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Aus der Stadt Kinder aus Tschernobyl in Hannover gelandet
Hannover Aus der Stadt Kinder aus Tschernobyl in Hannover gelandet
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01:42 02.06.2018
Angekommen: Die ersten 100 Tschernobyl-Kinder sind in Langenhagen gelandet. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Ausflüge, Spielen, Baden: Ehepaar Völker hat in den kommenden vier Wochen ein strammes Freizeitprogramm vor sich. Zum elften Mal nehmen die Neustädter in diesem Jahr Kinder aus dem weißrussischen Gebiet Gomel bei sich auf, das in der Nähe des Unglücksreaktors Tschernobyl liegt. „Es macht einfach Spaß, diesen Kindern eine Freude zu machen“, sagt Ingrid Völker, die mit ihrem Mann Jürgen diesmal zwei Mädchen beherbergt.

Zum 28. Mal organisiert die evangelische Landeskirche in diesem Jahr die Ferienaktion für Tschernobyl-Kinder. Bis Ende Juli werden rund 500 Jungen und Mädchen bei rund 250 Gastfamilien untergebracht. Die ersten 100 Kinder aus Gomel sind am Mittwoch auf dem Flughafen Langenhagen angekommen. Die kleineren werden von ihren Müttern begleitet, dazu kommen einige Dolmetscher.

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So kamen die Kinder aus Gomel in Hannover an

Seit 1991 sind schon mehr als 27 000 Menschen aus Gomel nach Niedersachsen gereist, um sich für jeweils vier Wochen in gesunder Umgebung und bei guter Ernährung zu erholen. Ihre Region ist immer noch von der Reaktorkatastrophe im Jahr 1986 gezeichnet. Nach wie vor ist die radioaktive Belastung des Landstriches groß, die Zahl der Schilddrüsenerkrankungen beispielsweise ist hoch.

„Inzwischen wird es schwieriger, Gastfamilien zu finden“, sagt Organisator Lars-Torsten Nolte. Nach mehr als 30 Jahren sei die Katastrophe von Tschernobyl bei vielen Menschen nicht mehr so präsent, und außerdem seien viele Gastfamilien heute beruflich stärker eingespannt als früher. „Dennoch sind die Besuche aus Gomel in vielen Orten längst Teil des Gemeindelebens.“

Auch Jürgen und Ingrid Völker sehen ihre jungen Gäste als Bereicherung. „Die Verständigung funktioniert mit Händen und Füßen ganz gut“, sagt die Rentnerin. „Und zur Not hilft der Smartphone-Übersetzer.“

Von Simon Benne