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Aus der Stadt Hannover hat die meisten Singles
Hannover Aus der Stadt Hannover hat die meisten Singles
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21:43 11.07.2012
Jeder fünfte Deutsche wohnt allein. Damit hat der Anteil der Alleinlebenden einen neuen Höchststand erreicht. Quelle: dpa (Archiv)
Hannover

Die bundesweite Übersicht über Singlepartys und Singlebörsen zeigt: Hannover hat offenkundig kein besonders Singleproblem. In Berlin, Hamburg und München jedenfalls werden in diesem Monat deutlich mehr derartige Partys und Abendveranstaltungen angeboten. Und trotzdem: Die gestern vorgestellte Bundesstatistik hat Hannover erneut den Platz als deutsche Stadt mit den anteilig meisten Einpersonenhaushalten zugewiesen. Vor Berlin und Leipzig, die sich den zweiten Platz teilen. Sind Hannoveraner einsame Menschen? Oder kann man mit ihnen einfach nur schlecht zusammenleben? Oder sind sie individueller, legen mehr Wert auf Freiräume?

Im Rathaus hat man gestern keine plausible Antwort auf den seltsamen Rekord geben können. Sprecher Dennis Dix weist aber darauf hin, dass Hannover auch im vergangenen Jahr schon leicht vor Berlin lag. Es scheint also keine neue Entwicklung zu sein. Genaue Analysen sind aber schon deshalb schwer, weil Stadt und Bund mit verschiedenen Datensätzen operieren. Mal wird die Zahl der Haushalte gezählt, mal die Zahl der einzeln gemeldeten Personen.

Fakt ist: Mehr als 165 000 Menschen, die statistisch als Singles geführt werden, müsste es rechnerisch in Hannover geben. Sie können geschieden sein oder verwitwet, können als ewige Junggesellen gelten und der Ehe abgeschworen haben – sie können aber auch eine Fernbeziehung führen oder sich einfach entschieden haben, in getrennten Wohnungen zu leben. Darüber gibt der pure Datensatz keine Auskunft. Und es ist sogar noch etwas komplizierter: Manchmal leben auch mehrere Einpersonenhaushalte in einer Wohnung. In Studenten-Wohngemeinschaften etwa ist das so oder in Altenheimen. Man sollte also vorsichtig sein mit der Statistik.

Bundesweit ist der Trend aber unübersehbar: Mit 15,9 Millionen Deutschen ist die Zahl der allein Lebenden auf ein neues Rekordhoch geklettert. Das statistische Bundesamt registrierte 4,5 Millionen mehr Singles als noch vor 20 Jahren.  Jeder Fünfte lebt allein. Die Daten basieren auf dem Mikrozensus 2011.

Die Experten in Wiesbaden gehen davon aus, dass die Zahl der Singles weiter zunehmen wird. „Im Jahr 2030 werden voraussichtlich rund 23 Prozent der Einwohner Deutschlands einen Einpersonenhaushalt führen“, sagte Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes. Für die Kommunen bedeute diese Entwicklung eine neue Herausforderung: Kleinerer Wohnraum und Betreuungsmöglichkeiten für alleinstehende Ältere müssten bereitgestellt werden.

In Hannover beschäftigen sich bereits Fachrunden mit dem Phänomen. Auf Antrag der rot-grünen Ratsmehrheit wird ein stadtweites Wohnungsprogramm erarbeitet, mit dem Vorkehrungen für die Veränderungen in der Bevölkerung getroffen werden. Auch Sozial- und Kulturexperten befassen sich mit den Trends der Bevölkerungsentwicklung: Wo Menschen häufiger alleine leben, muss die Gesellschaft andere Netzwerke knüpfen. Was früher (Groß-)Familien aufgefangen haben, muss heute häufig mit besseren Betreuungsangeboten aufgefangen werden, um Vereinsamung vorzubeugen.

