Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Pädagogen kritisieren Ranking der Grundschulen
Hannover Aus der Stadt Pädagogen kritisieren Ranking der Grundschulen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:43 24.01.2018
Die Chancen von Grundschülern sind ungleich verteilt. Sozialarbeiter sollen dort, wo Probleme sich häufen, helfen. 
Die Chancen von Grundschülern sind ungleich verteilt. Sozialarbeiter sollen dort, wo Probleme sich häufen, helfen.  Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

 Die Kritik am Sozialranking der Grundschulen reißt nicht ab. Die Stadt hat eine Liste veröffentlicht, die Aufschluss über den Einsatz der städtischen Schulsozialarbeiter an Grundschulen geben soll. Der Liste lässt sich die Zahl der Viertklässler mit unterdurchschnittlichen Noten entnehmen, der Anteil von Kindern aus Einwandererfamilien, mit alleinerziehenden Eltern oder aus Familien, die Sozialleistungen beziehen.  

Im Schulausschuss bemängelt Andreas Kathmann am Mittwoch die fehlende Einbeziehung der Grundschulleiter. „Den Grundschulen ist nicht mitgeteilt worden, dass Zensuren verwendet werden, die wir nur für andere Zwecke mitgeteilt haben“, kritisiert der Sprecher der hannoverschen Grundschulleiter. Die Pädagogen zweifeln außerdem an den Kriterien, die den Einsatz der Sozialarbeiter steuern sollen. Der Migrationshintergrund oder auch die Tatsache, dass ein Elternteil allein Kinder aufzieht, seien noch keine hinreichenden Anzeichen für Probleme. „Wann können wir damit rechnen, dass alle Grundschulen mindestens einen Sozialarbeiter bekommen?“  Kathmann dankte Politik und Verwaltung aber auch. „Die Stadt füllt Lücken, die das Land hinterlässt.“

Bildungs- und Jugenddezernentin Rita Maria Rzyski betont, dass die gewählten Merkmale erst in ihrer Kombination und Häufung aussagekräftig sind. „Dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Bedarf besteht, und wir gehen mit Sozialarbeitern rein.“ Die Dezernentin zieht sich darauf zurück, dass die Verwaltung bewusst ältere Zahlen aus 2015/2016 veröffentlicht hat. „Diese Kinder gehen längst auf weiterführende Schulen. Wir wollten beispielhaft zeigen, wie wir den Bedarf berechnen.“ Anlass waren Forderungen der Elternvertreter im Schulausschuss nach mehr Transparenz. Neu seien die Kriterien nicht. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Schulleiter sie kennen.“

Die Stadt unterhält seit 2011 einen Pool mit insgesamt 39 Schulsozialarbeitern, von denen 22 an Grundschulen arbeiten. Das Ranking dient als Grundlage, wenn es zu Verschiebungen kommt. Der Aufbau neuer Stellen ist nicht geplant. Kurioserweise sollte der Schulausschuss selbst gar nicht über die Liste beraten, da Schulsozialarbeiter Sache des Fachbereichs Soziales sind. „Das Ganze fußt auf einem Antrag der Eltern im Schulausschuss“, kritisiert CDU-Ratsfrau Stefanie Matz. Deshalb kommt es nun im nächsten Schulausschuss auf die Tagesordnung.

Von Bärbel Hilbig