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Aus der Stadt „Hannover ist auf einem guten Weg“
Hannover Aus der Stadt „Hannover ist auf einem guten Weg“
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06:58 11.05.2015
Von Michael Zgoll
Rita Süssmuth besucht die Stände des Rucksack-Projekts und des interkulturellen Dienstes der Polizei. Sozialdezernent Thomas Walter (linkes Bild) steht ihr zur Seite. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Patryk. Hossain. Halil. Tougkai. Sie alle sind zwischen 17 und 19 Jahre alt. Seit rund zwei Jahren versuchen die jungen Männer aus aller Herren Länder, in Hannover Fuß zu fassen. Auf Ansichtskarten bekunden sie, ebenso wie ein Dutzend weiterer Migranten, was ihnen besonders am Herzen liegt. Ihre Wünsche ähneln sich. Anerkennung. Respekt. Berufliche Weiterbildung. Chancengleichheit. Und Arbeitsplätze. Die Karten mit ihren Anliegen präsentierten die Schüler der BBS 6 am Sonnabend im Rathaus, als Teil der Veranstaltung „Zukunft in Vielfalt“. Die Stadt Hannover hatte alle Bürger zu einem Tag mit dem Untertitel „Migration und Willkommenskultur“ eingeladen.

Die Fülle von Einrichtungen, die sich in der Landeshauptstadt um Migranten kümmern, ist groß. Das merkte auch die ehemalige Bundestagspräsidentin und Bundesministerin Rita Süssmuth bei einem Rundgang an: „Hannover ist auf einem guten Weg.“ Die 78-jährige CDU-Politikerin warf einen Blick auf den Stand des Netzwerks von Migranteneltern. Wechselte ein paar Worte mit Vereinsmitgliedern des Unterstützerkreises Flüchtlingsunterkünfte. Machte Station beim Elternbildungsprogramm „Rucksack in der Grundschule“ und bei den Beratungsangeboten für ausländische Studenten, informierte sich auch über das Berufsbildungsprojekt „Arbeiten, Lernen, Beraten“, den interkulturellen Dienst der Polizei oder die Arbeit von Migranten-Selbsthilfeorganisationen. „Am schlimmsten ist es für Flüchtlinge, wenn sie in Turnhallen oder Wohnungen festsitzen und nichts tun können“, sagte Süssmuth. Hilfsangebote von Institutionen und Bevölkerung seien hier elementar wichtig.

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In ihrer Festrede erinnerte die Politikerin daran, dass es auch schon früher Wellen von Asylbewerbern gab, dass sie persönlich bereits 1994 ein Einwanderungsgesetz gefordert hatte. Damals habe die CDU dieses Ansinnen noch empört abgelehnt. Jetzt gelte es für ganz Europa, sich den neuen Realitäten der Flüchtlingsströme zu stellen; im Gegensatz zu Deutschland gebe es leider immer noch einige Länder, die sich am liebsten heraushalten würden aus den Debatten um die Aufnahme der Gestrandeten. Das Argument, dass man nicht vorbereitet sei auf eine solche Flut notleidender Menschen, zähle nicht: „Auf Aids oder die deutsche Einheit waren wir auch nicht vorbereitet.“

Wie Süssmuth sagte, wollten die weitaus meisten der Zugereisten nicht auf Kosten Dritter leben, wollten Deutsch lernen und arbeiten. Integration bedeute aber nicht, dass die Neuankömmlinge nun zu Musterdeutschen mutieren sollten: „Sie müssen auch ihre eigene Identität leben können.“ Was das in der konkreten Auseinandersetzung mit einer Ausländerbehörde bedeuten kann, machte der Schriftsteller und Satiriker Osman Engin bei einer Lesung deutlich. Mit Kurzgeschichten wie „Ich bin Papst“ entlarvte er interkulturelle Vorurteile und Klischees auf witzige Weise.

Durchaus locker ging es auch bei einigen anderen Programmpunkten des Nachmittags zu, den die Organisatoren dem Stadtdialog „Mein Hannover 2030“ zugeordnet hatten. Jazzmusik und Theater machten gute Laune, ebenso wie die Backwaren verschiedener hannoverscher Cafés. Derart gestärkt, nahmen viele Rathausbesucher dann auch wieder bereitwillig an den Gesprächskreisen zu Integration und Willkommenskultur teil.

Jörn Kießler 11.05.2015
11.05.2015