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Aus der Stadt Forscher wollen Bypass aus Patientenzellen züchten
Hannover Aus der Stadt Forscher wollen Bypass aus Patientenzellen züchten
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19:48 23.02.2018
Forscher der Leibniz-Universität wollen Bypässe aus menschlichen Zellen züchten: Promotionsstudentin Stefanie Thoms beim Einsetzen einer Gerüststruktur in einen Bioreaktor. Quelle: Eberhard Franke
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Hannover

 Gefäßprothesen aus körpereigenen Zellen helfen womöglich schon in wenigen Jahren Patienten mit Durchblutungsstörungen. Ein interdisziplinäres Forscherteam der Leibniz-Universität arbeitet aktuell an der Züchtung von Bypässen aus Blut- und Gewebezellen der Erkrankten. Diese Ersatzgefäße aus biologischem Material werden Patienten, so die Hoffnung, voraussichtlich wesentlich besser vertragen als die bisher gebräuchlichen Bypässe aus synthetischem Material wie Goretex. 

Wenn verengte Gefäße zu Durchblutungsstörungen führen, drohen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Bisher setzen Ärzte zur Umgehung der Engstelle oft synthetische Bypässe ein. Das künstliche Material bringt ein erhöhtes Risiko von Infektionen mit sich. Damit sich der Bypass nicht zusetzt, müssen Medikamente die Blutgerinnung dauerhaft verringern.

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Die Wissenschaftler der Leibniz-Uni greifen für ihre Ersatzgefäße zunächst ebenfalls auf synthetisches Material zurück. Sie brauchen ein röhrenförmiges Gerüst, auf dem sie Zellen des Patienten ansiedeln und vermehren können. Ziel ist, dass sich dieses Gerüst später im Körper des Patienten zersetzt. „Wir testen dafür aktuell ein Material, das bereits als Wundfaden verwandt wird“, berichtet Prof. Cornelia Blume vom Institut für Technische Chemie. Die Röhren entstehen im 3-D-Druck.

Für ihre bisherige Arbeit hat das Team um Medizinerin Blume und Prof. Holger Blume vom Institut für Mikroelektronische Systeme Ende 2017 den Technikpreis  des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) bekommen. Ein wichtiger Schritt war die Entwicklung eines sogenannten Bioreaktors, in dem die Gefäße wachsen sollen. „Wir simulieren dort die Verhältnisse wie Herzschlag und Blutdruck, die bei der Entstehung menschlicher Gefäße herrschen, ähnlich der Situation eines Embrios im Mutterleib“, erklärt Prof. Cornelia Blume.

Wenn alles gut läuft, wollen die Forscher in rund drei Jahren bereits so weit sein, die Bypässe an Schafen zu testen. Dabei geht es um die Frage, ob die gezüchtete Prothese aus Biomaterial in einem größeren, dem Menschen vergleichbaren Säugetier tatsächlich funktioniert.

Die Idee zu dem Forschungsprojekt stammt von Prof. Mathias Wilhelmi, Oberarzt in der Gefäßchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover. Er wird später die klinischen Studien zur Genehmigung für die Anwendung am Menschen leiten. Angesiedelt ist das Projekt im Niedersächsischen Zentrum für Biomedizintechnik, Implantatforschung und Entwicklung (NIFE). Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Vorhaben. 

Von Bärbel Hilbig