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Aus der Stadt Soundtrack einer Stadt
Hannover Aus der Stadt Soundtrack einer Stadt
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14:22 29.05.2017
Singen über Hannover: Fat Belly, Barbara Schöneberger, Matthias Brodowy und jetzt auch Terry Hoax und Jens Krause. Quelle: dpa, Steiner, Schledding
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Hannover

Hannover soll „Unesco City of Music“ werden. Um zu zeigen, wie musikalisch die Stadt ist, hat das Kreativnetzwerk zusammen mit hannoverschen Musikern einen Song produziert, der als Gruß in die Welt geschickt werden soll. „Welcome Home“ stammt aus der Feder von Terry-Hoax-Sänger Oliver Perau, der sich für die musikalische Liebeserklärung an seine Stadt mit 30 lokalen Künstlern wie Denise M'Baye, Marco Heggen und Marc Terenzi zusammengetan hat.

Damit das Lied auch genügend Aufmerksamkeit bekommt, haben sie sich ein besonderes Musikvideo ausgedacht: Bei der Fête de la Musique filmten am Sonnabend 40 Kamerateams, wie Besucher und Bands an allen 29 Bühnen in der Innenstadt gleichzeitig „Welcome Home“ sangen. Der Zusammenschnitt wird als Werbebotschaft für Hannover ins Internet gestellt und der Unesco-Kommission zugespielt.

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Die Idee zu dem gemeinnützigen Projekt entstand im Kreativnetzwerk Hannover, in dem sich Selbstständige und Unternehmen aus der Kreativbranche zusammengetan haben. Mit dem Lied soll die Bewerbung Hannovers als Unseco-Musikstadt gefördert werden. Inhaltlich könnte „Welcome Home“ jedoch auch von Berlin, Tokio oder Pattensen handeln. Denn im Text gibt es kaum Bezüge zu Hannover. Nur in der letzten Strophe erklingt im Hintergrund leise der Satz: „Hannover loves me“. Die Gefahr, diese Liebeserklärung zu überhören, ist ziemlich groß. Ob sich Hannover künftig zusammen mit Sevilla (Spanien), Glasgow (Großbritannien) und Brazzaville (Kongo) zum weltweiten Netzwerk der Unesco-Musikstädte zählen darf, entscheidet sich im Oktober.

Allerdings ist „Welcome Home“ nicht das erste Stück, das über Hannover gedichtet wurde. Im Internet kursieren zahlreiche Songs, die ebenfalls die Stadt an der Leine thematisieren. Ihre Meinung zu Hannover haben etwa prominente Sänger wie Barbara Schöneberger und Matthias Brodowy musikalisch kund getan. Und auch Möchtegernrapper und Independent-Kollektive lassen sich vor der Netzgemeinde über die Stadt aus. Nicht immer kommt Hannover dabei gut weg. Während manche Musiker ihre Liebe zur Leinestadt in Töne und Reime verpacken, kritisieren andere sie für ihre Mittelmäßigkeit. Diese zehn Lieder handeln von den attraktiven und den nervigen Seiten Hannovers.

„Welcome Home“

Es ist das jüngste Musikstück über Hannover. Entstanden ist es im Kreativnetzwerk Hannover. Inhaltlich könnte es aber auch für Hamburg oder Berlin werben, Hannover wird im Text nicht erwähnt, es gibt auch keinen direkten Bezug zur Stadt. Lediglich am Schluss heißt es leise im Hintergrund „Hannover loves me“.

Barbara Schöneberger und die Aromaboys

Sie fühlte sich zu häßlich für München, zu dumm für Berlin, zu trendy für Bautzen, zu prollig für Wien, klagte Barbara Schöneberger in ihrem Song „Zu hässlich für München“. Nach Hamburg (zu pleite) und Schwerin (zu reich) passte sie dem Liedtext nach auch nicht. Und dann kommt der Teil des Refrains, der in Hannover, nunja, auf verhaltenen Beifall treffen dürfte: „Manchmal hab ich das Gefühl, dass ich zu durchschnittlich bin, ich glaub, ich zieh nach Hannover, denn da gehöre ich hin.“

Die Aromaboys haben den Song geschrieben und für Schöneberger umgetextet und flochten ihn in eine lebhafte Gitarrenballade ein. Ihren Fans kündigen sie das Lied mit den Worten an: „Es geht darum, wie man in Hannover lebt. Das haben wir mit eigenen Augen gesehen.“ Hannoversche Fans scheinen sie damit nicht wirklich gewinnen zu wollen, denn schmeichelhaft ist auch ihre Version von „Zu hässlich für München“ nicht.

