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Aus der Stadt "Wir wollen keine Zelte aufschlagen"
Hannover Aus der Stadt "Wir wollen keine Zelte aufschlagen"
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08:07 18.09.2014
Von Andreas Schinkel
„Wohin die Lage führt, kann man nicht absehen“: Oberbürgermeister Stefan Schostok (li.) und Baudezernent Uwe Bodemann.
„Wohin die Lage führt, kann man nicht absehen“: Oberbürgermeister Stefan Schostok (li.) und Baudezernent Uwe Bodemann. Quelle: Eberstein
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Hannover

Hannover muss deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen, als bisher erwartet – doch die Kapazitäten sind nahezu erschöpft. „Wir befinden uns in einer erheblichen Engpasssituation, die uns größte Schwierigkeiten bereitet“, sagte Baudezernent Uwe Bodemann gestern im Bauausschuss. So sei das neu errichtete Flüchtlingswohnheim auf der Bult bereits voll belegt. „Zelte aufschlagen, so wie in Berlin, steht nicht zur Debatte. Aber wohin die Lage führt, kann ich nicht absehen“, sagt Bodemann.

Das Land Niedersachsen, zuständig für die Verteilung der Asylsuchenden auf die Kommunen, hatte das Flüchtlingskontingent für Hannover erst kürzlich erhöht. Statt 1100 Menschen muss die Stadt nun 1320 Flüchtlinge bis Juni 2015 aufnehmen.
Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) will die Reißleine ziehen.

In einem Schreiben an den niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius (SPD) bittet er darum, den Zuteilungsmodus zu ändern. Kleine und mittlere Städte hätten zum Teil Wohnungsleerstände, sie können daher mehr Menschen unterbringen, als ihnen zugeteilt werden, argumentiert Schostok. Derzeit richtet sich die Quote nach der Zahl der Einwohner, größere Kommunen müssen mehr Flüchtlinge aufnehmen.
Der Innenminister hält sich bedeckt. Er begrüße die Anregung und stelle die Gedanken zur Diskussion, gibt er zur Antwort. Heißt im Klartext: Die Stadt Hannover muss zusehen, wie sie klarkommt.

64 Prozent mehr Hilfesuchende

In Niedersachsen sind die Flüchtlingszahlen erheblich gestiegen. Auch das Auffanglager Friedland muss seine Unterkunftsmöglichkeiten erweitern. „Dort wird jetzt auf Zelte zurückgegriffen“, berichtete Hannovers Baudezernent Uwe Bodemann gestern im Ratsausschuss. Landesweit baten in diesem Jahr bisher 8336 Menschen um Asyl, das entspricht einem Anstieg von fast 64 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bis zum Jahresende rechnet man mit 18 800 Asylanträgen.
Die Hauptlast der Unterbringung tragen die Kommunen. Zwar zahlt das Land eine Pauschale von knapp 6000 Euro pro Flüchtling und Jahr, doch damit sind die Kosten für Unterkunft und Betreuung keinesfalls gedeckt. „Wir fordern eine höhere Kostenerstattung von Land und Bund“, sagte Kämmerer Marc Hansmann (SPD) in seiner Haushaltsrede. asl

Rund 1450 Asylsuchende sind aktuell in städtischen Einrichtungen untergebracht. Dazu zählen Gemeinschaftsunterkünfte, betreutes Wohnen und Mietwohnungen. Allein neun Wohnheime mit jeweils rund 50 Plätzen errichtet die städtische Immobiliengesellschaft GBH in den kommenden Jahren. Ende des Jahres wird ein neues Flüchtlingsheim in Bothfeld in Betrieb genommen. „Der Brand auf der Baustelle hat uns nicht in Zeitverzug gebracht“, sagt Bodemann. Ende August war im Rohbau ein Feuer gelegt worden, die Täter sind bis heute nicht ermittelt.

Trotz der Neubauten scheint Hannover kaum noch Kapazitäten zu haben. So musste die Stadtverwaltung auf eine Turnhalle der Feuerwehr im Stadtteil Stöcken zurückgreifen, um dort 22 Männer einzuquartieren. Versorgt werden die Flüchtlinge vom Deutschen Roten Kreuz. Die Hilfsorganisation gibt nicht nur sozialpädagogische Hilfe, sie liefert zusätzlich auch das Essen. „Die Turnhalle ist eine Notunterkunft“, betont Bodemann. Die Suche nach Alternativen gestaltet sich schwierig. Auch auf dem freien Immobilienmarkt seien Wohnungen inzwischen ein „rares Gut“, sagt der Baudezernent.

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