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Aus der Stadt Ein Holländer auf Technikjagd
Hannover Aus der Stadt Ein Holländer auf Technikjagd
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20:47 07.04.2014
Von Conrad von Meding
Ton van Tilburg (r.) lässt sich von Klaus Rozema (l.) beraten. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Nichts von dem, was derzeit auf der Industriemesse in Hannover zu sehen ist, gibt es nicht im Internet. Jeder Aussteller, jeder Erfinder, jeder Tüftler hat heute eine eigene Homepage, die großen Firmen sind dort sowieso präsent. Trotzdem werden wohl auch in diesem Jahr wieder 183 000 Menschen die Hannover Messe besuchen. So wie Ton van Tilburg aus Südholland. Was aber suchen solche Leute auf der Messe? Und wie erleben sie Hannover?

Der Unternehmer leitet eine 150 Mann starke Firma, die auf Hydraulik spezialisiert ist. Nicht solche Hydrauliken, wie sie zum Beispiel in der Bremsanlage unserer Autos installiert sind. „Sondern Hydrauliken, die so groß sind wie eure Autos“, sagt van Tilburgs Kollege Robin Driessen in sympathisch-niederländischem Akzent und grinst breit. Vor allem für Offshore-Einsätze konstruiert das Unternehmen seine Anlagen, also für den Aufbau von Windkraftanlagen oder Pipelines im Meer.

HydraulIQ entwickelt nicht nur mit seiner eigenen Forschungsabteilung, sondern man fertigt die Technik dann auch selbst. „Auf der Hannover Messe suchen wir Anregungen für unsere eigenen Produkte – hier gibt es unglaublich viel Innovation zu sehen“, sagt van Tilburg. „Aber wir knüpfen auch Kontakte zu Firmen, mit denen wir künftig zusammenarbeiten wollen.“

Holländer registrieren Rückgang der Messen

Den Wandel der Messen nehmen viele Gäste anders wahr als die Hannoveraner selbst. Während hier am weltgrößten Messestandort über den Rückgang von Besucherzahlen geklagt wird, registrieren etwa die Holländer einen Rückgang der Messen. „Bis vor einigen Jahren gab es an vielen Orten relativ große Technikmessen“, sagt van Tilburg. Mit seinem Team ist er nach Süddeutschland und nach Frankreich gefahren, auch in Holland gab es noch relevante Innovationsschauen. „Überall aber schrumpfen die Messen oder gehen ein, weil sich alles in Deutschland konzentriert“, sagt van Tilburg. Die Industriemesse in Hannover gehört für den Ingenieur seit Jahrzehnten zum festen Programm, auf sie will er nicht verzichten. Trotzdem nimmt er auch hier einen Wandel wahr.

Am Sonntagabend ist van Tilburg mit drei Mitarbeitern in Hannover angekommen. Nachdem sie im Langenhagener Hotel Wegner eingecheckt haben, sind sie nach Hannover in die Innenstadt gefahren. „Wir haben im Restaurant ,Bavarium‘ gegessen – ohne Reservierung“, staunt der Holländer. Das hat er in all den Jahren noch nie erlebt. Sicher, es war ja nur der Abend der Messeeröffnung, „aber es ist doch ungewöhnlich leer gewesen in der gesamten Innenstadt“, sagt er.

Auch auf dem Messegelände ist das Gedränge nicht allzu groß. Kein Wunder, sagt Messesprecher Hartwig von Saß: „Erstens ist der erste Tag sowieso der ruhigste, zweitens leert das gute Wetter die Gänge in den Hallen, weil viele ihre Wege im Freien über das Gelände nehmen.“ Stimmt: Das Messeareal mit seinen blühenden Kirschbäumen, Wiesen und der vielfältigen Außengastronomie ist im Freibereich an diesem ersten Messetag stellenweise genauso belebt wie das Innere.

Doch nur innen gibt es die Innovationen, nach denen Ton van Tilburg mit seinem Team fahndet. Die vier Techniker schwärmen aus und grasen einzeln die Hallen ab. 5000 Aussteller sind es diesmal – eine nicht zu schaffende Zahl. Doch die Messebesucher wissen genau, wo sie was suchen müssen.