Warum gerade in Großstädten der Anteil der Alleinlebenden wachse, könne man nur spekulieren, meinten gestern die Statistiker. „Wahrscheinlich liegt es an der besseren Infrastruktur und einem vielfältigeren kulturellen Angebot“, sagte Thomas Haustein vom Fachbereich Mikrozensus. Andere Daten sind besser belegt:

  • Größeres Armutsrisiko: Wer denkt, das Singleleben sei vor allem frei von  Pflichten und Kompromissen, der irrt. Oft sei es vor allem mit finanziellen Problemen und einem erhöhten Armutsrisiko verbunden, betont Statistikchef Egeler. „So beziehen Alleinlebende zum Beispiel überdurchschnittlich Leistungen aus Hartz IV, wie Daten der Bundesagentur für Arbeit belegen.“
  • Mehr allein lebende Männer: Eklatante Unterschiede gibt es bei den Geschlechtern. Vor allem der Anteil der allein lebenden Männer erhöhte sich in den vergangenen 20 Jahren. Waren 1991 elf Prozent von ihnen Singles, lag der Anteil 2011 schon bei 19 Prozent. Bei den Frauen gab es im selben Zeitraum einen Anstieg um drei Prozentpunkte. Im Alter kehrt sich das allerdings um. Die höhere Lebenserwartung von Frauen trägt dazu bei, dass ab 59 Jahren mehr Frauen als Männer in Einpersonenhaushalten leben. Je älter sie werden, desto weiter klafft die Schere auseinander.
  • Single-Frauen öfter Chefs: Geht es um Bildung, so sind vor allem allein lebende Frauen besser gebildet als Single-Männer. Diese Frauen arbeiten häufiger Vollzeit und sind häufiger in Führungspositionen vertreten als verheiratete und in Mehrpersonenhaushalten lebende Frauen.
  • Im Osten steigt die Singlezahl: In Ostdeutschland ist die Zahl der Einpersonenhaushalte seit der Wiedervereinigung um 57 Prozent auf 3,7 Millionen gestiegen. Mögliche Ursache sei die Abwanderung junger Menschen aus den neuen Bundesländern, hieß es gestern bei der Vorstellung der Daten in Berlin.

Fest steht: Das Ansehen von Singles in der Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gründlich gewandelt. „Galten der Hagestolz oder die alte Jungfer früher als Karikaturen, deren Besonderheiten überspitzt dargestellt wurden, ist es heute nicht mehr anrüchig, Single zu sein“, sagt der Dresdener Singleforscher Prof. Karl Lenz. Die typische Singlefrau oder der typische Singlemann seien meist keine Personen, die keine Beziehungserfahrungen haben, sondern entweder bewusst ungebunden oder in einem Übergang von einer zur nächsten Beziehung.
Auch wenn sich die Datenlage laut Statistischem Bundesamt in den nächsten Jahren nicht großartig ändern wird – „zum Heiraten ist es nie zu  spät“, so Statistikchef Egeler. Allein 2010 hätten rund 11 .800 alleinstehende Menschen über 65 Jahren den Schritt in die Ehe gewagt.

Südstadt als Hochburg der Einpersonenhaushalte

Wie in allen Großstädten sind auch in Hannover die meisten Einpersonenhaushalte im Stadtbezirk Mitte gemeldet. Davon abgesehen aber ist der Bezirk Südstadt-Bult der Bereich  mit den meisten Singles in Hannover. „Kein Wunder“, sagt Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne: „In der Südstadt gibt es viele innenstadtnahe Wohnungen, die für Singles bestens geeignet sind.“ Negativ findet er den statistischen Rekord nicht. „Die hohe Zahl an allein Lebenden sorgt sicherlich für eine höhere Fluktuation, aber das schafft Belebung im Stadtteil.“

Die Südstadt (61,8 Prozent Einpersonenhaushalte) ist dicht gefolgt von den Bezirken Linden-Limmer (61,4 Prozent) und Vahrenwald-List (58,0 Prozent). Die beiden Bezirke mit den wenigsten Einpersonenhaushalten sind Kirchrode-Bemerode (40,8 Prozent) und Bothfeld-Vahrenheide (39,8 Prozent). Im Stadtdurchschnitt hat Hannover 52,9 Prozent Einpersonenhaushalte.

Conrad von Meding und Nora Lysk

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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