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Aus der Stadt Hannover gedenkt schweigend der NSU-Opfer
Hannover Aus der Stadt Hannover gedenkt schweigend der NSU-Opfer
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15:24 23.02.2012
Im Neuen Rathaus wurde schweigend der Opfer der Neonazi-Mordserie gedacht. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Im Neuen Rathaus versammelten sich Beschäftigte der Landeshauptstadt, um an der Schweigeminute teilzunehmen. Niemand habe sich vorstellen können, dass über ein Jahrzehnt eine Bande rechtsextremistischer Gewalttäter unerkannt eine Serie niederträchtiger Morde vor allem an türkischstämmigen Mitbürgern habe begehen können, sagte Oberbürgermeister Stephan Weil. „Das ist etwas, das uns alle schockiert. Es ist insbesondere für die türkischen Menschen in unserem Land und in unserer Stadt wichtig, dass wir mit ihnen fühlen und dass wir uns auch schämen dafür, was ihnen geschehen ist.“ Das gemeinsame Gedenken solle auch deutlich machen, dass die große Mehrheit der Bevölkerung  sich gegen rechtsextremistische Gewalt zur Wehr setze.

An der Aktion beteiligten sich auch zahlreiche Unternehmen sowie die Verkehrsbetriebe, die Busse und Bahnen für eine Minute still stehen ließen, auf Anzeigentafeln hieß es: „Signal gegen rechte Gewalt.“

Am Donnerstag wurde um 12 Uhr den Opfern des rechtsextremistischen Terrors gedacht. Busse und Bahnen standen still. Auch im Neuen Rathaus versammelten sich Hunderte Mitarbeiter zur Schweigeminute.

Auch an anderen Orten in Niedersachsen wurde der Opfer gedacht: Kommunen, Betriebe und Tausende Menschen haben sich am Donnerstag in Niedersachsen an dem Gedenken für die Opfer der Neonazi-Mordserie beteiligt. Im Landtag gedachten die 143 anwesenden Abgeordneten mit gesenkten Köpfen der Opfer.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände hatten zu der bundesweiten Gedenkveranstaltung aufgerufen. „Belegschaften in Unternehmen und Verwaltungen, Schulen, Verkehrsbetriebe, zahlreiche Verbände und Organisationen, die Kirchen und die Bundeswehr, Medien und Politiker haben an der Gedenkminute teilgenommen“, erklärte der Vorsitzende des DGB in Niedersachsen, Hartmut Tölle. „Diese Beteiligung ist enorm und zeigt deutlich, dass Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit viele Menschen mit Abscheu erfüllen.“

„Wir müssen rassistisches und fremdenfeindliches Gedankengut im Keim ersticken, damit Neonazis keine Chance haben“, mahnte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes NiedersachsenMetall, Volker Schmidt. Kulturelle Vielfalt sei keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung. 

Niedersachsens Integrationsministerin Aygül Özkan (CDU) sagte mit Blick auf die Opfer des rechten Terrors: „Wir gedenken ihrer mit Trauer, mit Sorge, und manch einer empfindet auch Wut. Aber wir dürfen nicht zulassen, dass an diesem Gedenktag die negativen Gefühle überhandnehmen.“ Diese unfassbaren Verbrechen seien von einer radikalen Minderheit begangen worden, kollektive Verdächtigungen gegen „die Deutschen“ seien in diesem Zusammenhang fehl am Platze. 

Das Zwickauer Neonazi-Trio soll zwischen 2000 und 2007 neun Menschen griechischer und türkischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin ermordet haben. Die Verdächtigen konnten jahrelang von den Sicherheitsbehörden unentdeckt agieren. 

sta/dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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