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Aus der Stadt Hannover greift nach den Sternen
Hannover Aus der Stadt Hannover greift nach den Sternen
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10:13 18.02.2011
Von Conrad von Meding
Fragil wirkende Konstruktion: Ingenieur Jan Mehnert auf dem Werksgelände mit dem 30 Meter hohen Quadrupod, dem Kamerahalter des Teleskops. Quelle: Martin Steiner

Das ist echte Ingenieurbaukunst: Mehr als 30 Meter hoch ragt die Stahlrohrkonstruktion auf dem Industriegelände im Brinker Hafen empor, doch was so klobig und sogar leicht rostig aussieht, ist bis auf den Zehntelmillimeter exakt gefertigt. Französische Stahlbauer waren an diesem Präzisionsauftrag gescheitert, jetzt ist das hannoversche Spezialunternehmen Eiffel eingesprungen. In Kürze wird die Konstruktion vorsichtig wieder zerlegt, beschichtet und in Überseecontainer verpackt. Dann geht es per Schiff nach Afrika: Der hannoversche Stahlriese wird die Spitze sein auf dem größten von fünf Weltraumteleskopen, die auf einem Hochplateau in Namibia kosmische Vorgänge registrieren.

Seit 2004 läuft dort ein von der Max-Planck-Gesellschaft initiiertes Forschungsprojekt, vier Teleskope mit Spiegeldurchmessern von je 13 Metern sind dort installiert. In diesem Jahr kommt das fünfte hinzu: Mit seinem beweglichen 30-Meter-Spiegel wird es in der Mitte der vier kleinen Geschwister thronen und soll die Qualität der Daten aus dem All noch einmal deutlich verbessern. Immerhin geht es um Gammastrahlung: Lichtwellen, die für das menschliche Auge unsichtbar sind, aber bis zu einer Billion mal energiereicher als die uns bekannten Lichtstrahlen.

Insgesamt 60 Meter hoch wird das größte der dann fünf Teleskope des Projekts High Energy Stereoscopic System (H.E.S.S.) am Ende sein. Knapp 30 Meter über dem Spiegel hängt eine zwei Tonnen schwere Kamera, die die von den Spiegeln gebündelten Gammawellen aus dem All aufzeichnen soll. Millimetergenau muss sie ausgerichtet sein, und die gesamte Konstruktion muss sowohl der afrikanischen Hitze als auch schweren Sandstürmen standhalten. Immerhin handelt es sich nach Angaben der Max-Planck-Forscher um „das derzeit empfindlichste Instrument zur Messung sehr hochenergetischer kosmischer Gammastrahlung“.

Würde man eins der H.E.S.S.-Teleskope in Deutschland installieren, gäbe es Bilder von deutlich minderer Qualität – wenn sie überhaupt auszuwerten wären. Die Luftverschmutzung in europäischen, amerikanischen und asiatischen Ballungsräumen lässt keine exakten Bilder von Lichtwellen zu. Hinzu kommt der sogenannte Lichtsmog: Überall in besiedelten Räumen strahlt diffuses Licht von Straßenlaternen, Leuchtreklamen und Flutlichtanlagen in die Atmosphäre. Auf dem 1800 Meter hohen Plateau in Namibia hingegen gibt es derartige Einflüsse nicht. Die Luft im Südwesten Afrikas gilt immer noch als relativ sauber, und Licht­smog ist auf dem Plateau, fernab der Zivilisation, kaum zu erwarten.

Doch bevor gemessen werden kann, muss zunächst das Teleskop gebaut werden. Ebenso wie das Forschungsprojekt selbst ist auch die Technik von Internationalität geprägt. Die Unterkonstruktion, die auf einem runden Schienenkranz ruht und ein Drehen der Anlage um 360 Grad ermöglicht, stammt von einer afrikanischen Firma. Der Spiegel, der die Lichtwellen einfängt, kommt aus armenischer Produktion. Sowohl das sogenannte Schüsseltragwerk, das den Spiegel in verschiedene Neigungen schwenkt (Dish Support Structure/DSS), als auch das riesige Traggerüst für den Kamerahalter (Quadrupod) kommen aus Hannover. Was auf der Ingenieurszeichnung so fragil aussieht, bringt doch einiges auf die Waage. Der gebogene Quadrupod mit seinem Zahnkranz aus gehärtetem Stahl, auf dem der Spiegel bewegt wird, misst gut 32 mal 31 Meter und wiegt etwa 35 Tonnen – das ist das zulässige Gesamtgewicht von mehr als 20 Autos. Die große DSS-Gerüstkonstruktion bringt es sogar auf exakt dreimal so viel Gewicht.

