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Aus der Stadt Kickboxer erzielt Unentschieden gegen die MHH
Hannover Aus der Stadt Kickboxer erzielt Unentschieden gegen die MHH
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20:00 15.01.2018
Kläger Mustafa Isik (l.) und sein Anwalt Kubilay Akmaz haben einem Vergleichsvorschlag des Gerichts zugestimmt. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

 Unmittelbar nach seinem Urlaub nahm Mustafa Isik an einem Kickboxkampf in Erfurt teil, wollte am 13. Mai 2017 Deutscher K1-Meister der „International Kick Boxing Federation“ werden. Im Anschluss daran meldete sich der 33-Jährige, der im hausinternen Transportwesen der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) beschäftigt ist, für zwei Wochen krank – wegen Rückenschmerzen. Die Folge: Sein Arbeitgeber, das Land Niedersachsen, verweigerte für diese zwei Wochen die Lohnfortzahlung, denn Isik habe seine Erkrankung selbst verschuldet. Das mochte der 1,95-Meter-Mann nicht auf sich beruhen lassen und zog vor das Arbeitsgericht Hannover, um das Entgelt in Höhe von 525 Euro einzuklagen. Vor der 2. Kammer kam es am Montag zu einem Vergleich: Das Land zahlt Isik 250 Euro.

Eigentlich, sagt der aus Linden stammende Isik, sei er im Thaiboxen unterwegs, einer dem Kickboxen ähnelnden Kampfsportart, bei der noch mehr Körpereinsatz wie Ellenbogen- und Kniestoß erlaubt ist. Allerdings bestritt sein Anwalt Kubilay Akmaz vor Gericht, dass sich der „Koloss von Hannover“ bei seinem Superschwergewichtskampf in Erfurt verletzt habe: Sein Mandant habe schon im Urlaub unter Rückenschmerzen gelitten. Ein Grund mehr, so der Richter, dass sich der 140 Kilo schwere Sportler „als verständiger Mensch“ hätte schonen müssen; ein Arbeitnehmer dürfe sich nicht „genesungswidrig“ verhalten. Doch sei der Fall von Isik nicht so einfach zu beurteilen, schränkte der Richter ein, da dieser seinem durchaus gefährlichen Hobby ja nicht im Rahmen einer Arbeitsunfähigkeit, sondern im Anschluss an den Urlaub gefrönt habe. 

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Das Gericht schloss nicht aus, dass das Verfahren möglicherweise durch die Instanzen wandern könnte – und schlug der Einfachheit halber einen Vergleich vor. Nach einigem Hin und Her einigte man sich schließlich auf den Mittelweg, erklärte sich der Vertreter des Landes zur Zahlung von 250 Euro netto bereit. Der „Koloss von Hannover“ war’s letztendlich zufrieden; seinen Titelkampf in Erfurt gegen Kai Durak hatte er zwar verloren (“das Urteil war unfair“), aber dafür absolviert er jetzt an der MHH eine Ausbildung zum Pfleger.

Von Michael Zgoll