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Aus der Stadt Hirschhausen mahnt zu mehr Menschlichkeit
Hannover Aus der Stadt Hirschhausen mahnt zu mehr Menschlichkeit
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00:29 12.05.2018
Fröhlicher Pessimist: Eckart von Hirschhausen mit Christoph Dahling-Sander vom Hanns-Lilje-Forum und Eckhard Nagel (v.l.). Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

 Die gute Laune ist bei ihm chronisch, sein Optimismus unverwüstlich. Und natürlich hat der Moderator und Kabarettist Eckart von Hirschhausen auch in der Neustädter Kirche immer einen flotten Spruch auf Lager. Zum Beispiel sein „Gebet einer Achtzigjährigen“: „Oben klar und unten dicht, lieber Gott, mehr will ich nicht.“ Dabei hatte die Hanns-Lilje-Stiftung zu einem ernsten Thema in die Kirche geladen: Es ging darum, wie die Digitalisierung das Gesundheitswesen verändert. Lässt moderne Technik noch Platz für Nächstenliebe in der Pflege?

In der Hinsicht ist Hirschhausen dann doch fast pessimistisch: „Ich will nicht von einem Roboter gepflegt werden“, sagt er vor rund 200 Besuchern, „ich möchte auch nicht von einer App gefragt werden, wie es mir geht.“ Die Digitalisierung gebe den Menschen quasi-religiöse Versprechen – doch in der Pflege drohe der Patient auf der Strecke zu bleiben,  wenn berechnete Effektivität statt menschlicher Zuwendung das Handeln bestimmt.

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Eckhard Nagel, Mediziner und früherer Kirchentagspräsident, betont hingegen, dass die Digitalisierung auch den medizinischen Fortschritt vorantreibe – etwa, wenn Roboter heute spezielle Operationen durchführen könnten. Die Münchener Ethikerin Bettina Schmietow sieht die Entwicklung „sehr ambivalent“. Sie fordert, beispielsweise im Hinblick auf den Datenschutz die digitale Kompetenz älterer Menschen zu stärken. Und Kristina Wilms und Gloria Seibert, die Gesundheits-Apps entwickeln, sehen bei allem Risiken auch die Chancen der Entwicklung: „Es kommt immer darauf an, wie wir ein Gerät benutzen“, sagte Wilms, die als Betroffene die Idee hatte, eine Selbsthilfe-App für Depressive zu kreieren. Ein Satz, den auch der fröhliche Pessimist Hirschhausen unterschreiben konnte.

Von Simon Benne