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Aus der Stadt Eltern wollten Tochter nach Griechenland entführen
Hannover Aus der Stadt Eltern wollten Tochter nach Griechenland entführen
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17:46 25.01.2018
Vater Kemal M. (l.), Onkel Mechmet C. (3.v.l.) und Mutter Fatme O. (5.v.l.) wurden mit den gleichen Strafen bedacht. Verteidigt wurden sie von den Anwälten Muammer Duran, Nils Ludewig und Vijoleta Berisha. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

 Sie wollten es nicht akzeptieren, dass die erwachsene Tochter ihren Ehemann und die drei Kinder (4, 5 und 7 Jahre alt) verlassen hatte. Also reisten der Obsthändler Kemal M. (49) und seine Ehefrau Fatme O. (55) gemeinsam mit Schwager Mechmet C. (53) in dessen Auto aus einer griechischen Kleinstadt nach Hannover, um die 26-Jährige zu einer Heimkehr zu bewegen. Doch artete dieser Versuch im Innenhof eines Hotels in einen Entführungsversuch aus. Dabei schleifte der Vater seine Tochter über das Pflaster und versuchte, sie gewaltsam in das Auto zu bugsieren.

Eltern saßen schon Wochen in U-Haft

Am Donnerstag verurteilte Amtsrichterin Monika Pinski die drei Beteiligten wegen versuchter Freiheitsberaubung und gemeinschaftlicher, gefährlicher Körperverletzung zu acht Monaten Haft auf Bewährung. Kamal M. saß bereits zwei Monate in U-Haft , seine Frau einen Monat. Das Gericht folgte damit dem Strafantrag der Staatsanwältin. Die Verteidiger Muammer Duran und Vijoleta Berisha hatten für die Eltern – nur wegen Körperverletzung – auf eine geringe Geldstrafe plädiert, die durch die Untersuchungshaft abgegolten sein sollte; Anwalt Nils Ludewig forderte für den Onkel Freispruch.

Die versuchte Entführung spielt  sich an einem Montagmorgen im Oktober 2017 am Rande der Nordstadt ab. Eltern und Onkel der jungen Frau, Griechen türkischer Abstammung, stoßen nach einer Übernachtung im Hotel auf ihre Tochter, die bei einer Verwandten in Hannover untergeschlüpft ist. Im Innenhof kommt es zu einem lautstarken Streit, der in eine körperliche Auseinandersetzung mündet. Der Vater packt seine Tochter im Haar und zerrt sie zum Auto; später werden bei der 26-Jährigen Blutergüsse und Kratzspuren an Rücken und Hals diagnostiziert. Die ebenfalls 26 Jahre alte Verwandte, die der Freundin zu Hilfe eilt, wird von Fatme O. durch kräftiges Haareziehen gestoppt. Der Onkel beteiligt sich nicht an dem Kräftemessen. Schließlich schafft es die Tochter, sich aus dem Auto zu befreien; die Rezeptionistin hat derweil das Ausfahrtstor verschlossen und die Polizei gerufen. Die Festnahme der rabiaten Gäste folgt wenig später.

Tochter sagt sich von Eltern los

Im Zuge der Verhandlung wurde klar, dass die junge Frau mit ihrem Ehemann in Griechenland offenbar todunglücklich war, sie soll sogar schon einen Selbstmordversuch unternommen haben. Die 26-Jährige bekundete, sie wolle nach der missglückten Entführung nichts mehr mit ihren Eltern zu tun haben. Vater und Mutter entschuldigten sich mehrfach bei ihr und versicherten, sich künftig nicht mehr in ihr Leben einzumischen – auch wenn es sich nicht gehöre, Mann und Kinder sitzen zu lassen. Immerhin hätten sie die vier Wochen vor ihrer Deutschlandtour in Athen auf die Enkel aufpassen müssen.

„Auch wenn das Verlassen des Ehemanns in einem anderen Kulturkreis ein grobes Fehlverhalten darstellt“, sagte die Richterin, „kann es keinesfalls toleriert werden, deshalb in Deutschland eine Frau gegen ihren Willen heimholen zu wollen.“ Sie hoffe aber, dass die Familie wieder zueinander finde; dieser Strafprozess habe letztendlich nur Verlierer gesehen. Als kleinen Ausgleich für die schmerzhafte Auseinandersetzung erlegte Pinski der Obsthändler-Sippe die Zahlung von Schmerzensgeld auf. Jeweils 100 Euro müssen der Vater an seine Tochter, die Mutter an die 26-jährige Verwandte und der Onkel an die Mädchen-Hilfsorganisation Violetta überweisen.

Von Michael Zgoll

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