase

30.01.2018
30.01.2018