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Aus der Stadt Hannover Testgebiet für Elektroautos?
Hannover Aus der Stadt Hannover Testgebiet für Elektroautos?
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22:39 15.05.2010
Von Andreas Schinkel
Hans Mönninghoff Quelle: Rainer Dröse (Archiv)
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Tatsächlich könnten bald Medikamente oder die Verwaltungspost mit Elektroautos befördert werden. Dem Vernehmen nach hat es bereits Hintergrundgespräche zwischen der Stadt und Vertretern von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) gegeben. Schon im kommenden Jahr, so ist zu hören, könnten zwei bis drei VW Caddys mit Elektroantrieb im Einsatz sein. „Mit den Stadtwerken verhandeln wir derzeit über ein Tankstellennetz für E-Fahrzeuge“, sagte Mönninghoff. Die Grünen im Rat der Stadt hoffen zudem, dass die Conti AG das ehemalige Reifenwerk in Stöcken künftig zur Produktion von Elektromotoren nutzt. Doch bei Conti winkt man ab. „Eigentlich wollen wir unseren Standort in Gifhorn erweitern und dort die Fertigung von E-Motoren unterbringen“, sagte Konzernsprecherin Antje Lewe.

Noch will sich Volkswagen Nutzfahrzeuge nicht zu konkreten Plänen äußern. „Als Erprobungsort käme Hannover aber durchaus infrage“, sagt der Wolfsburger VW-Sprecher Harthmuth Hoffmann. Nicht nur die räumliche Nähe zur Fahrzeugindustrie prädestiniere die Landeshauptstadt für einen Feldversuch, auch der Aktionsradius des städtischen Lieferverkehrs sei wie geschaffen für den Einsatz von E-Mobilen.

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Kuriere für Apotheken, Pflegedienste oder auch die Fahrzeuge der städtischen Botenmeisterei bewegen sich in einem Radius von 70 bis 80 Kilometern, die Reichweite eines Golfs oder Caddys mit Elektromotor beträgt derzeit maximal 150 Kilometer. „Dann muss der Wagen für drei bis vier Stunden an die Steckdose“, sagt Hoffmann. Entsprechende Ladestationen könnten etwa in Parkhäusern installiert werden. „Vielleicht wäre es sogar möglich, dass E-Autos keine Parkgebühren, sondern nur den Strom zum Aufladen bezahlen“, schlägt der Konzernsprecher vor.

Die Stadtwerke Hannover starten im kommenden Monat ihren eigenen Versuch. Dann kommt ein Elektrofahrzeug der Wunstorfer Firma Ecocraft zum Einsatz, das Handwerker leise und umweltfreundlich durch die Stadt befördern soll. Bei den Ratspolitikern lösen die Initiativen Begeisterung aus. „Wir sollten in Hannover vorwegmarschieren“, sagt Michael Dette, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Seine Partei habe ebenfalls den Kontakt mit VWN gesucht, um zu erfahren, was die Stadt tun kann, damit Hannover zum Versuchslabor für Elektrofahrzeuge wird. Bisher habe man aber keine Antwort bekommen. Auch die SPD zeigt verhaltene Freude. „Wir würden einen solchen Feldversuch begrüßen“, sagt Fraktionsvize Thomas Hermann. Doch müsse gewährleistet werden, dass der Strom für die E-Mobile aus erneuerbaren Energiequellen stamme.

CDU und FDP sind ebenfalls angetan: „Dann kann die Stadt endlich ihre Dreckschleudern ausmustern“, sagt der CDU- Fraktionsvorsitzende Jens Seidel. Für FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke wäre das E-Mobil auch ein Zukunftsmodell für kleine Handwerksbetriebe. Eine Frage jedoch treibt Engelke dabei um: „Dürfen die Elektroautos auch während des autofreien Sonntags fahren?“