Matthias Brodowy „Stadt mit Keks“

Eine liebevolle Ballade hat Matthias Brodowy seiner Heimatstadt gewidmet. Mit Zeilen wie „Liebe auf den dritten Blick und dafür umso mehr“ wirbt der Kabarettist bei seinen Auftritten in ganz Deutschland für Hannover. Ab und zu versucht er, auch die Hannoveraner davon zu überzeugen, wie liebenswert die „Stadt mit Keks“ ist. Zurzeit erklingt sein Lied Abend für Abend im GOP-Varieté; in der aktuellen Show „Brodowys Sommersalon“.

Fat Belly „Hannover

Das Punk-Quintett aus Hannover bedient in seinem Song das klassische Programm: Hannovers schönste Orte aufzählen. Sänger Benny erzählt etwa davon, wie er am Maschsee joggt, sich mit Freunden unterm Schwanz trifft und bei Sonnenschein im Welfengarten grillt. „Du hast fünffach das, was eine Stadt besonders macht“, heißt es schließlich im Refrain. Spaß macht das Lied durch den fluffigen, energiegeladenen Sound, auch wenn der Text nicht viel Neues bietet.

5 vor der Ehe „Hannoverliebt“

A-cappella-Band 5 vor der Ehe hat 2009 ihren Hannover-Song veröffentlicht. In „Hannoverliebt“ heißt es: „Wir Hannoveraner sind die Spanier des Nordens, auch wir sind nett – sind wir erst warm geworden.“

Freunde der Familie

Eine Pop-Rap-Hymne im Stil der Fantastischen Vier hat das Quartett Freunde der Familie für seine Heimatstadt geschrieben. Gut gelaunt spazieren die vier Newcomer durch Linden, die City und das Messegelände und preisen Hannovers Vorzüge gegenüber Städten wie Rom und Berlin an. „Das ist für die Stadt an der Leine; für mich gibt es nur diese eine“, heißt es im Refrain. Und weiter: „Ich bin mittendrin, zwischen Lena Meyer-Landrut und dem Pinkelprinz.“ Die können auch Nicht-Hannoveraner einordnen.

Rauschenberger: „Hannover, nicht Hollywood

Hannover als Endstation für geplatzte Träume, könnte man bei Rauschenbergers Hannover-Lied denken. Als Taxifahrer kurvt der Singer-Songwriter im Video durch die Stadt und singt: „Das ist Hannover, nicht Hollywood, zu viel Erwartung tat selten gut.“ Alles in Schwarz-Weiß, passend zur Stimmung. Die Melodie dagegen klingt gar nicht so trist wie der Text, sie ist vielmehr ein eingängiges Gitarrenspiel mit warmen Tönen. „Weil Leben passiert, ich mich nicht immer sträuben kann, bleibt es erst mal beim Irgendwann.“ Rauschenberger kultiviert aktiv Hannovers Image als Provinzstädtchen.

Atemlos: „Hannoverliebt“

Das Lied des Trios Atemlos ist eine umfangreiche Liebeserklärung an Hannover. „Du kannst nichts mit Hannovergleichen, jeder weiß, die Stadt ist mehr als ein Wort“, rappen die drei Jungs, begleitet von sanften Geigenklängen. Allen Wörtern, die mit der Silbe ver- beginnen, stellen sie ein Hanno- voran – das ergibt ziemlich viel Hannover im Text. Für das Trio kann es jedoch scheinbar gar nicht genug sein: „Wir bleiben auf Lebenszeit hannoverliebt“, heißt es im Refrain.

Phrasenmäher: „Hannover

Das Trio Phrasenmäher gehört eindeutig nicht zu den Hannover-Liebhabern. „Hannover, dir fehlt ein wenig Eleganz. Man trifft sich nicht am Bahnhof, sondern unterm Schwanz“, heißt es in ihrem Hannover-Song. Die Indiepopmusiker fühlen sich von der Stadt überschüttet mit Dingen, die erst cool sind und dann nerven, wie etwa Gerhard Schröder und Lena Meyer-Landrut. Mit minimalistischem Beat unterlegen sie ihr Urteil: „Hannover ist eine Stadt, die wenig kann.“ Nur einen Lichtblick gibt es: „Hannover“ ist nicht die einzige Städtehymne, die Phrasenmäher aufgenommen haben.

Lambert: „Hannover rockt“

Hannes Lambert und seine Band sind begeistert von Hannover. Das wird in ihrem Song deutlich. „Wir liefern Kanzler, Sieger, Präsidenten“, erklingt der Refrain im mitreißenden Swing-Gewand. Dass der Text etwas veraltet ist, weil man auf Christian Wulff noch stolz ist und Mirko Slomka noch bei 96 auf der Trainerbank sitzt – geschenkt. „Hannover liegt im Trend.“ Das gilt auch ein paar Jahre später noch.

