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Aus der Stadt Untreue-Verfahren gegen Geschäftsführer eingestellt
Hannover Aus der Stadt Untreue-Verfahren gegen Geschäftsführer eingestellt
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12:43 25.01.2018
Das Strafverfahren am Amtsgericht ging für den ehemaligen Geschäftsführer glimpflich aus.
Das Strafverfahren am Amtsgericht ging für den ehemaligen Geschäftsführer glimpflich aus. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

 Das Untreue-Verfahren gegen einen 54-Jährigen, von 1997 bis 2014 beim  Natursteinbetrieb Krause als angestellter Geschäftsführer tätig, ist am Donnerstag vom Amtsgericht Hannover eingestellt worden. Allerdings muss der gelernte Steinmetz 3000 Euro an die Landeskasse zahlen. Die Anklage hatte ihm gewerbsmäßige Untreue in 18 Fällen vorgeworfen, die Schadenssumme soll bei 17.350 Euro liegen. Bei den meisten Punkten ging es um Arbeiten, die Firmenmitarbeiter im Hamelner Privathaus des Angeklagten auf Kosten des Unternehmens durchführten. Der 54-Jährige räumte die Taten im Grundsatz ein, bestritt aber die Höhe des Schadens. 

Firma ging 2015 pleite

Die Traditionsfirma Naturstein Krause mit Stammsitz in der Haltenhoffstraße ging 2015 pleite. Der angeklagte Geschäftsführer war im Fertigungswerk Letter Chef von zehn Mitarbeitern. Aufgrund der Strafanzeige eines anderen Geschäftsführers und Gesellschafters sowie der Nachforschungen des Insolvenzverwalters geriet der 54-Jährige ins Fadenkreuz der Justiz; anhängig ist auch noch ein zivilrechtliches Verfahren.

Im Strafprozess kamen diverse Vorwürfe zur Sprache, die großteils mit Arbeiten am Eigenheim des Geschäftsführers zusammenhingen. So ließ er sich auf Firmenkosten eine Treppe installieren, Fensterbänke aus Granit einbauen oder Kunststein-Abdeckungen fertigen. „Sie haben Maßnahmen veranlasst, die über eine Geschäftsführertätigkeit hinausgehen“, stellte Amtsrichter Reinhard Meffert fest. Auch wenn „Privatentnahmen“ in der Baubranche nichts Ungewöhnliches seien, habe der Angeklagte seinen Arbeitgeber doch geschädigt. 

Neuer Job im Fliesengeschäft

Dass Meffert dem Staatsanwalt folgte und das Verfahren einstellte, hatte verschiedene Gründe. Die Taten wurden zwischen 2010 und 2014 begangen, lagen also schon relativ lange zurück. Zudem legte der Angeklagte im Grundsatz ein Geständnis ab, ist auch nicht vorbestraft. Und schließlich wäre es sehr aufwendig geworden, bei jeder einzelnen Abrechnung die exakte Schadenssumme zu ermitteln. „Mit diesen Beträgen werden Sie Naturstein Krause aber sicher nicht in die Insolvenz getrieben haben“, meinte der Richter. Tatsächlich hatte das unter Umsatz- und Mitarbeiterschwund leidende Unternehmen bis 2015 Schulden in Millionenhöhe aufgehäuft.

Der Angeklagte war sichtlich erleichtert, das Strafverfahren so glimpflich überstanden zu haben. Sein Dasein als kleiner Chef hat allerdings ein Ende – derzeit arbeitet er als Fliesenfachverkäufer. 

Von Michael Zgoll