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Aus der Stadt Hannover gedenkt der Opfer – und trotzt der Angst
Hannover Aus der Stadt Hannover gedenkt der Opfer – und trotzt der Angst
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21:16 20.12.2016
Jetzt erst recht: Zahlreiche Besucher, darunter mehrere Prominente, trotzten am Dienstag der Terrorangst und gingen auf den Weihnachtsmarkt. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Mit einem demonstrativen Besuch des Weihnachtsmarktes an der Marktkirche haben Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften am Dienstag ein Zeichen gegen die Angst vor Terrorismus gesetzt. Die Teilnehmer folgten einem Aufruf von Michael Fürst, dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Niedersachsen. Mit dabei waren Propst Martin Tenge, Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann, Recep Bilgen, Vorsitzender der Schura Niedersachsen, Yazid Shammout, Vorsitzender der palästinensischen Gemeinde, und Bürgermeister Thomas Hermann, der Oberbürgermeister Stefan Schostok vertrat.

Nach dem Anschlag von Berlin sind die Sicherheitsmaßnahmen auf den hannoverschen Weihnachtsmärkten erhöht worden. Unter dem Motto "Jetzt erst recht" besucht unter anderem Bürgermeister Thomas Hermann den Weihnachtsmarkt nach einer Gedenkfeier in der Marktkirche.

Nach dem Anschlag in Berlin habe er mit der Aktion ein demon-stratives Zeichen setzen wollen, sagte Fürst. „Ich möchte, dass meine christlichen Freunde ganz normal Weihnachten feiern können – mit Weihnachtsmarkt.“ Um 18 Uhr legten Fürst und seine Begleiter gemeinsam mit den Betreibern der Stände des Weihnachtsmarktes eine Schweigeminute ein.

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Eine Absage der Weihnachtsmärkte in der Region Hannover habe nicht zur Debatte gestanden, hieß es von Stadt und Polizei. Stattdessen schickte die Polizei in Stadt und Umland mehr Streifen auf die Straßen. Die Beamten wurden zudem mit schweren Schutzwesten und Maschinenpistolen ausgestattet. „Es geht auch darum, dass wir uns wegen einer diffusen Terrorgefahr nicht im Alltag einschränken lassen. Deshalb findet der Weihnachtsmarkt weiterhin statt“, teilte Oberbürgermeister Stefan Schostok mit.

Die Landespolizei patrouilliert seit Dienstagnachmittag schwer bewaffnet in den Bereichen Bahnhofstraße, Schmiedestraße und Karmarschstraße. Die Behörde hatte ihre Präsenz in der Innenstadt bereits unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Anschlags am Montagabend in Berlin erhöht. Eine konkrete Gefahr für die Region Hannover besteht aber nach Angaben von Polizeipräsident Volker Kluwe derzeit nicht. „Es handelt sich hierbei um vorbeugende Maßnahmen“, teilte er mit.

Auch die Bundespolizei am Hauptbahnhof hat die Zahl der Streifen erhöht. Die Beamten haben insbesondere den Weihnachtsmarkt auf dem Ernst-August-Platz im Auge – ein Bereich, der nach vielen Seiten hin offen ist. „Dem Weihnachtsmarkt gilt unser Hauptfokus“, sagt Behördensprecher Detlef Lenger.

Hannovers Parteichefs wollen sich durch das Attentat nicht einschüchtern lassen. „Ich gehe heute noch mit meinen Kindern auf den Weihnachtsmarkt“, sagte SPD-Chef Alptekin Kirci. Absoluten Schutz könne es in einer freien Gesellschaft nicht geben. „Aber ich habe Vertrauen in unsere Polizei“, sagte Kirci. Die Lebensweise einzuschränken, sei der falsche Weg, meinte auch Hannovers CDU-Chef Dirk Toepffer. „Ich reise heute beruflich nach Berlin und werde dort auch über den Weihnachtsmarkt gehen“, sagte er.

Gebet in der Marktkirche: Für Mittwoch ist um 18 Uhr in der Marktkirche ein multireligiöses Friedensgebet geplant, an dem ebenfalls Vertreter unterschiedlicher Religionen teilnehmen werden.       

Von Tobias Morchner und Andreas Schinkel

Der Abend auf dem Weihnachtsmarkt zum Nachlesen:

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