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Aus der Stadt Cinemaxx möbelt sein Kino am Raschplatz auf
Hannover Aus der Stadt Cinemaxx möbelt sein Kino am Raschplatz auf
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00:15 19.01.2018
Das Cinemaxx in Hannover rüstet auf: Felix Meyer und Kevin Klassen testen die neuen Ledersessel.
Das Cinemaxx in Hannover rüstet auf: Felix Meyer und Kevin Klassen testen die neuen Ledersessel.  Quelle: Heidrich
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Hannover

 Die jüngste Angebotsoptimierung im hannoverschen Unterhaltungssegment Kino folgt einem bekannten Muster: Weniger soll mehr sein, dafür aber premium. Also montierten Handwerker im Cinemaxx die alten Sitze ab und ersetzten in die Jahre gekommene Polster durch neue Modelle. Die sind seit Dezember schwarz, heißen selbstverständlich „VIP“ und bieten einiges zusätzlich, wie das Unternehmen mitteilt: „Extra breite Sitzflächen und Armlehnen, gepolsterte Kopflehnen, Getränkehalter und flexible Rückenlehnen“. Alles hört sich nach Business-Class im Flieger nach New York an. 2100 Sitze stehen nun in den zehn Cinemaxx-Kinos am Raschplatz und weil für diese Aufrüstung knapp 790 Sitze weichen mussten, gibt es nun „mehr Komfort“. 

Das kommt dem umworbenen Kinogänger bekannt vor. Schöner sitzen und Service am Platz, Kino als Ausgeh-Erlebnis, das zählt zum Gründungsmythos der Astor-Kette von Hans-Joachim Flebbe, auch am Standort Hannover. Hat das Cinemaxx also auf die Konkurrenz reagiert? Nein, heißt es im Unternehmen, Komfortsitze seien ohnehin geplant gewesen. Hannover hat nun das erste Cinemaxx in Deutschland, das komplett mit Ledersesseln ausgestattet ist. 

Blockbuster im großen Saal des Astor-Kinos oder lieber ein Independet-Film im urigen Apollo an der Limmerstraße? Das sind Hannovers Kinos.

In der Nikolaistrasse zieht Flebbe unterdessen zufrieden Bilanz des vergangenen Jahres im Astor. „Wir hatten deutlich mehr als 700.000 Besucher in Hannover und ein Plus von 5,6 Prozent“, sagt der Firmenchef, das Astor in Hannover sei eines der wenigen Kinos in Deutschland mit solch einem Zuwachs, die gesamte Branche habe das Jahr um plusminusnull abgeschlossen. Filme sehen in einem anderen Ambiente, diese Idee sei angekommen. Und wenn es so ist wie Flebbe sagt, dass nämlich Astor und Cinemaxx mitunter zu 90 Prozent identische Filme zeigen, dann könnte das Business-Class-Gefühl vielleicht darüber entscheiden, wie eine Jahresbilanz ausfällt. Denn Zuwachs hatte das Astor, obwohl es höhere Eintrittspreise verlangt.   

Das Cinemaxx nennt grundsätzlich keine Zahlen. Nur so viel: „Das Jahr 2017 lag unter unseren Erwartungen“, sagte Sprecherin Ingrid Breul-Husar. Man habe sich entwickelt wie der übrige Kinomarkt auch. Starke Monate wechselten mit schwachen ab, das „verhaltene Sommerwetter“ brachte nicht die erhoffte Besucherzahl. „Der Jahresabschluss war dann aber doch noch versöhnlich.“ 

Mehr vom Alten, noch einmal anders verpackt, auf großer Leinwand und in Gemeinschaft, darauf setzen die Großraumkinos auch in diesem Jahr. Neue fiese Dinosaurier (“Jurassic World“), neue Raumschiffe (“Solo: A Star Wars Story“) und neue Mutanten (“Deadpool 2“) tragen vorest die Hoffnungen einer Saison, deren Ergebnis womöglich getrübt werden könnte von der Fußball-WM in Russland. 

Auf den billigeren Plätzen in den Programmkinos Raschplatz, wo nichts extra VIP und Premium ist, nicht einmal extra breit, hofft Geschäftsführer Torben Scheller auch 2018 wieder auf Qualitätsfilme und treues Publikum. Er muss Geld verdienen von Weihnachten bis in den April. Und hofft, dass sich noch eine „Toni-Erdmann“-Perle findet. 

Von Gunnar Menkens