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Aus der Stadt Wird das Hohe Ufer bald zum Surfparadies?
Hannover Aus der Stadt Wird das Hohe Ufer bald zum Surfparadies?
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00:43 18.05.2018
So stellen sich die Surffans die stehende Welle in Höhe des Flohmarktparkplatzes vor.
So stellen sich die Surffans die stehende Welle in Höhe des Flohmarktparkplatzes vor. Quelle: Quelle: Leinewelle
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Hannover

 Surfen auf einer stehenden Flusswelle mitten in der City Hannovers – das bereits lange diskutierte Vorhaben der Initiative Leinewelle kommt jetzt einen großen Schritt weiter. Die Surffans rund um Gastronomen und Architekten Heiko Heybey haben einen Antrag auf wasserrechtliche Genehmigung eingereicht. Die zuständige Regionsbehörde verspricht, Tempo zu machen. „Das Verfahren soll zügig ablaufen, wir werden noch in diesem Jahr einen Beschluss vorlegen“, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann. Parallel bitten die Wellenreiter die Stadtverwaltung in einem sogenannten Gestattungsvertrag, Uferbereiche der Leine nutzen zu dürfen. Das Papier soll im kommenden Monat dem Bezirksrat Mitte als erstem Gremium vorgelegt werden.

Manche im Rathaus hat die Welle bereits mitgerissen: „Im nächsten Sommer können wir auf der Leine surfen“, sagt ein hochrangiger Mitarbeiter. Doch dafür müssen noch einige Hürden genommen werden.

Die stehende Welle soll sich nach den neuesten Plänen in Höhe des Flohmarktparkplatzes auftürmen. Dazu ist es nötig, den Flussgrund zu bearbeiten. Vorbild ist die Eisbach-Welle in München, die sich inzwischen zu einen touristischen Anziehungspunkt entwickelt hat. Das Vorhaben in Hannover hat viele Unterstützer, etwa den Geschäftsführer des Unternehmens Gundlach, Lorenz Hansen. Auch die Ratspolitik sowie Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) stehen dem Projekt wohlwollend gegenüber, doch öffentliches Geld soll nicht fließen.

Heybey will die Leinewelle mithilfe von Sponsoren finanzieren und rührt schon kräftig die Werbetrommel. „Die Leinewelle ist in Niedersachsen ein einmaliges Projekt mit Pionier-Charakter“, sagt er. Auf eine Antwort, wie viel Geld die Anlage am Ende kosten wird, will er sich nicht festlegen, denn noch sei unklar, welche Auflagen die Region erteilen wird.

Tatsächlich steht und fällt das Surfparadies mit der wasserrechtlichen Genehmigung. Derzeit bittet die Regionsbehörde alle Interessengruppen um Stellungnahmen, darunter auch den Fischereiverein – und der hat noch immer Bedenken.

„Die stehende Welle und das Surfen stellen einen erheblichen Eingriff in das Ökosystem dar“, sagt Heinz Pyka, Vorsitzender des Fischereivereins. Daher fordert er zum Ausgleich eine Fischtreppe in Höhe des Landtags. Die sei machbar und könne mit öffentlichen Mitteln gefördert werden. Wenn die Fischtreppe gebaut werde, könne er die Leinewelle auch gegenüber den Vereinsmitgliedern vertreten. Wenn nicht, werde er mit allen rechtlichen Mitteln gegen das Surf-Projekt vorgehen.

Eingriff in die Fluss-Ökologie?

Heybey wiederum verweist auf eigene Gutachten, die zu einem anderen Schluss kommen. „Die Leinewelle ist kein Eingriff, der die Ökologie des Flusses besonders tangiert“, sagt er. Alle Fische kämen durch, daher sei eine Fischtreppe zum Ausgleich überflüssig. In Stadtverwaltung und Ratspolitik dürfte der Wunsch der Surfer, Uferbereiche zu nutzen, auf wenig Gegenwehr stoßen.

„Die Leinewelle befindet sich auf der Zielgeraden“, freute sich Bezirksbürgermeisterin Cornelia Kuppsch (CDU) am Montag im Bezirksrat Mitte. Auch in den Fraktionen habe sie einen „positiven Tenor“ gegenüber dem Projekt vernommen. Ihr Stellvertreter, Bezirksbürgermeister Wilfried Engelke (FDP), wirft lediglich die Frage auf, wie es die Surfer mit der Toilettennutzung halten wollten. „Ich möchte kein Dixieklo am Hohen Ufer sehen“, sagt er. Möglich sei, ein öffentliches WC an Ort und Stelle zu installieren.

Von Andreas Schinkel

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