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Aus der Stadt Hannover sichert sich den letzten Bulli
Hannover Aus der Stadt Hannover sichert sich den letzten Bulli
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19:01 24.01.2014
Von Juliane Kaune
Foto: „Ein erhebendes Gefühl“: Gerolf Thienel und sein Latino-VW.
„Ein erhebendes Gefühl“: Gerolf Thienel und sein Latino-VW. Quelle: Küstner
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Hannover

Er hat eine lange, weite Reise hinter sich. Am 20. Dezember wurde er im fernen Brasilien verschifft. Dann ging es immer weiter und weiter Richtung Nordosten. Gestern endlich hat er sein Ziel erreicht: Lagerstraße 2, Hannover-Limmer. Dort hatte man schon sehnsüchtig auf ihn gewartet – und ihm einen gebührenden Empfang bereitet. Das letzte Modell des legendären Transporters T2, das weltweit vom Band gelaufen ist, wird fortan in der Oldtimer-Werkstatt von VW-Nutzfahrzeuge geparkt. Voller Stolz lenkte Technikhistoriker Gerolf Thienel den besonderen Bulli an den für ihn reservierten Platz. „Das ist ein erhebendes Gefühl“, sagte Thienel in feierlichem Tonfall.

Das brasilianische VW-Werk in Sao Paulo fertigte jährlich 20.000 Exemplare des Kultmodells T2 an. Seit dem 20. Dezember ist nun Schluss, die letzte T2-Produktionsstätte hat dicht gemacht. Das letzte produzierte Modell sicherte sich VW-Nutzfahrzeuge – für die Oldtimer-Werkstatt in Hannover-Limmer.

Die kurze Fahrt vom Autohänger in die Halle wird wohl die einzige bleiben. Denn das hellblau-weiße Modell, das als finale Nummer 1200 der exklusiven Kleinserie „Last Edition“ im VW-Werk nahe der brasilianischen Metropole São Paulo gefertigt wurde, darf auf Europas Straßen nicht fahren. Den hier gültigen Abgasnormen kann der „Großvater“ der heutigen VW-Transporter, der es auf eine Höchstgeschwindigkeit von Tempo 122 bringt, auch als fabrikneuer Wagen nicht genügen. Hierzulande wurde er denn auch längst von seinen Nachfolgern T3, T4 und T5 abgelöst. Doch in Brasilien hielt man der seit anno 1968 bewährten, einst im Stöckener VW-Werk entwickelten Technik und Ausstattung weitgehend die Treue. Der Kult-Kombi, stetig optimiert, aber in den Grundzügen unverändert, wurde in São Paulo seit 1975 mit großem Erfolg gebaut. Durchschnittlich 20.000 Modelle jährlich verließen das brasilianische Werk – die letzte verbliebene Produktionsstätte für den T2, nachdem dieser in Mexiko seit 1995 und in Stöcken bereits seit 1979 nicht mehr gefertigt wird. Am 20. Dezember 2103 aber war auch in Sao Paulo Schluss. An diesem Tag ging die 45-jährige Geschichte des T2 mit weltweit rund 3,9 Millionen gebauten Modellen zu Ende.

Um den Abschied für alle etwas leichter zu machen, hatte das brasilianische Werk aber immerhin die auf 1200 Exemplare beschränkte, mit Weißwandreifen, zweifarbigem Pastelllack und Design-Armaturenbrett ausgestattete Sonderedition aufgelegt. Den wiederum letzten Wagen dieser Serie sicherte sich VW-Nutzfahrzeuge frühzeitig für die Oldtimer-Werkstatt in Limmer. Dass es sich tatsächlich um das Endprodukt einer Autoära handelt, bestätigt ein in Brasilien ausgestelltes Zertifikat: „Certificade de autenticidade, 1200/1200“ steht darauf. Bulli-Enthusiast Thienel präsentierte das Stück Papier Fotografen und Kamerateams gestern strahlend wie einen kleinen Schatz.

Die „Last Edition“ wurde an Liebhaber in aller Welt ausgeliefert. Wie viele der Bullis nach Deutschland importiert wurden, ist nicht bekannt. Mehr als eine Handvoll dürften es nicht sein, meint Nikolas Waldura aus der VWN-Pressestelle. Schließlich dürfe man mit dem Neuwagen im Retrolook wegen der Abgasnorm hier ja nicht fahren. „Den kann man sich nur in die Garage stellen.“

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