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Aus der Stadt Hannover war einmal Hansestadt
Hannover Aus der Stadt Hannover war einmal Hansestadt
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00:16 28.01.2018
Im Stadtarchiv forschen die Historikerinnen Carola Piepenbring-Thomas (links) und Angela Ling Huang über Hannovers Vergangenheit als Hansestadt.
Im Stadtarchiv forschen die Historikerinnen Carola Piepenbring-Thomas (links) und Angela Ling Huang über Hannovers Vergangenheit als Hansestadt. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

 Das Feld muss noch bestellt werden, doch was kann es Schöneres für Historiker geben? „Hannover als Hansestadt, das ist so gut wie unerforscht, es gibt keine einzige Arbeit dazu“, sagte Cornelia Regin, die Leiterin des Stadtarchivs. Aber es existieren etliche Dokumente, aufbewahrt in einigen Kisten, bislang vergessen in hinteren Regalen und seit Jahrhunderten nicht berührt. Es geht um die Zeit zwischen 1535 und dem Beginn des 17. Jahrhunderts. Im Archiv liegen für heutige Augen schwer entzifferbare Briefe, Abschriften von Stadtschreibern, Rechnungen, Listen, die Hannovers Zugehörigkeit zur Binnen-Hanse belegen. Sie ermöglichte Handel, dem die Stadt einen Teil ihres Wohlstands verdankte. Regin folgert, dass die Bedeutung der hansischen Handelskontakte für die Stadtgeschichte bislang unterschätzt worden sei. 

Die Historikerin Angela Ling Huang vom Europäischen Hansemuseum Lübeck wird die Dokumente auswerten und sich auch mit Quellen außerhalb von Hannover beschäftigen, es gab ja Beziehungen untereinander, die nachgewiesen sind. Was es nicht gab: Bündnisverträge oder etwa Siegel zum Zeichen der Zugehörigkeit. Bekannt ist, „dass Hannovers Textilproduktion bis in den Londoner Raum ging“, erwähnte Ling Huang. Auch Bier soll ein wichtiger Exportartikel gewesen sein. Zu klären wird sein, welche Städte warum und zu welchem Nutzen zu regionalen Bündnissen gehörten. Hannover jedenfalls hat sich mitunter, bei aller Konkurrenz im Städtewettbewerb, in der Hanse von Braunschweig vertreten lassen. 

In diesem Jahr wollen Ling Huang und ihre Kollegin Carola Piepenbring-Thomas die Unterlagen erschließen, Anfang nächsten Jahres sollen Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Dann wird sich genau zeigen, welche Rolle Hannover in der Binnen-Hanse spielte, jenen Städten, die keinen Zugang zum Meer hatten und, wie Regin sagte, „nicht zur ersten Liga“ wie Hamburg und Bremen zählten. In Lübeck ist Hannover bereits vertreten: In der Dauerausstellung des Hansemuseums tritt die Stadt mehrfach auf, das erste Mal bereits 1518. 

Hannoversche Politiker dürften die Auswertung mit Spannung verfolgen. Einige hoffen bereits, dass eine Hansestadt Hannover abseits jeder Wissenschaft womöglich Touristen anziehen könnte. Auf der Suche nach Erfahrungen in dieser Richtung könnten sie in den Hansestädten Uelzen oder Buxtehude nachfragen. 

Von Gunnar Menkens