Peter One & Warrior: „Hannover

Das Duo will zu den Großen der Gangsta-Rap-Szene gehören – und sieht dafür in Hannover den perfekten Ausgangspunkt. „Hier geht es so ab, Hannover ist 'ne Großstadt“, heißt es im Text, und weiter: „Es gibt so viele Gegner, doch Hannover macht sie platt.“ Die üblichen Vorzüge der Stadt sparen sie sich, dafür heben sie Hannovers Rotlichtviertel, die Zahl der hier stationierten Soldaten und den Umgang mit der Polizei hervor. Mit den Nanas ließe sich in der Szene vermutlich auch nicht punkten.

Joan Randall: „Lichter deiner Stadt“ (Hannover Version)

„Du stehst oft alleine da, doch Hannover, du bist wunderbar“, singt der Indiepopmusiker Joan Randall in seinem Lied. Der Song ist gemächlich-melancholisch mit eingängigem Klang. Doch man merkt, dass er nicht nur für eine Stadt geschrieben wurde. Erst in der allerletzten Strophe kommt der Städtename vor. Viel Werbung für Hannover macht dieser Song nicht.

Jonny Bockmist „Willkommen in Hannover

Die Hip-Hop-Hymne des Rappers Jonny Bockmist, „Willkommen in Hannover“, betont neben der Schönheit Hannovers auch der Vorteil von Rauschdrogen. Ebenfalls eigenwillig: Der Herrenhäuser-Song der Gruppe Downsteppers. Darin heißt es: „Wecker klingelt: erstmal ’n Herri / Bus verpasst: erstmal ’n Herri / Meine Frau lässt sich scheiden: erstmal ’n Herri.“ 

Lüttje Lage und Fritz Haarmann

Vom „Lüttje-Lage-Lied“ des Lokalredakteurs Fritz Thörner von 1904 bis zum Jazz-Klassiker „Swinging Hannover“ komponiert vom Prager Bigband-Chef Ferdinand Havlik in den siebziger Jahren reicht die Palette der Hannover-Lieder. Im Internet kursieren immer mehr Eigenkompositionen, mit zum Teil skurrilen bis grenzwertigen Videos. So findet sich auf Youtube sogar eine Elektro-Gothic-Version des Fritz-Haarmann-Liedes der Hamburger Band G.I.E.Z. im Horrorfilm-Stil.

Von Heidi Senska und Isabel Christian

Neidisch, Baby! Die Lüttje Lage zum neuen Hannover Lied

In Berlin, München und Köln sind sie gestern kaum zum Arbeiten gekommen vor Verdruss. Dort nämlich haben sich Kreative und Stadtverwalter vermutlich den lieben langen Tag darüber gegrämt, dass Hannover jetzt hat, was sie nicht haben: ein Lied. Über die Stadt. „Viele neidische Anrufe“ werde er von dort bekommen, hat Projektleiter Kai Schirmeyer vom Kreativnetzwerk Hannover dieser Tage gesagt.

Die hannoversche Euphorie fußt auf dem Lied „Welcome Home“, das hiesige Künstler in dieser Woche präsentiert haben. „Das ist meine Heimatstadt, Baby / Das ist meine Heimat / Das ist meine Heimatstadt, Baby / Ein Teil von mir“, heißt es darin. Nur eben auf Englisch. Da kommen die in Berlin, München und Köln nicht mit.
Und nun schwelgen sie in Hannover in Superlativen. Ausgewachsene Hauptverwaltungsbeamte lassen sich dazu hinreißen, in der Weise einen „Ohrwurm“ und sogar „Sommerhitpotenzial“ zu erkennen. „Und es ist der Ort, an dem wir zusammen sind / Es ist der Ort, an dem du bleiben kannst / Du weißt, du wirst nie allein sein / Willkommen zu Hause“, singen die Künstler frei übersetzt. Nur mal so.

Was würde der Kölner geben für solch einen Song? Oder der Berliner? Wer braucht schon dessen „Luft, Luft, Luft“, wenn er eine richtige Hometown hat? Und wen kümmert schon, wer den Dom wo lässt? Mundartliches Humtata, hier wie dort. Brauchen wir nicht.
Zugegeben, schön wäre es schon, wenn das Wort „Hannover“ in der Ode an die Heimatstadt auch vorkäme. Denn wer erklärt jetzt dem internationalen Publikum, dass „My Hometown“ nicht Osterholz-Scharmbeck ist?

Von Felix Habart

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