Verzahnung von Maschinenbau und Internet

Etwa, wenn es um Automationsprozesse geht. Am Stand von Bosch Rexroth trifft Ton van Tilburg auf Stefan Lehnert. Auf dessen Visitenkarte steht „DC-IA/PJ-eBM Sales Product Management eBusiness & Mobility Industrial Applications“. Übersetzt heißt das im Wesentlichen, dass Stefan Lehnert die komplizierte Steuerung von Maschinen und Robotern auf die kleinen Tabletcomputer bringt, mit denen auch auf der Messe jeder rumläuft. „Alle Produkte müssen heute internetfähig sein“, sagt Lehnert. Er sorgt dafür, dass die Kunden von Ton van Tilburg auf ihren Tablets oder Smartphones Warnhinweise bekommen, wenn plötzlich eine Hydraulik heißläuft oder ein Druckabfall in der Steuerung einer Maschine passiert.

Die Verzahnung von Maschinenbau und Internet, das ist unter dem Stichwort Industrie 4.0 ohnehin das Leitthema dieser Messe und überall Thema. Ton van Tilburg wird später beim Mittagessen seinen Mitarbeitern begeistert den Prospekt der Firma BionicRobots zeigen. Die hat einen Roboter entwickelt, der einfache Arbeiten erledigt, kinderleicht zu bedienen ist und in einem handelsüblichen Alukoffer geliefert wird. „Bisher waren Roboter nur etwas für richtig große Firmen, jetzt werden sie auch für uns kleinere Mittelständler erreichbar“, staunt der 46-jährige Unternehmer über den Fortschritt.

Und noch andere Innovationen nimmt er mit nach Holland. In seinem Betrieb werden Bauteile derzeit noch gekennzeichnet, indem eine Präzisionsfräse die Kombinationen aus Buchstaben und Zahlen ins Metall fräst. Inzwischen aber wird diese Tätigkeit eher von Lasern übernommen: Sie sind nahezu verschleißfrei, arbeiten sehr sauber und langfristig billiger. Am Stand der schwäbischen Firma AMF informiert er sich über die neue Technik.

Eine andere Innovation betrifft die Reparatur von Wellen und Hydraulikstangen. Im Offshorebereich kommen diese oft mit aggressivem Salzwasser in Kontakt, Rost und Riefen sind die Folge. Robin Driessen findet auf der Hannover Messe die polnische Firma Kopex, die ein Verfahren mit Reparaturhülsen entwickelt hat: Die defekte Welle wird auf einer Drehmaschine verjüngt, dann eine Edelstahlhülse darübergeschoben und passgenau eingearbeitet. „Ein fantastisches Verfahren, das auch mobil einsetzbar ist“, frohlockt Techniker Driessen mit glänzenden Augen. So müssten defekte Bauteile nicht erst eingeschickt werden, sondern könnten vor Ort repariert werden.

Ton van Tilburg hingegen ist besonders begeistert von der Technik der Firma Dycomet. Deren Verfahren „Cold Spray“ sieht vor, den Rost aus dem Bauteil herauszukratzen und dann Metallpartikel über eine Pressluftdüse mit einem Tempo von 600 Metern pro Sekunde in das Bauteil zu spritzen. „Würde man das mit Schweißtechnik machen, dann würde die Hitze das Bauteil verformen“, sagt Dycomet-Manager Klaas Rozema. Durch die kalte Presslufttechnik aber werde eine schonende Reparatur gewährleistet. 25 000 Euro kostet die Maschine, und man sieht Ton van Tilburg an, wie er innerlich rechnet.

Kurios: Sowohl die Firma Dycomet wie auch Ton van Tilburgs HydraulIQ stammen aus den Niederlanden. Um aber voneinander zu erfahren, mussten beide erst auf die Hannover Messe reisen. „Natürlich hätte man sich auch im Internet finden können“, sagt Mitarbeiter Remy Kwaijtaal: „Dort aber wird immer alles als toll und einmalig angepriesen, hier auf der Messe dagegen können wir die Technik selbst prüfen, anfassen und vergleichen.“ Robin Driessen stimmt zu: „Diesen Eindruck können weder Internet noch Fachmagazine ersetzen.“
Am Abend ist das Team nach Hause gefahren. Weil in geraden Jahren weniger Aussteller bei der Hannover Messe präsent sind, reichte ihnen ein Tag. Nächstes Jahr, da sind sie sich einig, kommen sie wieder – und dann wieder für zwei Tage.

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