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Aus der Stadt Totes Holz für mehr Lebendigkeit im Wasser
Hannover Aus der Stadt Totes Holz für mehr Lebendigkeit im Wasser
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00:20 15.05.2018
Regionspräsident Hauke Jagau (Mitte links) und Biologe Thomas Klefoth (Mitte rechts) versenken Holzbünden im Ricklinger Kiesteich.
Regionspräsident Hauke Jagau (Mitte links) und Biologe Thomas Klefoth (Mitte rechts) versenken Holzbünden im Ricklinger Kiesteich. Quelle: Haase
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 Regionspräsident Hauke Jagau kennt sich als Hobbytaucher aus in der Unterwasserwelt in den Kiesteichen „Interessant sind die Flachwasserzonen, darunter liegen oft nur kalte Löcher“, sagte er am Sonnabend beim Gewässeraktionstag auf der Halbinsel im Ricklinger Kiesteich. Das Projekt Baggersee, das vor zwei Jahren von  den niedersächsischen Angelvereinen, dem Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und der Technischen Universität Berlin ins Leben gerufen wurde, will das ändern. Sie wollen herausfinden, ob sich den von Menschenhand geschaffenen Kuhlen mehr Leben einhauchen lässt.

„Baggerseen sind tiefe Gewässer mit steilen Wänden, an denen sich keine Pflanzen ansiedeln können“, sagt Biologe Thomas Klefoth vom Anglerverband Niedersachsen. Das will man ändern. An insgesamt 31 Baggerseen in Niedersachsen, darunter mit denen in den Wedemärker Ortsteilen Meitze und Brelingen sowie in Lehrte-Kolshorn drei in der Region Hannover, waren freiwillige Helfer der Angelvereine seit Projektbeginn unterwegs. Sie haben insgesamt 800 Bündel aus Totholz versenkt, jeweils drei Meter lang und 300 Kilogramm schwer. „Libellen, Krebse und Jungfische können dort Schutz und Nahrung finden“, sagt Klefoth. Wo es die Verhältnisse möglich machen, sind darüber hinaus Flachwasserzonen angelegt worden. „Wir haben wohl 12.000 Kubikmeter  Erde bewegt“, bilanziert der Biologe.

Weltweit ist so etwas noch nie gemacht worden. Deshalb sind die Initiatoren nun gespannt, ob das Resultat das gewünschte ist: Mehr Fische, größere Artenvielfalt, eine spannendere Unterwasserwelt und damit auch mehr Attraktivität der Seen für die Menschen. Im kommenden Jahr soll es erste Vorher-Nachher-Vergleiche geben und damit auch erste Aufschlüsse.

„Die Angler verdienen Lob. Sie arbeiten mit dem Naturschutz gut zusammen“, erklärte Jagau beim Gewässeraktionstag. Auch andernorts ist man aufmerksam geworden. Das Bundesumweltministerium hat das Projekt als Beitrag zur Dekade Biologische Vielfalt der Vereinten Nartionen gewürdigt, die 2011 begann. Jagau überreichte die entsprechende Urkunde. Anschließend versenkte er gemeinsam mit Klefoth zwei Bündel Totholz im Ricklinger Teich. Das allerdings war nur ein  symbolischer Akt zum Gewässeraktionstag. „Der Ricklinger Kiesteich hat bereits die Artenvielfalt, die wir uns andernorts wünschen“, sagt Heinz Pyka, Vorsitzender des Pächters Fischereiverein Hannover. Der hatte zum Aktionstag auf die Halbinsel geladen. Wer wollte, konnte sich an der Angel ausprobieren, Informationsstände besuchen oder einfach nur eine Portion Lachs essen. 

Von Bernd Haase