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Aus der Stadt Die City lernt Chinesisch
Hannover Aus der Stadt Die City lernt Chinesisch
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00:20 12.03.2015
Von Volker Wiedersheim
Der Mann vom Fach(-chinesisch): Lehrer Wang Honglei mit Schülern. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Huanying Guanglin! Wer da nur Bahnhof oder böhmische Dörfer versteht, liegt falsch. Es geht um echtes Fachchinesisch. Huanying Guanglin ist ein förmlicher Willkommensgruß. Nicht schlecht, so etwas zu wissen in diesen Tagen. Die Cebit steht vor der Tür, und China ist offizielles Partnerland. 600 Firmen aus dem Reich der Mitte sind da, dazu noch einmal 120 aus Taiwan. Macht zusammen mindestens 5000 Chinesisch sprechende Gäste, die gerade ihre Koffer für den Trip zur Messe packen. Und die – so hoffen es die City-Händler – natürlich auch zum Mitbringsel-Shoppen in die Innenstadt kommen.

Genau dafür haben mehrere Geschäfte jetzt erstmals zwei Dutzend Mitarbeiter zum Chinesischkurs geschickt. Die Idee hatten Martin Prenzler von der City-Gemeinschaft und die Messe AG. „Gutes Standortmarketing“, sagt Detlev Rossa von der Messe, die auch die Kosten übernommen hat. Die Hoffnung: Der Umsatz steigt, wenn der chinesische Gast an der Tür mit einem freundlichen Huanying Guanglin begrüßt wird.

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Das improvisierte Klassenzimmer: ein Gesellschaftsraum im Obergeschoss des Brauhauses Ernst August in der Schmiedestraße. Am Flipchart steht Lehrer Wang Honglei vom Konfuzius-Institut im Chinesischen Zentrum und spricht im leicht knödelig klingenden Dialekt seiner Heimatstadt Peking vor, was er der Einfachheit halber nicht in Schriftzeichen, sondern in lateinischer Umschrift notiert hat: Ni hao (Guten Tag). Ni jiao shenme? (Wie heißen Sie?) Xie xie (Danke). Bu keqi (Bitte). Zai jian (Auf Wiedersehen). Im Chor spricht ein gutes Dutzend Kursteilnehmer nach. Der dynamische Wang trifft den richtigen Ton – und die Schüler schaffen das deshalb nach kurzer Zeit ebenfalls. Das ist wichtig, schließlich ist Chinesisch eine tonale Sprache, der Singsang einer Silbe kann die Bedeutung des Worts verändern.

90 Minuten aufwärmen, kurze Pause, dann geht’s ans Eingemachte: Wo ist die Toilette? Die Toilette ist in der ersten Etage. Xishoujian („Händewaschzimmer“) zai nar? Xishoujian zai yi lou!  Kaufhauskollegen üben den Dialog mit verteilten Rollen. Gute Laune, Gelächter – und Herr Wang stimmt ein Lied an, die Zahlen von 1 bis 10 auf die Melodie von „Bruder Jakob, schläfst du noch“.

Hilft das tatsächlich später beim Verkaufsgespräch? „Ein wirkliches Gespräch wird schwierig, davor hätten wir schon einigen Respekt. Aber schon ein paar Brocken auf Chinesisch wären toll“, sagt Katharina Baum, die in der Parfümerie Liebe oft Kunden aus Asien, Russland und arabischen Ländern bedient.

„Für so etwas muss man offen sein“, sagt Kollege Michael zu Solms vom Wettbewerber Douglas. Sprachtalent zu Solms kann bereits Kunden auch auf Spanisch und Französisch beraten. Doch bei der typischen, zurückhaltenden Art asiatischer Kunden sei es mangels der chinesischen „Eisbrecher“-Sätze eher so lala gelaufen. So lala heißt übrigens auf Chinesisch „Mama-Huhu“ – wörtlich übersetzt: Pferd Pferd Tiger Tiger.

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