Die hannoverschen Ingenieure von Eiffel (die mit dem Turmbau in Paris nichts außer dem Namen gemein haben) bekamen den Auftrag für die Spezialkonstruktion erst Ende August, nachdem der andere Auftragnehmer aufgegeben hatte. „Es ist ein wenig Nothilfe für das Projekt“, sagt Jan Mehnert, der bei Eiffel Deutschland den Stahlhochbau verantwortet: „Deshalb musste alles ziemlich schnell gehen.“ Exakt wurde trotzdem gearbeitet. „Bei derart großen Konstruktionen können allein durch das Erhitzen beim Schweißen Ungenauigkeiten im Stahl entstehen“, sagt Mehnert. Trotzdem wurde die Vorgabe der zehntelmillimetergenauen Vorgaben offenbar eingehalten. Die Spezialisten des Prüfbüros Drecoll haben in der vergangenen Woche mit Lasersensoren das Schüsseltragwerk nachgemessen, der Auftraggeber hat die Arbeit bereits für gut befunden und abgenommen. Nächste Woche ist der Quadrupod an der Reihe, dann wird alles noch einmal mit feinkörnigem Stahlkies abgestrahlt und mit Zinkstaub beschichtet. Lastwagen holen die Konstruktion dann ab, am 18. März verschifft die „Purple Beach“ die gesamte Konstruktion nach Walvis-Bay (Walfischbucht) in Namibia. Im Spätsommer soll die Anlage einsatzbereit und bei der Lösung der vielen Rätsel um die Gammastrahlen im All behilflich sein.

Als die vier ersten Teleskope in Namibia ihre Arbeit aufnahmen, gab es ein großes Fest, die Eröffnungsansprache hielt Namibias Premierminister Theo-Ben Gurirab. Ob die hannoversche Belegschaft zur Eröffnung von H.E.S.S.-II eingeladen wird, weiß man in Brink-Hafen noch nicht. „Aber interessant wäre es schon“, sagt Ingenieur Mehnert: „Nachdem wir ein halbes Jahr gerechnet und ein Vierteljahr gebaut haben, wäre es toll, die Anlage in Betrieb zu sehen.“

Das Projekt

Mit den in Namibia installierten H.E.S.S.-Teleskopen (High Energy Stereoscopic System) wollen internationale Forscherteams Supernova-Überreste und andere exotische Objekte orten und verstehen. Initiiert wurde das Projekt vom Max-Planck-Institut, Bauherr ist die Investgesellschaft Edelweiß in Windhuk – so, wie auch bei der Forschung vor allem afrikanische Nachwuchswissenschaftler eingebunden sind. Mit den Teleskopen lassen sich Gammastrahlen mit Energien bis zu tausend Milliarden Elektronvolt nachweisen – unser sichtbares Licht liegt bei einem Elektronvolt. Diese sehr hoch­energetischen Gammastrahlen sind sehr selten – sogar im Falle starker Quellen trifft nur etwa ein Gamma-Quant pro Monat pro Quadratmeter auf unsere Atmosphäre. 2008 gelangen den H.E.S.S.-Forschern gemeinsam mit dem Fermi-Weltraumteleskop der Nasa überraschende Erkenntnisse über einen aktiven Galaxienkern, die viele bisherige Erkenntnisse infrage stellten.

Mehr als 8900 Beschäftigte und jährliche Einnahmen von 546 Millionen Euro: Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) ist nicht nur Krankenhaus, Lehr- und Forschungsbetrieb, sondern auch ein Wirtschaftsunternehmen mit großer Bedeutung für die ganze Region.

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