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Aus der Stadt Pistolen lagen auf Sessel herum
Hannover Aus der Stadt Pistolen lagen auf Sessel herum
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17:26 31.10.2013
Von Michael Zgoll
Seit Dienstag muss sich Waffennarr Uwe G. vor Gericht verantworten.
Seit Dienstag muss sich Waffennarr Uwe G. vor Gericht verantworten. Quelle: Dröse
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Hannover

Die beiden Polizisten, die am Donnerstag im Prozess gegen den Waffennarren Uwe G. aussagten, fanden für den Zustand seines Domizils im Zooviertel deutliche Worte. „Messi-Wohnung“, formulierte ein Beamter, als „zugemüllt“ bezeichnete sie seine Kollegin. Die 18. Große Strafkammer versuchte sich im Laufe der Verhandlung ein Bild zu machen, wie G.s Behausung in der Löwenstraße im November 2012 ausgesehen hatte – in jenem Monat, als die Ermittler durch Zufall auf ein Depot mit mehr als 200 Waffen und Waffenteilen, Tausenden von Schmuckstücken, Münzen und Uhren sowie 290.000 Euro stießen.

Wie oft sich G. in dieser im zweiten Stock gelegenen Wohnung aufhielt, ist noch offen; es gab ja auch noch eine zweite in der Kronenstraße. Polizeilich gemeldet war G. im Zooviertel jedenfalls nie, auch wenn er am Klingelschild seinen Namen preisgab. Offenbar hatte eine frühere Lebensgefährtin des „Villenschrecks“ das Appartement 1980 gemietet; die Frau soll 1983 gestorben sein. In dieser Zeit – von 1982 bis 1989 – verbüßte Uwe G. bereits eine Gefängnisstrafe wegen Diebstahls und illegalen Waffenbesitzes. „Die Miete ist bis Oktober 2012 aber immer pünktlich überwiesen worden“, erklärte ein Immobilienverwalter gestern vor Gericht. Zuletzt waren 291,44 Euro pro Monat fällig.

Am 5. November dann begannen die Auffälligkeiten, die schließlich zur Entdeckung des Waffenlagers führten. Einer Mieterin in der darunterliegenden Wohnung fiel ein Wasserfleck an ihrer Decke auf. Der Verwalter hängte einen Zettel an G.s Tür, dieser meldete sich zehn Tage später per Telefon. Eine defekte Waschmaschine sei nunmehr von ihm selbst repariert worden, ansonsten sei er häufig „mit seinem Chef“ in Osteuropa unterwegs, um Antiquitäten zu kaufen. Wenige Tage nach diesem Anruf, am 17. November, vergrößerte sich der Wasserfleck rasant, die Mieterin sah an ihrem Türrahmen Tropfen hinunterrinnen.

Nach einem riesigen Waffenfund in zwei Privatwohnungen in Hannover muss sich seit Dienstag ein 69 Jahre alter Schwerkrimineller vor dem Landgericht verantworten.

Dieses Mal verständigte der Hausmeister Verwalter, Klempner, Schlüsseldienst und Polizei. Die Gruppe drang in eine halb abgebaute Küche vor, in der ein Rohr leckte und das Wasser zentimeterhoch auf dem Fußboden stand. Der Wohnraum war mit Möbeln zugestellt, alles sah staubig, das Bad nach Aussage eines Augenzeugen „eklig“ aus. Die ersten Pistolen entdeckte man in einem Rucksack, die nächsten auf einem Sessel unter einer Decke. Auf einer Anrichte lagen Schmuckstücke und Bahncards mit G.s Konterfei – die Ermittlungsmaschinerie lief an.

Zu Gesicht bekommen habe er G. im Laufe der Jahre nur vier bis fünf Mal, sagte der Hausmeister. Einmal sei er dem Mann mit der Mähne und dem Zottelbart auf dem hannoverschen Flohmarkt begegnet. Nach Aussage eines Bekannten habe sich G. dort häufiger herumgetrieben.

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