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Aus der Stadt Urlauber müssen für eigenmächtige Umbuchung zahlen
Hannover Aus der Stadt Urlauber müssen für eigenmächtige Umbuchung zahlen
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14:54 15.01.2018
Die Strände von Antayla sind bei Touristen beliebt.
Die Strände von Antayla sind bei Touristen beliebt. Quelle: dpa
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Hannover

 Reiseveranstalter können die Abflugzeiten von Flügen nicht einfach zuungunsten von Urlaubern verändern – das kann durchaus ein Mangel sein, für den ein Unternehmen haften muss. Doch andererseits dürfen verärgerte Reisende nicht vorschnell und auf eigene Faust Ersatzflüge buchen: Für deren Kosten müssen sie unter Umständen persönlich geradestehen. Das ist der Tenor eines Urteils des Amtsgerichts Hannover, das jetzt gefällt wurde. Der Konflikt drehte sich um die zweiwöchige Reise einer Familie in den türkischen Badeort Antalya.

5163 Euro hatte die Familie beim Touristikkonzern Tui für eine Pauschalreise im Juni 2016 gezahlt. Ursprünglich sollte ihre Maschine vom Flughafen Hamburg an einem Montagmorgen um 5.55 Uhr starten, der Rückflug ab Antalya war 14 Tage später für 19.40 Uhr terminiert. Doch am Vortag der Abreise wurde den erwartungsfrohen Reisenden mitgeteilt, dass der Hinflug erst um 15.05 Uhr stattfinden würde (Ankunft in Antalya um 19.40 Uhr), während der Rückflug auf 10.50 Uhr vorverlegt worden sei. Damit wurden der Familie rund 18 Stunden Urlaubszeit gekappt. 

Die Eltern nahmen via Facebook sofort Kontakt zur Tui auf und forderten eine Umbuchung auf einen anderen Hinflug, den sie bereits herausgesucht hatten – natürlich mit einer Abflugzeit, die ihnen mehr Zeit am Mittelmeer beschert hätte. Ein Mitarbeiter teilte den Kunden im Zuge mehrerer Gespräche mit, dass die Prüfung der Angelegenheit noch etwas Zeit erfordere. Doch irgendwann riss den Eltern der Geduldsfaden: Rund anderthalb Stunden nach der ersten Kontaktaufnahme buchten sie auf eigene Verantwortung zwei neue Flüge. Später klagte die Familie bei der Tui 892 Euro ein: 190 Euro für den alternativen Hinflug, 334 Euro für den Rückflug sowie eine Minderung des Reisepreises für zwei halbe Tage.

Zivilrichterin Dagmar Frost gestand den Klägern zu, dass eine Verlegung von Flügen um jeweils neun Stunden eine erhebliche Beeinträchtigung darstellt und ein Reisender in solch einem Fall durchaus eine Erstattung seiner zusätzlichen Aufwendungen verlangen kann. Allerdings müsse er dem Reiseveranstalter eine angemessene Frist einräumen, um den Mangel zu beheben; auch müsse er diese Frist klar benennen. Dies aber hätten die Urlauber versäumt, so Frost: „Die Buchung der Ersatzflüge ist vorschnell erfolgt.“ Und da sich diese an den ursprünglich geplanten Flugzeiten orientiert hätten, ergänzte die Richterin, könne die Familie auch keine Ansprüche wegen einer geschmälerten Urlaubszeit stellen.

Von Michael Zgoll